"David Copperfield": Stiefvater drangsaliert kleinen Jungen mit Schlägen!

Deutschland - Verfilmung eines großen Klassikers der englischen Literaturgeschichte! "David Copperfield - Einmal Reichtum und zurück", der am 24. September in den deutschen Kinos startet, setzt den berühmten Roman von Charles Dickens auf ganz eigene Weise um.

David Copperfield (Dev Patel) erzählt in einem Theater seine Lebensgeschichte.
David Copperfield (Dev Patel) erzählt in einem Theater seine Lebensgeschichte.  © PR/2020 eOne Germany

David Copperfield (Dev Patel) tritt dort in einem großen Theater vor vollen Rängen auf und erzählt seine Lebensgeschichte. 

Alles beginnt im sogenannten "Krähenhorst", wo er das Licht der Welt erblickte. Clara Copperfield (Morfydd Clark) bringt ihn mithilfe der gutherzigen Hausmagd Peggotty (Daisy May Cooper) und der schrulligen Tante Betsey Trotwood (Tilda Swinton) zur Welt.

Anschließend kann er seine ersten Jahre noch genießen, vor allem Peggottys fürsorgliche Familie hat er ins Herz geschlossen. Umso schlimmer ist für ihn, dass Edward Murdstone (Darren Boyd) seiner Mutter den Hof macht und diese schließlich heiratet. Nun brechen für den kleinen David ganz harte Zeiten an. Denn auch Edwards Schwester Jane (Gwendoline Christie) ist eine Person, die es alles andere als gut mit dem aufgeweckten Jungen meint. 

Der merkt das und rebelliert mit der Zeit - was mit Schlägen bestraft wird. Um David endlich loszuwerden, schicken ihn Edward und Jane vom englischen Land in die Großstadt London, wo er sich in einer Fabrik für einen kargen Lohn und unter schlechten Bedingungen abrackern muss. In dieser Zeit wohnt er beim freundlichen Mr. Micawber (Peter Capaldi), der aber selbst bei fast allen Menschen der Gegend Schulden hat, weshalb Copperfield hier kein unbeschwertes Leben führen kann. 

Als die Gerichtsvollzieher sie aus der Wohnung werfen, landet die Familie im Knast - und Copperfield ist wieder auf sich gestellt. Zu allem Überfluss teilen ihm Edward und Jane im Büro seines Chefs dann auch noch herzlos mit, dass seine Mutter verstorben ist. Er rastet aus, kündigt seinen Job und wagt einen Neuanfang bei Betsey auf dem Land. Doch auch hier läuft nicht alles glatt... 

Deutscher Trailer zu "David Copperfield - Einmal Reichtum und zurück" mit Dev Patel

"David Copperfield - Einmal Reichtum und zurück" ist ein kurzweiliger Wohlfühlfilm mit Tiefgang

Auf der Flucht: David Copperfield (vorne; Jairaj Varsani) flieht gemeinsam mit Mr. Micawber (vorne-rechts; Peter Capaldi) vor den vielen Schuldeneintreibern.
Auf der Flucht: David Copperfield (vorne; Jairaj Varsani) flieht gemeinsam mit Mr. Micawber (vorne-rechts; Peter Capaldi) vor den vielen Schuldeneintreibern.  © PR/2020 eOne Germany

Diese Geschichte hat Armando Iannucci ("The Death of Stalin") klasse umgesetzt. Dem Regisseur, Drehbuchautor und Produzenten ist eine erfrischende eigene Version des Literaturklassikers gelungen, die von Anfang bis Ende fesselt und mit vielen humorvollen Momenten zu überzeugen weiß.

So entwickelt sich vom Start weg ein unterhaltsamer Feel-Good-Film, in den geschickt wichtige universelle Themen eingearbeitet werden. Es geht um das Ausleben der eigenen Persönlichkeit, Freiheit, darum, auch mal verrückt sein zu dürfen und einfach Spaß an seinem Dasein zu haben - egal, wie hart das Leben auch zuschlagen mag.

Bei David Copperfield handelt es sich um einen Menschen, der immer wieder aufsteht, nie aufgibt und so viel aus sich macht. Deshalb ist der Plot inspirierend und zugleich eine kritische Parabel auf das System der unterschiedlichen Gesellschaftsschichten. Viele Personen ohne Hab und Gut werden hier trotz ihrer Probleme, mit großem Herzen präsentiert und wecken bei den Zuschauern Sympathien. 

Dennoch werden sie weder im positiven, noch im negativen Sinne überzeichnet dargestellt, sondern ausgewogen. Das gilt übrigens auch für die betuchteren Personen. Hier gibt es gute und schlechte Menschen - ganz so, wie in der Realität! Das und die vielen zwischenmenschlichen Töne verleihen dem Film viel Authentizität. Denn die Figuren wirken geerdet, das Drehbuch durchdacht und die Charakterzeichnung sowie -entwicklung überzeugend. 

Dev Patel zeigt in "David Copperfield - Einmal Reichtum und zurück" eine exzellente Leistung

Regisseur Armando Iannucci (l.) gibt Hugh Laurie (M., Mr. Dick) und Dev Patel (David Copperfield) am Filmset Anweisungen für die nächste Szene.
Regisseur Armando Iannucci (l.) gibt Hugh Laurie (M., Mr. Dick) und Dev Patel (David Copperfield) am Filmset Anweisungen für die nächste Szene.  © PR/2020 eOne Germany

Darüber hinaus ist diese aus dem Leben gegriffene Geschichte kraftvoll und wird von den Schauspielern getragen. Hier ist der starke Patel ("Slumdog Millionaire", "Lion: Der lange Weg nach Hause", "Hotel Mumbai") hervorzuheben. Der 30-jährige Londoner reißt seinen Part und damit auch das Drama an sich und zeigt eine exzellente Leistung in der Hauptrolle. 

Mit seinem Charisma und seinen darstellerischen Fähigkeiten sorgt er dafür, dass das Publikum mit seinem Protagonisten mitfiebert und dabei ein Wechselbad der Gefühle durchlebt - ganz so, wie es großartige Schauspieler und Filme eben vermögen!

An seiner Seite zeigen in Nebenrollen auch Hugh Laurie ("Dr. House") und Swinton ("Doctor Strange") als schrullige reiche Landleute, Capaldi ("Doctor Who") als zerstreuter, aber herzensguter Gebildeter mit finanziellen Sorgen und Ben Whishaw (Q in den James-Bond-Abenteuern "Skyfall" und "Spectre") als hinterlistiger Intrigant allesamt gute Leistungen.

Wegen all dieser Aspekte ist das Drama mal amüsant, mal tiefschürfend, mal traurig und mal bewegend. Des Weiteren sind die Kostüme herrlich ausgefallen, die Locations abwechslungsreich, ist die Kameraführung dynamisch und die Musikuntermalung stimmig. 

Deshalb ist auch locker zu verschmerzen, dass die Spezialeffekte billig wirken. So ist "David Copperfield - Einmal Reichtum und zurück" ein sehenswerter Film voller Metaphern auf das komplizierte Leben als Mensch geworden. 

Titelfoto: PR/2020 eOne Germany

Mehr zum Thema Filmkritik:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0