"Die Stimme des Regenwaldes": Ein Mann kämpft gegen die Vernichtung des Dschungels und der Ureinwohner!

Deutschland - Diese heftige Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten! Im Film "Die Stimme des Regenwaldes", der am 22. Oktober in den deutschen Kinos anläuft, geht es um das Leben von Bruno Manser (Sven Schelker).

Rasend schnell wird der Regenwald aus Profitgier dem Erdboden gleichgemacht. Zurück bleibt eine tote Landschaft.
Rasend schnell wird der Regenwald aus Profitgier dem Erdboden gleichgemacht. Zurück bleibt eine tote Landschaft.  © PR/Tomas Wuthrich

Der bekannte Schweizer Umwelt- und Menschenrechtsaktivist kam 1984 im Alter von 29 Jahren als "Kind im Körper eines Mannes" im Dschungel von Borneo (Malaysia) an, den die Ureinwohner, die Penan um den weisen Häuptling Along Sega (Nick Kelesau), als "Mutter aller Länder" bezeichnen.

Schließlich glich die Wildnis damals einem nahezu unberührten grünen Paradies auf Erden. Zu dieser Zeit war Manser noch "hilflos, unwissend und unschuldig." Das sollte sich jedoch bald ändern. Nachdem er im Regenwald umherstreifte, fand er die Penan und gewann nach und nach ihr Vertrauen, lernte ihre Sprache, Kultur und Lebensweise im Gleichgewicht mit der Natur kennen und lieben.

Das war jedoch nur von kurzer Dauer. Denn bald suchte sie ein anderer Stamm der nomadisch lebenden Dschungelbewohner auf und erklärte, dass ihr Lebensraum von Holzfällern zerstört wird, die nur eine Ödnis ohne Tiere und Pflanzen zurückließen. Das ging Manser natürlich gegen den Strich. 

Er überlegte sich eine Strategie, wie man gegen diesen furchtbaren Raubbau an der Natur, bei dem es nur um Profitgier geht, vorgehen kann. Gemeinsam mit den Ureinwohnern errichtete er menschliche Blockaden und bremste die mächtige Industrie, die Rückenwind von der Regierung hatte, aus. Allerdings wurde deshalb auch ein Kopfgeld in Höhe von 50.000 US-Dollar auf ihn ausgesetzt. Dabei war es egal, ob er lebend oder tot gefasst wird...

Deutscher Trailer zu "Die Stimme des Regenwaldes" mit Sven Schelker

"Die Stimme des Regenwaldes" setzt ein klares Statement gegen Umweltzerstörung

Bruno Manser (Sven Schelker, r.) war für Penan-Häuptling Along Sega (Nick Kelesau) wie ein Sohn.
Bruno Manser (Sven Schelker, r.) war für Penan-Häuptling Along Sega (Nick Kelesau) wie ein Sohn.  © PR/Tomas Wuthrich

Diese Story hat Niklaus Hilber ("Amateur Teens") imposant umgesetzt. Er hat Manser ein filmisches Denkmal gesetzt, ohne ihn zu überzeichnen. Denn der Mann, dessen Lebensgeschichte geradezu nach einer Umsetzung für die große Leinwand schreit, setzte sich für andere Menschen ein und musste dabei gegen viele Widerstände ankämpfen.

All das zeigt Hilber mit feinem Gespür für den richtigen Ton und mithilfe einer exzellenten Charakterdarstellung sowie -entwicklung gekonnt auf. Deswegen und dank des hintergründigen Drehbuchs bekommt Manser Tiefe, weshalb man seine Handlungen und Motive sehr gut nachvollziehen kann.

Das wiederum hat zur Folge, dass man sich auch emotional an ihn bindet und mit ihm mitfiebert. Denn er setzt sich wahrlich für eine noble Sache ein. 

Die Ungerechtigkeit, der Manser auch entfliehen wollte, als er die westliche Zivilisation verließ, holt ihn selbst im Regenwald Borneos wieder ein. Mit seiner eigenen Version von David gegen Goliath setzt Hilber ein klares Statement gegen Umweltzerstörung, die immer weiter voranschreitet und den Klimawandel bekanntlich zusätzlich befeuert.

Deswegen ist "Die Stimme des Regenwaldes" nicht nur ein simples Biopic, sondern auch noch ein Film, der den Zeitgeist trifft, aufrüttelt und somit zu Diskussionen anregt. Denn die Ressourcen der Erde sind bei einer stetig wachsenden Bevölkerung nun mal endlich, wie zuletzt auch der starke Dokumentarfilm "Unser Boden, unser Erbe" verdeutlichte.

Bruno Manser (Sven Schelker) stellt sich einem riesigen Lastwagen der Holzfäller-Industrie mutig und mit der Straßenblockade der Penan im Rücken entgegen.
Bruno Manser (Sven Schelker) stellt sich einem riesigen Lastwagen der Holzfäller-Industrie mutig und mit der Straßenblockade der Penan im Rücken entgegen.  © PR/Tomas Wuthrich

Musikuntermalung und Liebesgeschichte sind Schwächen von "Die Stimme des Regenwaldes"

Bruno Manser (Sven Schelker) im Dschungel mit seinem lieb gewonnenen Affen, der ihm anfangs seinen Schuh "klaute", ihm aber nun nicht mehr von der Seite weicht.
Bruno Manser (Sven Schelker) im Dschungel mit seinem lieb gewonnenen Affen, der ihm anfangs seinen Schuh "klaute", ihm aber nun nicht mehr von der Seite weicht.  © PR/Camino Filmverleih GmbH

Allerdings hat Hilbers Werk einige Schwächen, die leider verhindern, dass es ein Meisterwerk werden konnte. Hierbei muss man besonders die mitunter völlig unpassende Musikuntermalung nennen, die kitschig ist, sich selbst zu sehr in den Vordergrund drängt und übertrieben mystisch daherkommt.

Man hat mit zunehmender Dauer das Gefühl, dass Film-Komponist und "Oscar-"Gewinner Gabriel Yared ("Judy", "Der englische Patient", "Das Leben der Anderen") Gefühle bei den Zuschauern erzwingen will, statt sie subtil zu verstärken. Dabei wäre ein Score, der weniger aufdringlich wirkt, hier deutlich effektiver gewesen.

Gerade in der Liebesgeschichte, die ohnehin grenzwertig daherkommt und die es in dieser Form nicht gebraucht hätte, macht sich das negativ bemerkbar. Sie ist mitunter ähnlich klischeehaft wie in "Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger". Das wiederum kostet den Film immer wieder unnötig Atmosphäre und zerstört in diesen Szenen die aufkommenden Emotionen, anstatt sie zu verstärken. Das ist äußerst bedauerlich!

Denn von diesen beiden Negativpunkten abgesehen ist das Biopic durch die Bank weg beeindruckend. Dank der dynamischen und wunderbar weiten Kameraführung kommen die herrlichen Landschaften (gedreht wurde unter anderem in Indonesien) so richtig zur Geltung und entfalten auf der großen Leinwand ihre volle Wirkung.

Sven Schelker zeigt in "Die Stimme des Regenwaldes" eine überragende Leistung!

Bruno Manser (Sven Schelker, 2.v.r.) ist mit einigen Penan auf der Jagd.
Bruno Manser (Sven Schelker, 2.v.r.) ist mit einigen Penan auf der Jagd.  © PR/Tomas Wuthrich

Dazu muss man auch die schauspielerischen Leistungen hervorheben. Besonders Schelker (Korzenik in "Homeland", "Auerhaus", "Der Kriminalist: Roter Schatten") reißt den Film mit seiner ruhigen Präsenz an sich, arbeitet Mansers Vielschichtigkeit gut heraus und reichert seinen Protagonisten mit vielen Details an, sodass man einen sehr guten Eindruck davon bekommt, wer dieser Mann war und wofür er im Leben stand.

Auch die echten Penan um Kelesau agieren glaubwürdig und sind mit erkennbar viel Herzblut bei der Sache - schließlich wird hier ihre Geschichte erzählt.

All das sind stichhaltige Gründe dafür, dass während der 141 Minuten keine Längen entstehen. Das Drama spielt nämlich zu verschiedenen Kernpunkten und Zeitebenen in Mansers Leben, deckt diese gut ab und hat somit eine epische Wirkung. Auch nach dem Ansehen denkt man noch lange Zeit über das Gesehene nach, was ein sehr gutes Zeichen für die filmische Qualität ist.

Deshalb ist "Die Stimme des Regenwaldes" trotz der erwähnten Schwächen, die durchaus ins Gewicht fallen, ein starkes und sehenswertes Biopic geworden, dem der Spagat gelingt, Manser und sein Schicksal eindringlich darzustellen, aber auch das große Ganze im Blick zu behalten. Dazu verzaubert der Film visuell mit seinen poetischen Aufnahmen des Regenwaldes. Klasse!

Titelfoto: PR/Tomas Wuthrich

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