"Brot" lässt die Extreme aufeinanderprallen: So verschieden wird es hergestellt

Deutschland - Wie entsteht heutzutage eigentlich eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel der Welt? Damit beschäftigt sich die Dokumentation "Brot", die am 25. Juni in den deutschen Kinos anläuft.

In Christophe Vasseurs Handwerksbäckerei entsteht ein köstlich aussehendes Knusperbrot.
In Christophe Vasseurs Handwerksbäckerei entsteht ein köstlich aussehendes Knusperbrot.  © PR/Realfiction

Der österreichische Film von Regisseur Harald Friedl ("Aus der Zeit") gewährt umfassende Einblicke, schaut hinter die Kulissen und macht deutlich, wie unterschiedlich die Herangehensweisen und die Herstellungsprozesse sind.

Dabei werden die verschiedenen heiligen Hallen, die unterschiedlichen Backstuben, ebenfalls gezeigt.

Die größte Stärke dieses durchaus kritischen Werks ist aber, dass es neutral bleibt, sodass sich jeder Zuschauer selbst seine Meinung bilden- und entscheiden kann, welche Ansichten ihn überzeugen.

Interessant sind vor allem die mitunter krassen Kontraste. Auf der einen Seite wird Hans-Jochen Holthausen gezeigt, dem der deutsche Marktführer "Harry" gehört, mit dem er jährlich einen Umsatz von einer Milliarde Euro hat.

Er setzt auf eine industrielle Maschinenfertigung in riesigen Fabrikanlagen, für die der Begriff "Massenware" erfunden wurde. 

Holthausen revolutionierte einst mit dem sogenannten "Prebake"-System die Backwelt. Teiglinge werden halb gebacken und gefroren an Backshops und Supermärkte geliefert, wo sie dann ein zweites Mal aufgewärmt werden. Der Erfolg gibt ihm recht - zumindest irgendwie. Denn ob seine Art und Weise der Brotherstellung die einzig wahre ist, darf nach Ansicht dieser erstklassigen Dokumentation stark angezweifelt werden.

Trailer zum Kino-Dokumentarfilm "Brot"

Christophe Vasseur erklärt, warum sein Brot nur auf den ersten Blick teurer ist

Die Familie Öfferl aus Österreich legt nach einer industriellen Fertigungsphase mittlerweile viel Wert auf Nachhaltigkeit und ist eine Bio-Bäckerei geworden.
Die Familie Öfferl aus Österreich legt nach einer industriellen Fertigungsphase mittlerweile viel Wert auf Nachhaltigkeit und ist eine Bio-Bäckerei geworden.  © PR/Realfiction

Ganz anders arbeitet hingegen Christophe Vasseur. Der gebürtige Franzose hat im 10. Bezirk in Paris die Handwerksbäckerei "Du Pain et des Idées".

Dort bäckt er mit viel Liebe und erklärt im Film, dass man der jungen Generation wieder das Schmecken - und damit auch den Wert von Brot beibringen müsse. 

Denn es gehe "nicht nur um Genuss, sondern auch um Gesundheit."

Man zahle für die modernen Produkte nur auf den ersten Blick weniger: "Das zweite Mal zahlt ihr für den Arzt, weil ihr doppelt soviel esst, denn diese industrielle Nahrung sättigt nicht. Ihr werdet Diabetes und andere Leiden bekommen."

Das sei noch nicht alles: "Dann werdet ihr für die Umweltverschmutzung zahlen. Denn was glaubt ihr, wie es gemacht wird? Umweltfreundlich? Sicher nicht! Wir verseuchen das Grundwasser, verschmutzen die Erde, natürlich muss man irgendwann dafür zahlen."

Er fügt hinzu: "Und das vierte Mal: Glaubt ihr, dass die Bauern davon leben können? Denen sagt man: Produziert, produziert, produziert! Es ist allen egal, wie die eigentlich leben." Vasseur versucht mit seinem Laden deshalb, den Blick der Menschen auf das Essen zu verändern. Denn nachhaltiger Anbau bedeute sehr viel. 

"Brot"-Regisseur Harald Friedl lässt Gegensätze aufeinanderprallen

Ganz genau wird der Teig beim "Atmen" auf seine Festigkeit überprüft.
Ganz genau wird der Teig beim "Atmen" auf seine Festigkeit überprüft.  © PR/Realfiction

Er fügt, passend zum Zeitgeist, hinzu: "Die Tragödie unserer modernen Welt ist, dass wir die Zeit als Feind betrachten. Dabei ist die Zeit unser Verbündeter, sie muss respektiert werden!"

Unterschiedlicher könnten die Ansichten nicht sein. Doch nicht nur aufeinanderprallende Gegensätze stehen in dieser vielfältigen Doku im Fokus. Friedl lässt auch weitere Experten aus verschiedenen Ländern zu Wort kommen, die ihre Philosophie und ihren Antrieb erklären.

So ergibt sich am Ende ein stimmiges Gesamtbild, das zu Diskussionen anregt. Außerdem hinterfragt man seine eigene Ernährung: will man die großen Konzerne unterstützen oder lieber den kleinen Tante-Emma-Laden nebenan?

Denn auch wenn dieser Satz schon häufig gefallen ist, stimmt er einfach: jeder Kunde hat mit jedem einzelnen Einkauf die Wahl.

Wer Brot oder Brötchen im Supermarkt kauft, entscheidet sich bewusst für Massenware. Wer zu einer kleinen Traditionsbäckerei geht und dort einkauft, für eine deutlich liebevollere und nachhaltigere Variante.

Aufgrund all der Details und Beobachtungen ist "Brot" ein sehenswerter Film geworden, der Wissen vermittelt, tiefe Einblicke in die unterschiedlichen Produktionsweisen gibt und deshalb die gesamten 94 Minuten über mitreißt. Lohnt sich auch im Kino! 

Titelfoto: PR/Realfiction

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