"Eine Frau mit berauschenden Talenten": Polizistin steigt aus Geldnot ins Drogengeschäft ein

Deutschland - Schwarze Komödie mit ernsten Untertönen! "Eine Frau mit berauschenden Talenten", der hierzulande am 8. Oktober in den Kinos startet, beleuchtet auf vielschichtige Weise die Drogenpolitik Frankreichs und deren Probleme.

Patience Portefeux (Isabelle Huppert) ist genervt von ihrem schlecht bezahlten Job als Übersetzerin.
Patience Portefeux (Isabelle Huppert) ist genervt von ihrem schlecht bezahlten Job als Übersetzerin.  © Neue Visionen Filmverleih

Patience Portefeux (Isabelle Huppert) hat kein leichtes Leben: Die französisch-arabische Übersetzerin arbeitet für die Drogenfahndung in Paris. Dafür hört sie nicht nur Telefonate ab und übersetzt diese, sondern ist auch regelmäßig vor Ort im Einsatz.

Überstunden sind für die alleinerziehende Mutter zweier Töchter also an der Tagesordnung. Zu allem Übel ist der Job auch noch äußerst schlecht bezahlt. 

Dabei hat Patience ohnehin Geldsorgen: Sie muss immer noch für die Schulden ihres verstorbenen Mannes aufkommen. Zudem fordert das Pflegeheim, in dem sie ihre kranke Mutter untergebracht hat, monatlich ebenfalls mehrere tausend Euro.

Kein Wunder, dass sie schnell in Versuchung gerät, als sich ihr die Chance bietet, das ganz große Geld zu machen. 

Die Übersetzerin bemerkt, dass gerade eine Drogenlieferung auf dem Weg nach Paris ist und schafft es, die Beschlagnahmung dieser zu sabotieren. Also macht sie sich selbst auf die Suche nach dem mit mehreren Kilos Hasch gefüllten Transporter und wird bald fündig. 

Fortan mischt Patience als begnadete Verkäuferin und mit gelungener Zweit-Identität den Pariser Drogenmarkt auf. Schnell steigt sie zur neuen Großdealerin auf, was auch ihren Kollegen bei der Polizei nicht entgeht...

Deutscher Trailer zu "Eine Frau mit berauschenden Talenten" mit Isabelle Huppert

Isabelle Huppert überzeugt in "Eine Frau mit berauschenden Talenten" auf ganzer Linie

Deswegen beginnt Patience unter dem Decknamen "Die Alte" Hasch zu verkaufen.
Deswegen beginnt Patience unter dem Decknamen "Die Alte" Hasch zu verkaufen.  © Neue Visionen Filmverleih

In immer mehr Ländern wird der Konsum und Handel mit Cannabis entkriminalisiert. Auch in Frankreich tobt seit Jahren eine Debatte um die Legalisierung der Droge - bisher ohne Erfolg. So passiert es dann wie in "Eine Frau mit berauschenden Talenten", dass die Dealer mit viel Aufwand und finanziellen Mitteln verfolgt werden. 

Genau diesem Problem nähert sich auch Regisseur Jean-Paul Salomé mit seiner Komödie an, verzichtet allerdings darauf, eine klare Position zu beziehen. Stattdessen lässt er die Geschichte Patiences, die auf dem Roman "Die Alte" von Hannelore Cayre basiert, für sich sprechen.

Und damit macht er alles richtig, denn "der Film beleuchtet das Thema auf herrlich schwarz humorige Art. Das liegt nicht nur am exzellenten Drehbuch, sondern vor allem an einer glänzend aufgelegten Isabelle Huppert.

Der französische Star spielt die innerlich zerrissene Patience, die immer wieder zwischen ihrem normalen Alltag und ihren heimlichen Drogengeschäften, für die sie sich extra ein Alter Ego zugelegt hat, hin und her schwankt, äußerst eindringlich.

Über weite Strecken gibt sich die Übersetzerin hart, doch gerade in den leisen Momenten gelingt es Huppert, die Zerbrechlichkeit ihrer Figur ohne großen Pathos einzufangen. 

"Eine Frau mit berauschenden Talenten" bietet viel schwarzen Humor

Nachbarin Madame Fo (r., Nadja Nguyen) trägt auch das eine oder andere Geheimnis mit sich herum.
Nachbarin Madame Fo (r., Nadja Nguyen) trägt auch das eine oder andere Geheimnis mit sich herum.  © Neue Visionen Filmverleih

Der Fokus des Films liegt klar auf Hupperts Rolle, sodass einige Nebenfiguren etwas abfallen. 

Insbesondere die beiden Dealer Scotch und Chocapic, die Patience mit Hasch beliefert, entsprechen gängigen Genre-Klischees. Beide sind nicht besonders intelligent und vermasseln so manche Drogenübergabe. Das hindert sie aber nicht daran großmäulig zu sein und einen auf dicke Hose zu machen.

Zwar rufen auch diese Szene hin und wieder ein Schmunzeln hervor, etwa, wenn die beiden  in Gegenwart der selbstbewusst und bestimmt auftretenden "Alten" ganz schnell kleinlaut werden. Besonders innovativ ist die Darstellung aber nicht.

Diese Art von Witz gibt es in "Eine Frau mit berauschenden Talenten" zwar immer wieder, überzeugen kann die Komödie aber vorrangig durch ihren schwarzen Humor. So verwendet Patience beispielsweise Duftbäumchen, um den penetranten Hasch-Geruch in ihrem Keller abzumildern. 

Auch das Spiel mit rassistischen Vorurteilen wird in dem Film immer wieder auf äußerst schwarz humorige Art aufgegriffen. Um in die Rolle der "Alten" zu schlüpfen, verkleidet sich Patience als arabische Frau - lange Gewänder, viel Make-up und Hijab inklusive. Dafür muss dann auch das ein oder andere YouTube-Tutorial herhalten.

Auch die mysteriöse Nachbarin Madame Fo (Nadja Nguyen) entpuppt sich als gewiefte Kriminelle mit einem Talent für Geldwäsche.

"Eine Frau mit berauschenden Talenten" gelingt es, ein ernstes Thema mit viel Witz aufzulockern

Die beiden Kleinkriminellen Scotch (Rachid Guellaz) und Chocapic (Mourad Boudaoud) sollen Patience bei ihren Geschäften helfen.
Die beiden Kleinkriminellen Scotch (Rachid Guellaz) und Chocapic (Mourad Boudaoud) sollen Patience bei ihren Geschäften helfen.  © Neue Visionen Filmverleih

Trotz aller Komik kann "Eine Frau mit berauschenden Talenten" deswegen auch als clevere Milieustudie gelesen werden, die die Pariser Welt der Drogenkartelle porträtiert und eben auch auf die Schippe nimmt.

Doch keiner der Kriminellen handelt grundlos. Hinter den Gesetzwidrigkeiten stecken immer Motive, die mit der sozialen Herkunft und Werten wie Familie und Fürsorge erklärt werden.

Eingefangen wird dies in äußert realitätsnahen Bildern, die die Stadt Paris als Abbild ihrer Bevölkerung zeigt - überteuerte Mieten, schlecht bezahlte Jobs, Alltagsrassismus und das Leben in der Perspektivlosigkeit der Banlieues verleitet die Figuren dazu, von einem besseren, sorglosen Leben zu träumen.

So gelingt dem Film etwas, was nicht jede Komödie schafft: Ein ernstes Thema mit Witz guten Pointen und reichlich Spannung so aufzulockern, dass die Zuschauer nicht nur mit den Hauptfiguren mitfiebern, sondern ebenso köstlich unterhalten werden.

Deswegen lohnt sich ein Kinobesuch für "Eine Frau mit berauschenden Talenten" definitiv.

Titelfoto: Neue Visionen Filmverleih

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