"Je Suis Karl": Bombenanschlag reißt Familie auseinander! 2 kleine Jungs und Mutter sterben

Deutschland - Heftiges Extremismus-Drama! "Je Suis Karl" läuft am 16. September in den hiesigen Kinos an, wurde viermal für den Deutschen Filmpreis nominiert und kann dennoch nicht überzeugen. Die TAG24-Kritik.

Maxi Baier (Luna Wedler, 21, l.) lässt sich auf Karl (Jannis Niewöhner, 29) ein. Keine gute Entscheidung.
Maxi Baier (Luna Wedler, 21, l.) lässt sich auf Karl (Jannis Niewöhner, 29) ein. Keine gute Entscheidung.  © PR/ Pandora Film/Sammy Hart

Alles beginnt mit Ines (Melanie Fouche, 44) und Alex Baier (Milan Peschel, 53), die ein engagiertes Pärchen sind. Sie fahren über die Grenze nach Budapest, bringen den Flüchtling Yusuf (Aziz Dyab, 26) versteckt im Auto illegal nach Berlin. Zuvor lernten sie ihn in Griechenland kennen, tauschten sich aus und setzten sich für den jungen Mann ein.

Ines und Alex wohnen in der deutschen Hauptstadt gemeinsam mit ihrer ältesten Tochter Maxi (Luna Wedler, 21) und ihren zwei kleinen Jungs Hans und Franz. Die Familienidylle wird aber wenig später plötzlich komplett aus den Fugen gerissen. Alex nimmt ein Paket für eine Nachbarin entgegen, stellt es bei sich in der Wohnung ab, geht wieder raus, um den Wein aus dem Auto zu holen - und wird von der Wucht der Bombenexplosion zu Boden gerissen.

Völlig entgeistert schaut er auf den Ort, an dem bis vor wenigen Sekunden sein Zuhause lag. Nun klafft in dem Mehrfamilienhaus eine riesige Lücke. Besonders schlimm für Alex: Ines, Hans und Franz haben den feigen Anschlag nicht überlebt. Maxi hingegen schon, denn sie war glücklicherweise nicht zu Hause. Natürlich verstehen sie und Alex die Welt nicht mehr. Wer steckt hinter alldem? Die Ermittlungsbehörden tappen im Dunkeln. Während Alex entgeistert zu realisieren versucht, was passiert ist, lernt Maxi den charmanten Karl (Jannis Niewöhner, 29) kennen, der sie vor einer aufdringlichen Fernsehreporterin rettet und nach Prag einlädt.

Da es Maxi ohnehin nicht mehr in Berlin aushält, nimmt sie diese Gelegenheit wahr und trifft dort in der tschechischen Metropole eine Gruppe junger Menschen, die sich gegen das politische System Europas auflehnt. Deren radikale Mittel sind allerdings grenzüberschreitend. Dazu haben die Anführer um Karl ein finsteres Geheimnis. Wird Maxi deren Spiel rechtzeitig durchschauen?

Trailer zu "Je Suis Karl" mit Luna Wedler, Jannis Niewöhner und Milan Peschel

"Je Suis Karl" hat gute Ansätze, macht aus denen allerdings nur wenig

Karl (Jannis Niewöhner, 29, l.) hat seine ganz eigenen Pläne mit der naiv dargestellten Maxi Baier (Luna Wedler, 21, l.).
Karl (Jannis Niewöhner, 29, l.) hat seine ganz eigenen Pläne mit der naiv dargestellten Maxi Baier (Luna Wedler, 21, l.).  © PR/Pandora Film

Diese brisante Geschichte hat Christian Schwochow (42, "Deutschstunde", "The Crown", "Bad Banks") enttäuschend umgesetzt. Das Werk des erfahrenen Regisseurs hat zwar gute Ansätze, schöpft das große Potenzial aber nicht ansatzweise aus.

Das hat gleich mehrere Gründe. So vermag die an den Haaren herbeigezogene und unnötig viel Raum einnehmende Lovestory nicht zu überzeugen. Zwar stimmt die Chemie zwischen Wedler und Niewöhner, doch auch sie können diesem Storyaspekt keine Tiefe verleihen.

Das Fehlen von Hintergründen ist ohnehin das Kernproblem. Der Film porträtiert eine extremistische Jugendbewegung mit ihrem ganzen Fanatismus, arbeitet deren Motive aber nur sehr oberflächlich heraus. Als Zuschauer muss man einfach hinnehmen, dass viele Menschen dieser Generation wütend sind und keine Hoffnung mehr auf Besserung haben, sofern sie nicht über Leichen gehen - im wahrsten Sinne des Wortes.

Doch wer genau sind sie überhaupt? Woher kommen sie, was sind ihre Beweggründe, was treibt sie in diese extremistische Richtung? Wer es "wagt", solche Fragen zu stellen, der wird mit "Je Suis Karl" keine Freude haben.

Denn er ist selbst in der filmeigenen Logik unglaubwürdig und plakativ, weil er all diese Fragen nicht ansatzweise beantwortet. Damit macht es sich das Drama sehr leicht und lässt einen frustriert zurück. Denn da es um die Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptprotagonisten und die Milieustudie der Gruppe junger Menschen geht, funktioniert Schwochows Werk am Ende nicht. Dabei ist die Handlung durchaus fesselnd und interessant gestaltet, reißt sich mit der abstrakten und weit hergeholten Auflösung aber vieles selbst wieder ein.

Schnelles Leben, Party machen: In "Je Suis Karl" werden einige Klischees bedient.
Schnelles Leben, Party machen: In "Je Suis Karl" werden einige Klischees bedient.  © PR/Pandora Film/Tom Trambow

Dass "Je Suis Karl" für vier Lolas nominiert wurde, ist ein Armutszeugnis

Jannis Niewöhner (29) überzeugt als Karl durchaus, kommt gegen die vielen Schwächen des Films aber nicht an.
Jannis Niewöhner (29) überzeugt als Karl durchaus, kommt gegen die vielen Schwächen des Films aber nicht an.  © PR/Pandora Film

Das ist schade, weil es durchaus vielversprechend losgeht. Aber spätestens mit Beginn der Trauerverarbeitung werden die storytechnischen Löcher immer größer, das Verhalten der Figuren immer abstrakter und die Erzählung immer hanebüchener. Bald folgt man der gesamten Entwicklung nur noch stirnrunzelnd und kopfschüttelnd.

Daran haben der sprung- sowie lückenhafte Schnitt und die anstrengend wacklige Kameraführung, die Realismus erzeugen soll, mit ihrem dauerhaften Geruckel allerdings eher nervt, entscheidenden Anteil.

Immerhin wurden die Locations passend ausgesucht, ist die Musikuntermalung stimmig und fügen sich die Kostüme nahtlos in die Handlung ein. Schauspielerisch bemühen sich besonders Wedler ("Das schönste Mädchen der Welt") und Niewöhner ("Kids Run") nach Kräften, können die vielen Schwächen aber nicht übertünchen. Sie zeigen gute Leistungen, doch dass sie für die Lolas berücksichtigt wurden, verwundert dann doch sehr. Selbiges gilt für Peschel ("Der Hauptmann") als bester Nebendarsteller und ganz besonders für die Nominierung als bester Spielfilm. Verdient ist das nicht.

Stattdessen wirft sie Fragen auf. Warum bekommen polarisierende Werke, die bestenfalls mäßig umgesetzt worden sind, regelmäßig so viel Aufmerksamkeit? Das ist rätselhaft und passt nicht zu dem Ansatz, dass die Besten nominiert werden sollten. Das ist bekanntlich kein rein deutsches Problem, sondern zeigt sich auch immer wieder bei den "Oscars" und "Golden Globes" - schade!

Maxi (Luna Wedler, 21, l.) und ihr Vater Alex (Milan Peschel, 53) trauern um den Rest ihrer fünfköpfigen Familie.
Maxi (Luna Wedler, 21, l.) und ihr Vater Alex (Milan Peschel, 53) trauern um den Rest ihrer fünfköpfigen Familie.  © PR/Pandora Film/Tom Trambow

"Je Suis Karl" ist ein brisantes deutsches Drama geworden, das einige wichtige gesellschaftliche Themen behandelt, daraus aber leider sehr wenig macht. Zwar trifft der Film irgendwo den Zeitgeist, lässt einen aber ernüchtert zurück, weil hier mit entsprechendem Feinschliff viel mehr drin gewesen wäre. Eine vertane Chance!

Titelfoto: PR/Pandora Film/Tom Trambow

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