"Die Misswahl": Widerlicher Sexismus und abstoßender Rassismus an der Tagesordnung!

Deutschland - Klare Botschaft! Das Drama "Die Misswahl - Der Beginn der Revolution" läuft seit dem 1. Oktober in den deutschen Kinos und behandelt zwei universelle und zeitgemäße Themen: Sexismus und Rassismus.

Fünf Mitglieder der "Women's Liberation Movement" um Sally (Keira Knightley, r.) und Jo (Jessie Buckley, 2.v.r.) spähen die Vorbereitungen der Misswahl aus.
Fünf Mitglieder der "Women's Liberation Movement" um Sally (Keira Knightley, r.) und Jo (Jessie Buckley, 2.v.r.) spähen die Vorbereitungen der Misswahl aus.  © PR/2020 eOne Germany

Dabei dreht sich alles um die Wahl zur "Miss World" im Jahr 1970 in England. In der Gesellschaft brodelte es. Die Frauen schlossen sich zu Gruppierungen wie der "Women's Liberation Movement", der Frauenbefreiungsbewegung, zusammen und begehrten gegen das Patriarchat auf.

Ganz vorne mit dabei waren Sally Alexander (Keira Knightley) und Jo Robinson (Jessie Buckley), die sich anfangs gar nicht großartig mochten, ehe sie echte Freundinnen wurden. 

Jo war rigoros, während Sally, die eine Spätstudierende war, dazu geschieden und noch eine Tochter hatte, anfangs zauderte, ehe sie sich mitreißen ließ. Denn sie erkannte, dass man anders keine Revolution starten kann. 

In Gesprächen mit ihrer Mutter Evelyn (Phyllis Logan) prallten verschiedene Weltbilder aufeinander. Bei ihrer Mum war das Gesellschaftsbild des starken Mannes und der schwachen bzw. zweitklassigen Frau damals tief verankert.

Das bewiesen auch Eric Morley (Rhys Ifans), der die Misswahl erfunden hatte und die Frauen wie ein Stück Fleisch behandelte, sowie der selbstverliebte Moderator Bob Hope (Greg Kinnear), der beispielsweise die "Miss World" 1969 den US-Truppen in Vietnam mit sexistischen Sprüchen vorstellte und es als völlig normal erachtete, dass die Soldaten geiferten und obszöne Dinge reinriefen. Da brauchte es drastische Aktionen der Feministinnen. Und davon gab es einige ...

Deutscher Trailer zu "Die Misswahl - Beginn einer Revolution" mit Keira Knightley und Greg Kinnear

"Die Misswahl - Beginn einer Revolution" ist ein subtiles Drama mit Feingefühl geworden

Sally Alexander (Keira Knightley, stehend) und viele Gleichgesinnte protestierten für die Gleichberechtigung von Frauen.
Sally Alexander (Keira Knightley, stehend) und viele Gleichgesinnte protestierten für die Gleichberechtigung von Frauen.  © PR/2020 eOne Germany

Diese Geschichte hat Philippa Lowthorpe ("The Crown") sehr gut umgesetzt. Der Regisseurin ist ein ausgewogenes Drama gelungen, das viele Probleme der damaligen Zeit gekonnt miteinander verbindet und beleuchtet, wie die Welt vor 50 Jahren auch aussah - ganz schön sexistisch! 

Frauen wurden regelmäßig wie Objekte behandelt, was logischerweise zur Folge hatte, dass sie sich zusammenschlossen und gemeinsam dagegen protestierten. Diese Anfänge zeigt "Die Misswahl" auf ausgewogene Art und Weise auf.

Dabei wird offensichtlich, wie aktuell diese Thematik leider auch in der heutigen Zeit noch ist. Dank des feinfühligen Drehbuchs und schlagfertiger Dialoge kann man voll in die Handlung abtauchen verfolgt diesen interessanten, brisanten und fesselnden Film gebannt. 

Denn hier wird nicht draufgehauen, sondern subtil und mithilfe exzellenter Charakterdarstellung und -entwicklung aufgezeigt, wie falsch das Verhalten einiger männlicher Figuren war. Dabei werden sie nicht verurteilt, sondern als Menschen der damaligen Zeit und Wertvorstellungen dargestellt.

Besonders bezeichnend: Hope verstand nicht mal ansatzweise, was er falsch machte, sondern fand sein chauvinistisches Verhalten völlig normal. Er dient in diesem Drama damit als Archetyp eines Machos und wird dabei dennoch nicht völlig unsympathisch dargestellt bzw. überzeichnet. Denn einen gewissen Charme kann man ihm nicht absprechen, weshalb er trotz allem sehr gut bei vielen Frauen ankam.

Keira Knightley, Gugu Mbatha-Raw und Greg Kinnear überragen in "Die Misswahl"

Die Unterstützerin der "Women's Liberation Movement", Sally Alexander (Keira Knightley, links), und "Miss Grenada" Jennifer Hosten (Gugu Mbatha-Raw) treffen bei der "Miss World"-Wahl aufeinander.
Die Unterstützerin der "Women's Liberation Movement", Sally Alexander (Keira Knightley, links), und "Miss Grenada" Jennifer Hosten (Gugu Mbatha-Raw) treffen bei der "Miss World"-Wahl aufeinander.  © PR/2020 eOne Germany

Dass Hope ausgewogen und als Mensch mit vielen Schwächen, aber auch einigen Stärken, dargestellt wird, macht das Ganze so effektiv. Einen großen Anteil daran haben auch die hervorragenden schauspielerischen Leistungen. Kinnear ("Besser geht's nicht") gibt seiner Figur Ausstrahlung und Präsenz mit, weshalb er sie hervorragend ausbalanciert. 

Doch vor allem mit den weiblichen Charakteren kann man viel anfangen. Denn auch Knightleys ("Fluch der Karibik", "Niemandsland", "Official Secrets") Protagonistin Alexander wird keinesfalls zu einem perfekten Menschen stilisiert. 

Gerade das macht sie als Hauptfigur so gut, stark und glaubwürdig. Sie trägt mit ihrer erstklassigen Leistung viel dazu bei und reißt den Film unaufdringlich mit all ihrer Erfahrung und Klasse an sich.

In weiteren Nebenrollen begeistern Ifans ("Radio Rock Revolution"), Buckley ("Judy"), Clara Rosager ("Verachtung") als schlaue "Miss Schweden" Maj Johansson, Loreece Harrison als "Miss Afrika Süd" Pearl Jansen und Logan ("Downton Abbey"), die in ihren kurzen Auftritten für erstaunlich viel Tiefgang sorgen.

Ganz besonders hervorheben muss man allerdings Mbatha-Raw ("Erschütternde Wahrheit", "Die Erfindung der Wahrheit", "Dido Elizabeth Belle"), die zum wiederholten Male eine glänzende Performance abliefert, ihren Charakter erdet, vielschichtig darstellt und somit zum Sympathieträger macht - stark! Dank ihr ploppt auch ein weiteres großes Thema unserer Zeit auf: Rassismus.

"Die Misswahl - Beginn einer Revolution" setzt ein klares Statement für Toleranz und Gleichberechtigung

Miss United States (Suki Waterhouse, vorne, 3.v.r.) präsentiert sich selbstbewusst. "Miss Grenada" Jennifer (Gugu Mbatha-Raw, 2. Reihe, 2.v.l.) wird im Hintergrund aufgestellt.
Miss United States (Suki Waterhouse, vorne, 3.v.r.) präsentiert sich selbstbewusst. "Miss Grenada" Jennifer (Gugu Mbatha-Raw, 2. Reihe, 2.v.l.) wird im Hintergrund aufgestellt.  © PR/2020 eOne Germany

Denn bis die "Miss Grenada" 1970 völlig überraschend die Wahl zur "Miss World" gewann, gab es keine Siegerin mit schwarzer oder brauner Hautfarbe. Das war also ein klares Statement. In Gesprächen mit ihr und "Miss Südafrika" wird dazu deutlich, wie schwer es diese Frauen damals hatten und auch noch heute haben, wenn man das Weltgeschehen verfolgt.

Die Macher muss man ausdrücklich loben, weil sie sich dieser universellen Angelegenheit einfühlsam gewidmet haben.

Wegen solcher Stärken und dank der Darsteller fällt auch nur am Rande auf, dass Lowthorpe zu viele Figuren einbaut, die deshalb nur wenige kurze Sequenzen haben. In denen können sie aber überzeugen, haben Substanz, weshalb man auch bei spannenden Protagonisten über fehlende Hintergrundinformationen hinwegsehen kann.

Denn es gibt noch weitere Stärken. Die Kameraführung erzeugt Dynamik und fängt die herrlich ausgestatteten Locations, das exzellente Szenebild, detailreiche Setdesign, die aufwendigen Kostüme sowie Frisuren und das Make-up hervorragend ein. Da es auch immer wieder kurze humorvolle sowie intelligente Momente gibt, die Musikuntermalung Atmosphäre erzeugt und der Schnitt stimmig ist, fühlt man sich während der gesamten 106 Minuten bestens unterhalten und wird zum Nachdenken angeregt.

Deshalb ist "Die Misswahl - Der Beginn einer Revolution" nicht nur ein sehenswertes, sondern auch ein thematisch wichtiges Drama geworden, dass zudem über einen hervorragenden Cast verfügt.

Titelfoto: PR/2020 eOne Germany

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