"Eternals": Die große Marvel-Enttäuschung!

Deutschland - Der Mega-Blockbuster kann nicht halten, was die Trailer versprochen haben! "Eternals" läuft am 3. November in den deutschen Kinos an und ist leider ein enttäuschender Superhelden-Film sowie der bisherige Tiefpunkt des Marvel Cinematic Universe geworden. Die TAG24-Kritik.

Die packend und aufwendig gestalteten Actionszenen in "Eternals" überzeugen. Hier bekämpft Kingo (Kumail Nanjiani, 43, l.) einen Deviant.
Die packend und aufwendig gestalteten Actionszenen in "Eternals" überzeugen. Hier bekämpft Kingo (Kumail Nanjiani, 43, l.) einen Deviant.  © PR/Disney/Marvel

Die Zuschauer werden direkt ins Geschehen hineingeworfen. Die zehn "Ewigen" Sersi (Gemma Chan, 38), Ikaris (Richard Madden, 35), Ajak (Salma Hayek, 55), Sprite (Lia McHugh, 14), Kingo (Kumail Nanjiani, 43), Phastos (Brian Tyree Henry, 39), Gilgamesh (Ma Dong-seok, 50), Thena (Angelina Jolie, 46), Makkari (Lauren Ridloff, 43) und Druig (Barry Keoghan, 29) werden von den gottgleichen Celestials auf die Erde entsandt, um den Kampf gegen die monströsen Deviants aufzunehmen.

Spielend leicht besiegen sie ihre Erzfeinde 5000 Jahre vor Christus und bleiben anschließend auf dem Planeten, um ihre Gegner auch in den folgenden Jahrtausenden auszuschalten. Aus den Angelegenheiten der Menschen halten sie sich auf Befehl von oben allerdings heraus, obwohl ihnen das manchmal schwerfällt.

Doch sie sollen im Verborgenen agieren, was Anführerin Ajak beherzigt und für die anderen immer wieder ein offenes Ohr hat. Mit der Zeit trennen sich jedoch ihre Wege, auch die Liebe zwischen Ikaris und Sersi endet, weshalb diese in der Jetztzeit mit dem Menschen Dane Whitman (Kit Harington, 34) zusammen ist.

Die beiden und Sprite werden dann überraschend mitten in London von einem Deviant angegriffen. Nur dank des Eingreifens von Ikaris können sie die Attacke abwehren, sehen sich nun aber einer neuen Gefahr ausgesetzt. Ihre Kontrahenten sind nämlich deutlich stärker geworden. Die Superhelden müssen sich wieder zusammenschließen, um eine Chance auf den Sieg zu haben ...

Deutscher Trailer zu "Eternals" mit Richard Madden, Gemma Chan, Angelina Jolie und Salma Hayek

2. deutscher Trailer zu "Eternals" mit Kit Harington, Kumail Nanjiani, Lia McHugh und Brian Tyree Henry

"Eternals" ist überfrachtet, setzt auf klischeebeladene Lovestorys und lässt einen emotional kalt

Die Macher integrieren in "Eternals" gleich mehrere lahme Liebesgeschichten. Etwa die zwischen Ikaris (Richard Madden, 35, v.-l.) und Sersi (Gemma Chan, 38).
Die Macher integrieren in "Eternals" gleich mehrere lahme Liebesgeschichten. Etwa die zwischen Ikaris (Richard Madden, 35, v.-l.) und Sersi (Gemma Chan, 38).  © PR/Disney/Marvel

Diese Geschichte hat Regisseurin Chloe Zhao ("Nomadland", "The Rider", 39) schwach umgesetzt, wobei ihr nur teilweise ein Vorwurf zu machen ist. Die zweifache "Oscar"-Gewinnern aus diesem Jahr wies mit ihren Independent-Werken schließlich nach, was für eine herausragende Filmemacherin sie ist.

Doch bei dieser großen Studioarbeit wirkt es so, als hätten zu viele Köche den Brei verdorben. In diesem Fall die Story. Zu Beginn wird das Publikum in das heillos überfrachtete Geschehen hineingeworfen, sodass man sich mehrfach wundert, wie das so offensichtliche Fehlen von emotionalen Einstiegspunkten übersehen und durchgewunken werden konnte.

Es gibt zu viele Zeitebenen, Handlungsorte und Charaktere, sodass es schwerfällt, sich zu orientieren bzw. den Überblick zu behalten, weil aufgrund der Masse keine Figur hintergründig eingeführt wird. Wer hier kein großes Comic-Vorwissen zu den neuen Helden mitbringt, ist auf verlorenem Posten. Denn das Geschehen springt im ersten Drittel zusammenhangslos wirkend hin und her. Gerade die Rückblenden wurden äußerst unglücklich in die Erzählung integriert und reißen einen eher aus dem Geschehen heraus, anstatt eine Sogwirkung zu entfalten.

So lässt einen das optisch sehr ansehnliche Geschehen auf der großen Leinwand weitestgehend kalt. Zu allem Überfluss erzählen die Verantwortlichen auch noch mehrere Lovestorys, denen bis auf seltene Ausnahmen die Glaubwürdigkeit fehlt, weil erschreckend viele Klischees bedient werden. In mehreren Szenen verspürt man sogar Fremdscham.

2. Originaltrailer zu "Eternals" mit Lauren Ridloff, Barry Keoghan, Ma Dong-seok und Harish Patel

Positivaspekte von "Eternals": Exzellente Bildsprache und stark choreografierte Kämpfe

Optisch liefert der Mega-Blockbuster dank sehr guter Spezialeffekte, aufwendiger Kostüme, einer wahren Farbenpracht und eines exzellenten Szenebilds voll ab.
Optisch liefert der Mega-Blockbuster dank sehr guter Spezialeffekte, aufwendiger Kostüme, einer wahren Farbenpracht und eines exzellenten Szenebilds voll ab.  © PR/Disney/Marvel

Das wird im weiteren Verlauf zwar etwas besser, weil keine zusätzlichen neuen Protagonisten mehr eingeführt werden, dennoch hat die Storyführung zu viele Makel.

Das ist besonders deshalb schade, weil der Blockbuster optisch einiges zu bieten hat. Die Schauwerte sind dank vieler Details nämlich groß. Die exquisiten Kostüme, die extrem aufwendigen und beeindruckend realistisch wirkenden Spezialeffekte, die farbenfrohe Gestaltung der Locations oder die fesselnden Kampfsequenzen, die von der brillanten Kameraführung spektakulär in Szene gesetzt werden, sind die Stärken von "Eternals".

Besonders die Action ist hier (weitestgehend) positiv hervorzuheben, weil die Deviants gelungen als schwer zu besiegende Feinde dargestellt werden und man in den engen Fights deshalb entsprechend mitfiebern kann.

Allerdings gibt es hier einen Augenblick am Ende, mit dem die Macher Glaubwürdigkeit verspielen. Das ist allerdings nur eine Schwäche von vielen. Denn auch die Superhelden-Gruppendynamik ist nur phasenweise plausibel. Marvel greift nämlich auf das bewährte Rezept von "The First Avenger: Civil War" zurück und lässt die neuen Helden als Team mit vielen Strömungen dastehen. Das wirkt in ihrem ersten Film deplatziert. Man weiß nämlich nicht, was sie bisher durchgemacht haben und was sie zu ihren Meinungen bringt, weshalb man einige Wendungen nur bedingt nachvollziehen kann.

Auch daher fehlt der Tiefgang, durch den man Motive und Antrieb der Figuren besser hätte verstehen können. Diese Chance haben die Macher mit ihrer erschreckend oberflächlichen Herangehensweise vertan.

Die Locations fügen sich nahtlos in die Bildsprache des Marvel Cinematic Universe ein. Dennoch wäre hier etwas weniger mehr gewesen.
Die Locations fügen sich nahtlos in die Bildsprache des Marvel Cinematic Universe ein. Dennoch wäre hier etwas weniger mehr gewesen.  © PR/Disney/Marvel

Star-Cast liefert in "Eternals" ab, kann den Marvel-Blockbuster aber auch nicht retten

Ikaris (Richard Madden, 35) ist einer der stärksten "Eternals" und schießt aus seinen Augen rote Energiestrahlen ab.
Ikaris (Richard Madden, 35) ist einer der stärksten "Eternals" und schießt aus seinen Augen rote Energiestrahlen ab.  © PR/Disney/Marvel

Dabei stemmt sich die imposante Besetzung gegen diese vielen Negativpunkte, kann den Film aber auch nicht vor dem Absturz in den ernüchternden Bereich retten. Immerhin gibt es die ersehnte "Game of Thrones"-Reunion von Madden (verkörperte in der Serie Rob Stark) und Harington (Jon Schnee). Letzterer ist hier jedoch nur in wenigen Szenen zu sehen.

Beide füllen ihre Parts aus, gerade Madden beweist, dass er auch einen Mega-Blockbuster mit seinem Charme, seiner Ausstrahlung und darstellerischen Klasse anführen kann. In der weiblichen Hauptrolle verleiht Chan ("Crazy Rich") ihrer Protagonistin ein wenig Hintergrund und sorgt am ehesten dafür, dass man dem Geschehen trotz einiger Längen über die 157 Minuten folgt und sich zumindest nicht langweilt.

Nanjiani ("The Big Sick") erheitert im Zusammenspiel mit Harish Patel ("Run, Fatboy, Run") immerhin ab und zu, allerdings fügt sich der typische Marvel-Humor nur selten passend in die ernste Handlung ein.

Jolie ("Maleficent - Die dunkle Fee") und Hayek ("Wege des Lebens - The Roads Not Taken") kommen in ihren Rollen hingegen nur bedingt zur Geltung, können ihre Fähigkeiten so nur andeuten. Immerhin verleihen McHugh ("The Lodge"), Henry ("Beale Street"), Ridloff ("The Walking Dead"), Dong-seok ("Train to Busan") und auch Keoghan ("Dunkirk") ihren Charakteren noch ein wenig Substanz.

Sechs der insgesamt zehn "Eternals" von links nach rechts: Gilgamesh (Ma Dong-seok, 50), Thena (Angelina Jolie, 46), Ikaris (Richard Madden, 35), Ajak (Salma Hayek, 55), Sersi (Gemma Chan, 38) und Sprite (Lia McHugh, 14).
Sechs der insgesamt zehn "Eternals" von links nach rechts: Gilgamesh (Ma Dong-seok, 50), Thena (Angelina Jolie, 46), Ikaris (Richard Madden, 35), Ajak (Salma Hayek, 55), Sersi (Gemma Chan, 38) und Sprite (Lia McHugh, 14).  © PR/Disney/Marvel

Zusammengenommen ist "Eternals" ein schwacher Blockbuster geworden, der erstaunlich große Story- und Drehbuch-Schwächen hat, zu viele Aspekte einbauen möchte und dem die Balance deshalb fehlt. Obwohl die brachialen Action-Sequenzen und die visuellen Einfälle Highlights sind, fehlen dem Film Herz und Seele.

Titelfoto: PR/Disney/Marvel

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