"Eine private Angelegenheit": Dreiecksbeziehung sorgt im Krieg für emotionales Chaos!

Deutschland - Bewegendes Drama! "Eine private Angelegenheit" läuft am 3. September in den deutschen Kinos an und vermischt Elemente eines Liebes- und Kriegsfilms. 

Milton (r., Luca Marinelli) schlägt sich mit der Hilfe von Ivan (Giulio Beranek) bis zum Haus seiner großen Liebe durch. Die hat allerdings längst das Weite gesucht.
Milton (r., Luca Marinelli) schlägt sich mit der Hilfe von Ivan (Giulio Beranek) bis zum Haus seiner großen Liebe durch. Die hat allerdings längst das Weite gesucht.  © PR/Kairos Filmverleih

Zu Beginn dreht sich alles um Milton (Luca Marinelli), der sich den Partisanen angeschlossen hat, die Ende des Zweiten Weltkrieges gegen die deutsche Besatzung und die feindlichen Schwarzhemden kämpfen.

Er muss daher sehr vorsichtig sein und schleicht achtsam mit seinem Kumpanen Ivan (Giulio Beranek) durch die nebelverhangenen Wälder und Felder der Region Piemont. Dennoch geht Milton ins Risiko. Schließlich will er Fulvia (Valentina Bellé) wiederfinden. 

Die hat sich jedoch nach Turin abgesetzt, wie er erfährt, als er sich bis zu ihrem alten Haus durchgeschlagen hat. Dort werden viele Erinnerungen wach. Etwa, wie er mit ihr "Somewhere Over The Rainbow" von Judy Garland hörte und die gemeinsame Zeit mit seiner großen Liebe genoss.  

Der dritte im Bunde ihrer eigenwilligen Beziehung ist Miltons guter Kumpel Giorgio (Lorenzo Richelmy). Der war gleichzeitig auch sein Nebenbuhler und machte Fulvia auch den Hof. 

Er schloss sich kurze Zeit nach Milton ebenfalls den Partisanen an, gehört aber einer anderen Gruppe an. Bald dringt zu Milton die Nachricht durch, dass sein Freund von den Schwarzhemden gefangen genommen und übel verprügelt wurde. Er versucht in der Folge alles, um einen Gefangenenaustausch auf die Beine zu stellen und setzt dabei auch sein eigenes Leben aufs Spiel.

Italienischer Trailer zu "Eine private Angelegenheit" mit deutschen Untertiteln

"Eine private Angelegenheit" ist das letzte gemeinsame Werk von Paolo und Vittorio Taviani

Milton (r., Luca Marinelli) schaut zu, wie Fulvia (Valentina Bellé) eng umschlungen mit Giorgio (Lorenzo Richelmy) tanzt.
Milton (r., Luca Marinelli) schaut zu, wie Fulvia (Valentina Bellé) eng umschlungen mit Giorgio (Lorenzo Richelmy) tanzt.  © PR/Kairos Filmverleih

Diese Geschichte hat Paolo Taviani ("Die Nacht von San Lorenzo", "Cäsar muss sterben", "Kaos") stark umgesetzt. Dem mittlerweile 88 Jahre alten Regisseur ist ein vielschichtiges Drama über menschliche Zuneigung und Sehnsucht in den Wirren des Krieges gelungen.

Die über viele Dekaden mit großen Filmpreisen (unter anderem auf der Berlinale und in Cannes) ausgezeichnete italienische Legende demonstriert hier also noch einmal ihre ganze Klasse hinsichtlich des Storytellings. Erzähltempo und Spannungskurve sind nämlich ausbalanciert, sodass man dieses kurzweilige und unterhaltsame Werk gebannt verfolgt.

Wenn man dazu noch weiß, dass Taviani einen schweren Schicksalsschlag verkraften musste, beeindruckt die Qualität von "Eine private Angelegenheit" umso mehr. Denn sein Bruder Vittorio, der mit ihm gemeinsam das Skript schrieb, wurde vor dem Dreh von einem Auto angefahren, weshalb Paolo am Set auf sich alleine gestellt war.

Zu allem Überfluss starb Vittorio im April 2018 auch noch nach langer Krankheit in Rom. Dieser Film ist also die letzte gemeinsame Arbeit der beiden Brüder, die im Laufe der Jahrzehnte die Herzen vieler Cineasten auf der ganzen Welt für sich gewinnen konnten. 

Milton (Luca Marinelli) nimmt ein Schwarzhemd gefangen und will dessen Leben gegen das seines besten Freundes eintauschen.
Milton (Luca Marinelli) nimmt ein Schwarzhemd gefangen und will dessen Leben gegen das seines besten Freundes eintauschen.  © PR/Kairos Filmverleih

Luca Marinelli, Valentina Bellé und Lorenzo Richelmy tragen eine "Eine private Angelegenheit"

Fulvia (Valentina Bellé) hat mit dem großartigen Tänzer Giorgio (M., Lorenzo Richelmy) viel Spaß.
Fulvia (Valentina Bellé) hat mit dem großartigen Tänzer Giorgio (M., Lorenzo Richelmy) viel Spaß.  © PR/Kairos Filmverleih

Das dürfte auch bei "Eine private Angelegenheit" gelten, obwohl er nach seiner Weltpremiere auf dem TIFF - Toronto International Film Festival am 8. September 2017 keine allzu großen Wellen geschlagen hat. 

Dennoch hat sich das Warten auf dieses hoch interessante Drama, das auf dem Roman von Beppe Fenoglio aus dem Jahre 1963 beruht, gelohnt.

Die Figuren ziehen die Zuschauer nämlich einerseits in den Film hinein, sind andererseits aber auch geheimnisvoll genug, um die Spannung durchgehend hochzuhalten. Denn man stellt sich natürlich durchgehend die Frage: was hat sie so werden lassen? Wie ist die Dreiecksbeziehung und deren Dynamik überhaupt entstanden?

Nach und nach erfährt man mehr über die Hintergründe. Das führt dazu, dass man "Eine private Angelegenheit" aufmerksam verfolgt, immer bei der Sache ist und sich von der verwobenen Erzählung treiben lässt. Diese wandelt nämlich fließend zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her.

Dieses Konstrukt ist erkennbar durchdacht und funktioniert daher prächtig, wozu das exzellente Drehbuch und die ausgeklügelten Dialoge ebenfalls ihren Teil beitragen. Doch erst die Schauspieler erwecken die Protagonisten zum Leben und füllen ihre Rollen aus. Außerdem stimmt die Chemie zwischen Marinelli ("The Old Guard"), Richelmy ("Der Nebelmann") und Bellé ("Diener der Dunkelheit"). Den drei Darstellern gelingt es darüber hinaus auch noch, ihren Charakteren auf glaubwürdige und geerdete Art und Weise viel Substanz zu verleihen.

"Eine private Angelegenheit" begeistert mit wunderschönen Locations und exzellenter Kameraarbeit

Milton (Luca Marinelli) ist fest entschlossen, Giorgio zu befreien.
Milton (Luca Marinelli) ist fest entschlossen, Giorgio zu befreien.  © PR/Kairos Filmverleih

Doch nicht nur die Handlung ist mitreißend. Auch technisch und vor allem visuell ist Tavianis Werk ein Augenschmaus. 

Hier scheint der hohe künstlerische Anspruch der Macher die ganzen 85 Minuten über durch. Die imposante Bergkulisse mit den atmosphärischen Nebeleffekten sorgt für viel Stimmung und fungiert darüber hinaus auch noch als Metapher. 

Denn auch die Figuren tappen mitunter im Unklaren und wissen nicht, wie es mit ihnen weitergeht, wer Freund oder Feind ist und ob sie am Ende des Tages noch am Leben sein werden.

Die Landschaften bleiben aber erst durch die erstklassigen Einstellungen von Chef-Kameramann Simone Zampagni nachhaltig im Gedächtnis.

Die eingängige Musikuntermalung, die zeitversetzenden Kostüme und die annehmbar choreografierten Kampfszenen runden das positive Gesamtbild ab.

Deshalb ist "Eine private Angelegenheit" eine vielschichtige Indie-Perle geworden, die sich dank der beeindruckenden Aufnahmen auch auf der großen Leinwand lohnt. 

Titelfoto: PR/Kairos Filmverleih

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