"I Am Greta" beweist: So verzweifelt ist Greta Thunberg wirklich!

Deutschland - Diese Doku wird für Diskussionen sorgen! "I Am Greta" startet am 15. Oktober in den deutschen Kinos und soll zeigen, wie aus dem ruhigen Mädchen mit Asperger-Syndrom eine weltberühmte Klima-Aktivistin wurde.

Mit "Fridays for Future" hat Greta Thunberg (Mitte, 17) eine weltweite Bewegung ins Leben gerufen.
Mit "Fridays for Future" hat Greta Thunberg (Mitte, 17) eine weltweite Bewegung ins Leben gerufen.  © Filmwelt

Greta Thunberg - so ziemlich jeder kennt ihren Namen. Doch wer verbirgt sich dahinter? Dieser Frage will Nathan Grossman in seinem Dokumentarfilm nachgehen.

Tatsächlich begegnete der Regisseur der damals 15-Jährigen zufällig, als Greta vor dem Stockholmer Parlament saß und streikte - zu diesem Zeitpunkt noch allein.

Von da an begleitet die Doku, die auf dem Filmfest Venedig ihre Premiere feierte, den kometenhaften Aufstieg der jungen Schwedin. Während sie zu Beginn ihres Schulstreiks gerade einmal drei Leute am Tag ansprachen, gehen ein Jahr später weltweit Millionen junge Menschen bei "Fridays for Future" – auch in ihrem Namen – auf die Straße.

In den sozialen Netzwerken verbreiten sich ihr Gesicht und die Botschaft dahinter ebenfalls wie ein Lauffeuer. Schnell nimmt der Klimastreik ein Ausmaß an, mit dem wohl keiner gerechnet hat - auch nicht Greta selbst. Die Dokumentation begleitet sie zu Klimakonferenzen, Protestaktionen und schließlich zum UN-Klimagipfel nach New York, zu dem sie per Segelboot anreist. 

Dazwischen werden immer wieder Szenen aus ihrem Privatleben gezeigt, die einen Einblick in das Seelenleben des jungen Mädchens geben. Wie kommt sie mit all dem Stress und öffentlichen Interesse klar? Wie sehr belasten sie die tagtäglichen Anfeindungen? Welche Ziele hat sie? All diesen Fragen versucht "I Am Greta" zu beantworten.

Deutscher Trailer zu "I Am Greta" mit Greta Thunberg

"I Am Greta" zeigt Greta Thunberg so privat wie nie zuvor

Greta Thunberg bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt auf Klimakonferenz im polnischen Katowice 2018.
Greta Thunberg bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt auf Klimakonferenz im polnischen Katowice 2018.  © Filmwelt

Herausgekommen ist dabei ein Film, der wahrscheinlich ähnlich stark polarisieren wird wie seine Hauptfigur. 

Grossman versucht in "I Am Greta" der Entwicklung der mittlerweile weltweiten "Fridays for Future"-Bewegung nachzugehen und gleichzeitig ein Porträt von deren Gründerin Greta zu zeigen.

Bei letzterem schießt er aber eindeutig übers Ziel hinaus. Dem Personenkult, der sich in den sozialen Netzwerken manifestiert hat, schließt sich der Filmemacher an und versucht aufzuzeigen, wie untrennbar Greta mit den Klimaprotesten verbunden ist. 

Während alle Welt ihr wahlweise zujubelt oder sie aufs Übelste beschimpft, merkt man dem Mädchen deutlich an, dass ihr der öffentliche Trubel viel zu viel wird. Während Staatschefs und Politiker Selfies mit ihr machen wollen, will sie doch einfach nur, dass jemand ihr wirklich zuhört und ihre Worte ernst nimmt. Denn ernst ist die Lage um die Klimakrise allemal. 

So bekommt man an einigen Stellen der Dokumentation das Gefühl, dass Grossman Greta als eine Art Popstar inszenieren will, dabei aber ihre eigentliche Mission viel zu sehr aus den Augen verliert.

"I Am Greta" setzt in Bild und Musik zu sehr auf Dramatik

Privat verbringt Greta Thunberg ihre Zeit am liebsten in der Gesellschaft von Tieren.
Privat verbringt Greta Thunberg ihre Zeit am liebsten in der Gesellschaft von Tieren.  © Filmwelt

Dabei sind die intimen Einblicke, die sie und Vater Svante Thunberg in ihr Privatleben geben, Fluch und Segen zugleich.

Einerseits erhält der Zuschauer eine neue Sicht auf die omnipräsente Greta, die in der Öffentlichkeit stark und unnahbar wirkt, wenn die Kamera die 17-Jährige dabei filmt, wie sie mit ihren Hunden spielt.

Anderseits hinterlassen die minutenlangen Szenen, in denen Greta etwa weinend im Zug sitzt und an ihrer eigenen Mission regelrecht verzweifelt, ein mulmiges, fast schon voyeuristisches Gefühl. Am liebsten möchte man wegsehen und sie allein mit ihrem Vater lassen.

Wiederholt stellt sich nicht nur Greta, sondern auch der Zuschauer die Frage: Wie lange hält das junge Mädchen diesem Druck noch stand?

Hinzukommt die von Grossman eingesetzte Popmusik, die an vielen Stellen die Dramatik ins Unermessliche steigern soll, dabei aber komplett versagt und dem Film einen seltsam kitschigen Anstrich gibt, den er gar nicht gebraucht hätte.

Zugutehalten muss man dem Filmemacher aber, dass er von Regie, Tontechnik bis hin zur Kameraführung alles alleine übernommen hat. Ebenso merkt man der Dokumentation an, dass Grossman und Greta sich auch privat gut verstanden haben.

"I Am Greta" hat Schwächen, bietet aber einen interessanten Blick auf das Leben von Greta Thunberg

So fing alles an: Greta Thunberg streikt vor dem schwedischen Parlament.
So fing alles an: Greta Thunberg streikt vor dem schwedischen Parlament.  © Filmwelt

Diese Nähe zeigt sich vor allem in der Kameraperspektive. Die 1,50 Meter große Greta wird überwiegend auf Augenhöhe gefilmt. 

Leider entscheidet sich Grossman am Ende dafür, seine Doku auf einer allzu positiven Note enden zu lassen. Das mag zwar angesichts Gretas riesigem Bekanntheitsgrad gerechtfertigt sein, lenkt aber dennoch viel zu stark von ihrem eigentlichen Anliegen - dem Klimawandel - ab.

Stattdessen vermittelt die Doku an dieser Stelle, dass die "Fridays for Future"-Bewegung es schon richten und eine Lösung finden wird. Dass dies aber eigentlich die Aufgabe der Politik ist und die Aktivisten lediglich auf die Krise aufmerksam machen wollen, kommt hier ein wenig zu kurz.

So hinterlässt die mit Spannung erwartete Dokumentation "I Am Greta" einen faden Beigeschmack. Letztendlich wäre Grossman vielleicht besser damit gefahren, sich mehr auf die Klimabewegung und weniger auf Greta als Person zu konzentrieren. 

Dennoch ist der Streifen sowohl für Gretas Anhänger als auch ihre Feinde sicherlich einen Blick wert, denn so privat und nachdenklich hat man die junge Schwedin noch nie gesehen. Und wer es nicht rechtzeitig ins Kino schafft, kann sich "I Am Greta" ab dem 14. November in der ARD-Mediathek zu Gemüte führen.

Titelfoto: Filmwelt

Mehr zum Thema Filmkritik:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0