"Ema" bricht mit zügellosen Sexszenen alle Tabus: Hier treibt es jede mit jedem!

Deutschland - Wer ist schuld, wenn ein Kind durchdreht und eine Straftat begeht? Dieser schwierigen Frage versucht sich das Erotik-Drama "Ema", das am 22. Oktober in den deutschen Kinos startet, anzunähern - und zwar aus der Perspektive der Mutter.

Hauptfigur Ema (Mariana Di Girolamo) lässt ihrer Wut gern mittels Feuerwerfer freien Lauf.
Hauptfigur Ema (Mariana Di Girolamo) lässt ihrer Wut gern mittels Feuerwerfer freien Lauf.  © Koch Films

Die junge Tänzerin Ema (Mariana Di Girolamo) führt mit ihrem Choreografen Gastón (Gael García Bernal) eine turbulente Ehe. 

Gerade erst hat sie das Waisenkind Polo zurückgegeben, das sie aus Kolumbien adoptiert hatten, nachdem der Junge knapp ein Jahr bei dem Paar gelebt hatte.

Der Achtjährige galt als schwer erziehbar, hat sich immer wieder seinen Eltern widersetzt und zündete zuletzt das Haus der Familie an. Dabei erlitt Emas Schwester schwere Verbrennungen und muss mit den daraus entstandenen Narben leben.

Die Beziehung von Ema und Gastón übersteht diesen Schicksalsschlag nicht. Die Tänzerin trennt sich kurz darauf von ihrem Mann. Während ihr Umfeld schockiert darauf reagiert, dass Ema Polo weggegeben hat, entscheidet diese sich um und will den Jungen wieder bei sich aufnehmen.

Doch keine Chance - die Sozialbeamtin scheucht sie mit den Worten, dass ihr Sohn längst von einer neuen Familie aufgenommen wurde, davon.

Ema ist das egal. Sie will Polo zurück - komme, was wolle. Ab da steht fest: Sie wird in den Krieg ziehen, wie eine befreundete Tänzerin treffend sagt...

Deutscher Trailer zu "Ema" mit Mariana Di Girolamo und Gael García Bernal

In "Ema" begeistern Mariana Di Girolamo und Gael García Bernal mit ihrer schauspielerischen Leistung

Ema (Mariana Di Girolamo) und Gastón (Gael García Bernal) versuchen, ihre Ehe zu retten.
Ema (Mariana Di Girolamo) und Gastón (Gael García Bernal) versuchen, ihre Ehe zu retten.  © Koch Films

Genau diesem "Krieg" widmet Regisseur Pablo Larraín ("Jackie") den Großteil seines fast zweistündigen Spielfilms. Hauptfigur Ema kämpft gegen alle Formen von Konventionen und Unterdrückung, räumt sich stellenweise ihren Weg martialisch mit einem Flammenwerfer frei.

Die junge Tänzerin wird hier zu einer Art Prototyp der feministischen Frau - stark, selbstbewusst, kompromisslos. Und genau hier schießt das Drehbuch etwas über das Ziel hinaus. Denn Emas Emanzipation endet nicht mit der Trennung von ihrem Mann, sondern mündet in hemmungslosen Sexorgien, wilden Partyexzessen und dem ein oder anderen Spiel mit dem Feuer.

Sie macht, was sie will, liebt, wen sie will, und schläft, mit wem sie will. Die Sexszenen nehmen überbordend viel Raum ein, wirken mit der Zeit überflüssig und gleichen einander. Ema hat hier wirklich mit fast jeder und jedem eine intime Beziehung.

Dabei steckt in dem Erotik-Drama sehr viel Potenzial. Das beginnt schon in einer der ersten Szenen, in der sich die junge Tänzerin und ihr Mann Gastón die Vorwürfe nur so entgegenknallen. Mariana Di Girolamo und Gael García Bernal liefern sich hier einen emotionalen Schlagabtausch, der unter die Haut geht. 

Besonders Di Girolamo, die allein durch ihr auffälliges Aussehen (platinblonde, zurückgegelte Haare und Piercings) hervorsticht, verkörpert Ema äußerst kraftvoll und dennoch verletzlich.

"Ema" bietet neben pointierten Dialogen und wilden Sexszenen auch beeindruckende Tanzeinlagen

Bei den Tanzszenen steht Ema (Mariana Di Girolamo) im Mittelpunkt.
Bei den Tanzszenen steht Ema (Mariana Di Girolamo) im Mittelpunkt.  © Koch Films

Die Figuren, insbesondere Ema, nehmen kein Blatt vor den Mund und knallen sich heftige Beleidigungen wie "unfruchtbares Schwein" um die Ohren. Das wirkt dank der überzeugenden Schauspielleistungen nie überzogen, sondern authentisch und erfrischend ehrlich.

Weitere Höhepunkte des Dramas sind die mitreißenden Tanzszenen. Sie sind nicht nur bloßer Schauwert, sondern auch dazu da, um die Emotionen ihrer Figuren zu transportieren.

Getanzt wird überall: auf der Straße, im Club, am Hafen, am Strand, auf einem heruntergekommenen Fußballplatz. Einige Sequenzen erinnern dabei an ein Musikvideo, das perfekt choreografiert und in bunten Farben daherkommt.

Das macht sich auch im Soundtrack des Films bemerkbar, der neben Reggaeton-Rhythmen auch elektronische Klänge zu bieten hat.

Am Ende fügen sich alle Versatzstücke gekonnt ineinander und das Ausmaß der Verstrickungen, die zuweilen etwas wahllos daherkommen, ergeben eine Wendung, die so nicht zu erwarten war und ein grandioses Finale hervorbringt.

"Ema" feiert nicht nur das Frausein, sondern auch das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Auch wenn das Drama manchmal etwas übers Ziel hinausschießt, kommt es mit einer derartigen Wucht daher, dass man sich den ästhetischen Bildern und der eindringlichen Präsenz von Mariana Di Girolamo nicht entziehen kann.

Titelfoto: Koch Films

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