"Der letzte Mieter": Zwangsenteignung führt zu blutiger Eskalation!

Deutschland - Heftiger deutscher Genrefilm! "Der letzte Mieter" läuft am 13. August in den deutschen Kinos an und stellt die Themen Zwangsenteignung, Gentrifizierung und Verlust in den Mittelpunkt. 

Weshalb genau besucht Investor Mark Franke (l., Moritz Heidelbach) Mieter Dietmar Heine (r., Wolfgang Packhäuser) am Tag der Räumung?
Weshalb genau besucht Investor Mark Franke (l., Moritz Heidelbach) Mieter Dietmar Heine (r., Wolfgang Packhäuser) am Tag der Räumung?  © PR/Dualfilm Verleih GmbH

Das Drama nimmt in Berlin seinen Lauf. Hier fährt der Monteur Tobias Heine (Matthias Ziesing) durch die Straßen, sieht heruntergekommene Häuser, Gegenden und dazu Obdachlose, die im Müll nach Verwertbarem suchen.

Er fährt nach seinem harten Arbeitstag zu seinem Vater Dietmar Heine (Wolfgang Packhäuser), der der letzte Mieter in einem unsanierten Haus ist, das modernen Wohnungen für reiche Käufer weichen soll.

Doch Dietmar will nicht ausziehen. Dafür sind zu viele Erinnerungen mit seiner Heimat verbunden. Deshalb versucht ihn der Investor Mark Franke (Moritz Heidelbach), vom Umzug in eine Sozialwohnung zu überzeugen. Er ist gerade bei Dietmar, als Tobias eintrifft. Die Situation schaukelt sich hoch, weil keiner von ihnen nachgeben will.

Dann erlebt Tobias den Schock seines Lebens: sein Vater erschießt sich aus Verzweiflung mit seiner eigenen Schrotflinte in der Küche. Seinem Sohn brennen deshalb die Sicherungen durch: Er schlägt Franke mit der Waffe bewusstlos und nimmt ihn als Geisel.

Als die freundliche Polizistin Shirin Kämper (Pegah Ferydoni), die im Haus mit ihrem Kollegen Volker Hebestreit (Tom Keune) die Räumungen durchführt, nach dem Rechten sieht, bemerkt sie schnell, dass etwas nicht stimmt. Doch auch die junge Gesetzeshüterin wird von Tobias überwältigt und als Geisel genommen. Nun droht die komplette Eskalation, denn Tobias ist mit den Nerven völlig am Ende!

Trailer zu "Der letzte Mieter" mit Matthias Ziesing und Pegah Ferydoni

"Der letzte Mieter" von Gregor Erler ist wuchtig, hat aber Schwächen in der Charakterentwicklung

Tobias Heine (r., Matthias Ziesing) mit Investor Mark Franke (M., Moritz Heidelbach) und die Polizistin Shirin Kämper (Pegah Ferydoni) als Geiseln.
Tobias Heine (r., Matthias Ziesing) mit Investor Mark Franke (M., Moritz Heidelbach) und die Polizistin Shirin Kämper (Pegah Ferydoni) als Geiseln.  © PR/Dualfilm Verleih GmbH

Diese Geschichte hat Gregor Erler bei seinem Langspielfilmdebüt gut, aber nicht fehlerfrei umgesetzt. 

Obwohl er bereits mehrere Kurzfilme gedreht und international mit einigen Preisen bedacht wurde, fehlt ihm hier erkennbar die Erfahrung, die großen und komplexen Themen glaubwürdig in seine Erzählung einzubauen. So wirklich weiß man auch nach dem durchwachsenen Ende nicht, was man von diesem deutschen Drama halten soll. 

Auf jeden Fall gelingt es dem Regisseur, von Beginn an eine Grundspannung zu erzeugen, die bis zum Ende aufrechterhalten wird. Deshalb ist "Der letzte Mieter" durchweg kurzweilig und interessant.

Das liegt auch daran, dass "Der letzte Mieter" erkennbar unabhängig produziert wurde und Erler seine Vision offenbar ohne große Kompromisse umsetzen konnte. Durch diese Authentizität und den eigenen Stil hat sein Werk Wucht und eine ausgeprägte innere Kraft, der man sich nicht entziehen kann. Deshalb fiebert man gebannt mit.

Trotzdem wäre es gut gewesen, wenn sich jemand für den Feinschliff gefunden hätte. So wirken einige Wendungen im ungleichen Kampf von David gegen Goliath leider unglaubwürdig, weil sie nicht vorbereitet kommen und man sie so akzeptieren muss. Dafür fehlen einem allerdings immer wieder die Hintergründe. 

Der Schlag mit der Schrotflinte auf die Nase hat Mark Franke (Moritz Heidelbach) sichtlich gezeichnet.
Der Schlag mit der Schrotflinte auf die Nase hat Mark Franke (Moritz Heidelbach) sichtlich gezeichnet.  © PR/Dualfilm Verleih GmbH

"Der letzte Mieter" ist unausgewogen und bräuchte mehr Subtilität

Der knurrige Dietmar Heine (Wolfgang Packhäuser) greift zur Schrotflinte.
Der knurrige Dietmar Heine (Wolfgang Packhäuser) greift zur Schrotflinte.  © PR/Dualfilm Verleih GmbH

Denn Erler gibt seinen Figuren zwar durchaus Substanz, doch sein Werk ist immer wieder von Schwächen in der Charakterdarstellung und -entwicklung durchzogen. Die blutige Zuspitzung zu Beginn ist hierfür das beste Beispiel.

Dass sich Dietmar Heine selbst hinrichtet, wirkt übertrieben. Dass sein Sohn Tobias dann so ausrastet ebenfalls. Denn er wird am Anfang als ruhiger und gutherziger Zeitgenosse dargestellt, der zwar gestresst ist, aber nicht zu einer doppelten Geiselnahme fähig zu sein scheint - auch nicht in solch einer Ausnahmesituation.

Baustellen dieser Art macht sich der nicht bis in die Details durchdacht und ausgeschrieben wirkende Film leider immer wieder selbst auf. Das ist bedauerlich, weil er mehr Potenzial gehabt hätte und auch gar nicht so reißerisch sein müsste.

An einigen Stellen täte ihm ein wenig mehr Subtilität gut. Immer neue Dramatisierungen halten einen zwar bei der Stange, doch sie führen auch dazu, dass einige Sequenzen fragwürdig daherkommen. Hierfür ist das Ende das beste Beispiel.

Außerdem werden die großen Probleme, die die Zwangsenteignung und Gentrifizierung mit sich bringen, durch die Dialoge nur unzureichend eingebaut. Obwohl immer wieder tiefergehende Ansätze zu erkennen sind, wirkt der Film nach der Sichtung insgesamt leider zu oberflächlich. 

Tobias Heine (Matthias Ziesing) verliert nach dem Tod seines Vaters die Nerven.
Tobias Heine (Matthias Ziesing) verliert nach dem Tod seines Vaters die Nerven.  © PR/Dualfilm Verleih GmbH

Sprunghafte Rückblenden in "Der letzte Mieter" überzeugen nicht, die dichte Atmosphäre schon

Polizistin Shirin Kämper (Pegah Ferydoni) versucht nach ihrer Gefangennahme, zu vermitteln.
Polizistin Shirin Kämper (Pegah Ferydoni) versucht nach ihrer Gefangennahme, zu vermitteln.  © PR/Dualfilm Verleih GmbH

Dass die Spezialeffekte billig sind und das geringe Budget immer wieder mit einer hektischen Kameraführung zu überdecken versucht wird, könnte man noch durchwinken. Aber dass es immer wieder Rückblenden gibt, die aus dem Nichts kommen, fällt mehrfach negativ auf.

Denn hier wird den Zuschauern zu viel Wissen vorenthalten. Das ist schade, denn als Kammerspiel funktioniert das Drama gut. Die Dynamik zwischen den Protagonisten verändert sich glaubhaft, weil immer wieder Details eingebaut werden. Dadurch lernt man die drei Hauptcharaktere mit der Zeit etwas besser und hintergründiger kennen.

Hier sind die Kameraeinstellungen dann auch ruhiger, nah dran am Geschehen und den Figuren. Das, die heruntergekommenen und damit stimmigen Locations tragen viel zur dichten Atmosphäre bei.

Verstärkt wird diese von den Schauspielern leider nur bedingt, weil sie ihre Rollen zwar solide ausfüllen, aber nicht vollends mitzureißen vermögen, was aber auch an der Darstellung ihrer Protagonisten liegt. Dazu bleiben die Nebenfiguren schablonenhaft und wirken austauschbar.

Deshalb ist "Der letzte Mieter" ein roher und kraftvoller deutscher Genrefilm geworden, der aber mit Logikfehlern und etwas zu sprunghafter Charakterdarstellung auch seine Schwächen hat.

Titelfoto: PR/Dualfilm Verleih GmbH

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