"Lunana": In dieser Schule nimmt ein Yak am Unterricht teil!

Deutschland - Ab in die Pampa! In "Lunana: Das Glück liegt im Himalaya" verschlägt es einen lebenshungrigen Lehrer gegen seinen Willen in die abgelegenste Schule der Welt - ohne fließendes Wasser oder Papier, dafür aber jeder Menge Yakmist. Deutscher Kinostart ist der 13. Januar. Ob dieser klassische Feelgood-Movie etwas für Euch ist, lest Ihr in der TAG24-Kritik.

In Lunana haben Yaks eine große Bedeutung. Dem frierenden Städter Ugyen (Sherab Dorji) dient der Mist seines neuen Haustiers zum Heizen.
In Lunana haben Yaks eine große Bedeutung. Dem frierenden Städter Ugyen (Sherab Dorji) dient der Mist seines neuen Haustiers zum Heizen.  © ARP Distribution

Lehrer sein: ein Beruf oder eine Berufung? Für den jungen Bhutaner Ugyen (Sherab Dorji) ist Letzteres weit gefehlt. Er ist ein Hauptstädter in cooler Lederjacke und träumt davon, in Australien große Karriere als Musiker zu machen. Was ihn gerade noch so zurückhält, ist das letzte Jahr, das er unmotiviert als Beamter abreißen muss, um seinen Vertrag nicht zu brechen.

Dass das auch nur mit Ach und Krach zugeht, bemerkt auch seine Vorgesetzte und ordnet ihn postwendend nach Lunana (übersetzt: "dunkles Tal") ab, in eine so abgelegene Dorfschule, dass man allein acht Tage zu Fuß hinwandern muss. Ugyens Höhenkrankheit lässt sie bei einem Bhutaner nicht gelten.

Auf dem Trip empfängt ihn der Hirte Michen (Ugyen Norbu Lhendup) und bringt ihm genauso viel Herzenswärme entgegen wie die restlichen Einwohner von Lunana, doch Ugyen kapselt sich stur ab und will nur nach Hause. Ein Außenklo auf fast 5000 Höhenmetern?! Nein danke!

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Erst die wissbegierigen Schulkinder wie die kleine Pem Zam (Pem Zam) tun es ihm langsam an, gegen die raue Schönheit der Berge ist er nicht immun - und auch nicht gegen die Musik, die das Leben der Bergleute durchzieht. Mit der begabten Musikerin Saldon (Kelden Lhamo Gurung) verbindet ihn nicht nur seine Leidenschaft für das Singen.

Doch gegen Ugyens aufkeimendes stilles Glück arbeitet die Zeit, denn mit dem Wintereinbruch flattert auch sein Visum für Australien durch die Tür ...

Deutscher Trailer für "Lunana" von Regisseur Pawo Choyning Dorji

Große Überraschungen gibt es nicht, dafür aber viel Charme

Da bekommt man gleich Fernweh: Pawo Choyning Dorji ist mit solchen Bildern ein glanzvolles visuelles Regiedebüt gelungen.
Da bekommt man gleich Fernweh: Pawo Choyning Dorji ist mit solchen Bildern ein glanzvolles visuelles Regiedebüt gelungen.  © ARP Distribution

Wem der deutsche Titel noch nicht auf die Sprünge geholfen hat, der wird es spätestens beim Trailer merken - klar handelt es sich hier um einen Feelgood-Movie! Ein Geheimnis macht "Lunana" jedenfalls nicht daraus. Die Kinder, alle im Grundschulalter, verhalten sich allesamt durchgängig so lieb, dass man gar nicht anders kann, als zusammen mit Ugyen zu schmelzen. Ob das so immer der Realität entspricht? Vielleicht - vor allem in einem Dorf, in dem Bildung ein rares Gut ist.

Wo vielleicht Abstriche hinsichtlich der Vorhersehbarkeit bestimmter Szenen gemacht werden können, treten die atemberaubende Schönheit des Himalayas und die Kameraarbeit umso mehr in den Vordergrund. Hier bemerkt man Pawo Choyning Dorjis Hintergrund als Schriftsteller und Fotograf, indem er geschickt sowohl sprachliche als auch malerische Poesie in sein Regie- und Drehbuchdebüt einwebt.

Darüber hinaus erzählt "Lunana" eine klare, gut getaktete Geschichte und zeichnet alle Figuren bis zur kleinsten Nebenfigur auf sehr einfühlsame Weise. Besonders berührend: Der Herbergenbetreiber, der sich keine Schuhe leisten kann, zusammen mit seinem kleinen Kind, das in winzigen Gummistiefeln umherhüpft. Im Vordergrund steht für sie alle die Sehnsucht nach dem Glück.

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Wie der Regisseur selbst sagt, ist "Lunana" auch ein Abbild der Jetztzeit, denn selbst im angeblich glücklichsten Land der Welt zieht es junge Bhutaner in die Ferne und damit weit weg von ihren Familien.

Internationaler Trailer zu "Lunana: Das Glück liegt im Himalaya" mit Sherab Dorji und Kelden Lhamo Gurung

Starke Besetzung mit vielen Laien aus dem echten Lunana

Stark! Die neunjährige Pem Zam stammt nicht nur aus Lunana, sie verkörpert ihre gleichnamige Figur auch mit viel Gefühl ... und großen Augen.
Stark! Die neunjährige Pem Zam stammt nicht nur aus Lunana, sie verkörpert ihre gleichnamige Figur auch mit viel Gefühl ... und großen Augen.  © ARP Distribution

Auch Hauptdarsteller Sherab Dorji wollte eigentlich nach Australien auswandern, um seinen Traum von einer Musikkarriere zu verfolgen, entschied sich jedoch dagegen. Als Protagonist überzeugt er durchweg, vom schmollenden, technikverwöhnten Städter bis zum Dorflehrer ohne Tafel oder Papier, der eine erstaunliche Wandlung durchmacht und "Lunana" auch irgendwo zu einem Coming-of-Age-Film macht.

Beeindruckend ist die Liebe zum Detail, die Pawo Choyning Dorji und seine Crew in dieses Werk gesteckt haben. "Lunana" wurde tatsächlich im gleichnamigen, völlig isolierten Gletscherdorf gedreht, nur mit Strom aus solargeladenen Batterien. Viele der Hauptrollen wurden von einigen der 58 Einwohner besetzt, die noch nie ihr Dorf verlassen haben. Mit so vielen Laien, die trotzdem oder vielleicht gerade deswegen ihre Figuren so sympathisch machen, ist Pawo Choyning Dorji ein wahrer Glücksgriff gelungen.

"Lunana" ist ein Film, der zwar plotmäßig nicht das Rad neu erfindet, aber durch starke schauspielerische Leistungen, atemberaubende Bilder und eine gewisse Gefühlswärme überzeugt. Genau das Richtige für kalte Wintertage!

Titelfoto: ARP Distribution

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