"Der Rausch": Glücklich dank Alkohol? Mads Mikkelsen wagt das Experiment!

Deutschland - Mads Mikkelsen gibt sich die Kante: Im Oscar-Gewinner "Der Rausch", der am 22. Juli in den deutschen Kinos startet, experimentieren vier Lehrer-Freunde mit der Volksdroge Nummer Eins - dem Alkohol - und sorgen damit sowohl für einige Lacher, als auch so manch tragischen Moment.

Die Ehe zwischen Martin (Mads Mikkelsen, 55) und Trine (Maria Bonnevie, 47) steht schon länger auf der Kippe.
Die Ehe zwischen Martin (Mads Mikkelsen, 55) und Trine (Maria Bonnevie, 47) steht schon länger auf der Kippe.  © Weltkino Filmverleih

Ein halbes Promille Alkohol im Blut fehlt uns Menschen zum Glücklichsein - und um kreative, kognitive und soziale Höchstleistungen zu erreichen. So lautet zumindest die These des real existierenden Psychiaters Finn Skårderud (64).

Die vier Freunde Martin (Mads Mikkelsen, 55, "James Bond 007: Casino Royale"), Tommy (Thomas Bo Larsen, 54, "Das Fest"), Nikolaj (Magnus Millang, 39, "Die Kommune") und Peter (Lars Ranthe, 51, "Die Jagd") - alle drei Lehrer und gefangen im Alltagstrott - beschließen, Skårderuds Behauptung auf Herz und Nieren zu testen und dabei selbst die Versuchskaninchen zu spielen.

Gründe dafür gibt es mehr als genug: Vor allem in Martins Leben läuft schon länger nichts mehr so richtig rund.

Früher war er ein beliebter Lehrer, heute kann er seine Schüler kaum noch motivieren. Einige von ihnen beschweren sich sogar bei der Schulleitung über seinen gelangweilten Unterrichtsstil.

Auch seiner Ehe fehlt es an Leidenschaft. Seine Frau Trine (Maria Bonnevie, 47, "Astrid") legt schon freiwillig Nachtschichten ein, um ihrem Mann aus dem Weg zu gehen.

Da hilft nur noch der Griff zur Schnapsflasche. Und der liefert zunächst sehr zufriedenstellende Ergebnisse. Martin und seine Freunde sind so entspannt wie lang nicht mehr. Doch bald reicht der Dauerpegel von 0,5 Promille nicht mehr aus...

Trailer zu "Der Rausch" mit Mads Mikkelsen

In "Der Rausch" liefert Mads Mikkelsen eine der besten Darbietungen seiner Karriere ab

Mit seinen Freunden Nikolaj (Magnus Millang, 39, v.l.n.r.) und Peter (Lars Ranthe, 51.) startet Martin (Mads Mikkelsen, 55) das Alkohol-Experiment.
Mit seinen Freunden Nikolaj (Magnus Millang, 39, v.l.n.r.) und Peter (Lars Ranthe, 51.) startet Martin (Mads Mikkelsen, 55) das Alkohol-Experiment.  © Weltkino Filmverleih

"Der Rausch" ist Lobeshymne und Klagelied zugleich, zeigt die gesellschaftliche Wirkung der Volksdroge Alkohol von ihrer positiven, aber auch von ihrer Schattenseite - und das ohne zu belehren.

Alkohol, ja bitte - aber eben nicht während der Arbeit. Doch um ihr Experiment vollumfänglich durchzuführen, müssen Martin, Tommy, Nikolaj und Peter regelmäßig nachlegen.

Daraus ergeben sich teils aberwitzige Szenen, wie die vier Freunde Schnapsflaschen auf die Arbeit schmuggeln, Whisky in Vorratsschränken verstecken oder sich heimlich Wodka auf der Schultoilette hinter die Binde kippen.

Solange alle funktionieren, sogar einen besseren Job als vorher leisten, fragt keiner nach.

Sogar die Großen der Geschichte, Roosevelt und Churchill, waren Kettenraucher und Alkoholiker, erklärt Martin seiner erstaunten Geschichtsklasse und scheint so langsam selbst der romantischen Vorstellung zu verfallen, dass der Rausch der Weg zum Genie ist.

Wie passend, dass Regisseur Thomas Vinterberg (52, "Die Jagd") wenig später eine Collage liefert, die wenig schmeichelhafte Archivaufnahmen mehrerer betrunkener Politiker und Staatsführer zeigt und Martins These damit ad absurdum führt.

"Der Rausch" verzichtet auf Moralappelle

Der Alkohol gibt Martin (Mads Mikkelsen, 55) sein Selbstbewusstsein zurück.
Der Alkohol gibt Martin (Mads Mikkelsen, 55) sein Selbstbewusstsein zurück.  © Weltkino Filmverleih

Mads Mikkelsen spielt den Wandel seiner Figur vom unsicheren Zweifler zum charismatischen Schüler-Liebling gewohnt eindrucksvoll.

Oft verharrt die Kamera auf seinem Gesicht, fängt seine gehemmten Blicke und leicht zuckenden Mundwinkel ein, denn ein Mann vieler Worte ist sein Charakter sowieso nicht.

Martins Rausch fängt die Kamera hingegen in zunehmend wackeligen und unscharfen Bildern ein. Sie passt sich dem Alkohol-Pegel der Protagonisten an, scheint ähnlich wie sie langsam den Bezug zu Raum und Zeit zu verlieren.

Das Drehbuch bleibt hingegen über weite Strecken erwartbar. Nach dem Hoch kommt - ähnlich wie nach einem Vollrausch - das Tief, und der Film wechselt von der Komödie zum Drama.

Dabei hätten die Midlife-Crisis der vier Mittvierziger, ihre euphorischen Trinkgelage und ihr Leichtsinn mehr als genug Potenzial gehabt, weiterhin hervorragend zu unterhalten. Immerhin verzichtet Vinterberg darauf, die Moralkeule zu schwingen und lässt dem Zuschauer die Chance, sich seine eigene Meinung über das Für und Wider des Alkohols zu bilden.

"Der Rausch" ist eine hervorragend inszenierte und glänzend gespielte Komödie geworden, die sicher auch ohne ihre etwas vorhersehbare zweite Hälfte ausgekommen wäre. Gegen Ende bekommt Regisseur Thomas Vinterberg jedoch nochmal die Kurve und schließt mit einem fulminanten Finale, das schon allein aufgrund der Tanzeinlagen noch lange im Gedächtnis bleibt.

Titelfoto: Weltkino Filmverleih

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