"Memoria": Ein Reinfall!

Deutschland - Eine Qual! "Memoria" läuft am 5. Mai in den deutschen Kinos an und ist eine extrem anstrengende Angelegenheit geworden. Die TAG24-Filmkritik.

Jessica Holland (Tilda Swinton, 61, l.) beschreibt dem Komponisten Hernan Bedoya (Juan Pablo Urrego, 36) das Geräusch, das sie wiederkehrend hört.
Jessica Holland (Tilda Swinton, 61, l.) beschreibt dem Komponisten Hernan Bedoya (Juan Pablo Urrego, 36) das Geräusch, das sie wiederkehrend hört.  © PR/Kick the Machine Films, Burning, Anna Sanders Films, Match Factory Productions, ZDF-Arte and Piano, 2021

Im Fokus steht die bewusst sehr rätselhaft gestaltete Jessica Holland (Tilda Swinton, 61). Sie erwacht durch ein merkwürdiges Geräusch.

Das beschreibt sie dem Komponisten (?) Hernan Bedoya (Juan Pablo Urrego, 36) wie folgt: "Es ist wie ein großer Ball aus Beton, der in einen Metallschacht fällt, der von Meerwasser umgeben ist."

Mit dieser Anleitung nähern sie sich dem Sound an, bis sie ihn haben. Doch was steckt dahinter? Das lässt sich lange Zeit nicht klären.

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Zuvor gingen schon die Alarmanlagen mehrerer Autos wie von selbst an, denn es war niemand in Sicht.

Davon abgesehen besucht Jessica ihre Schwester Karen (Agnes Brekke) im Krankenhaus, fachsimpelt mit ihrem Mann Juan Ospina (Daniel Gimenez Cacho, 60) und reist durch Kolumbien, wo sie auf dem Land einen älteren Mann namens Hernan Bedoya (Elkin Diaz, 57) trifft.

Sie ist auf der Suche - doch wonach? Ein ungutes Gefühl beschleicht sie...

Trailer zu "Memoria" von Apichatpong Weerasethakul mit Tilda Swinton

"Memoria" ist ein qualvolles und schleppendes Drama geworden

Jessica Holland (Tilda Swinton, 61, l.) schaut hinter die Kulissen der archäologischen Arbeit.
Jessica Holland (Tilda Swinton, 61, l.) schaut hinter die Kulissen der archäologischen Arbeit.  © PR/Kick the Machine Films, Burning, Anna Sanders Films, Match Factory Productions, ZDF-Arte and Piano, 2021

Diese Geschichte hat Apichatpong Weerasethakul (51, "Friedhof der Könige") entsetzlich schlecht umgesetzt. Weshalb der thailändische Regisseur dafür auch noch mit dem Großen Preis der Jury in Cannes und dem Golden Hugo für den besten Spielfilm in Chicago ausgezeichnet wurde, ist unverständlich.

Sein 136 Minuten langes Werk ist ein einziges Ärgernis. Es gibt Plansequenzen, die rund 20 Zeigerumdrehungen andauern und in denen rein gar nichts passiert!

Damit macht es sich der Künstler sehr leicht und überlässt alles der Deutungshoheit des Publikums, was leider immer wieder funktioniert - siehe furchtbare Genrewerke wie "Melancholia" oder "The Tree of Life".

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Nur, wer mit solchen schnarchigen Dramen etwas anfangen kann, wird auch mit "Memoria" seinen Spaß haben können. Alle anderen dürfte der Film schnell verlieren. Ihn aufmerksam zu verfolgen, ist aufgrund des unsäglich schleppenden Erzähltempos wahrlich eine große Herausforderung, die nur sehr, sehr geduldige Menschen meistern dürften.

Denn das Werk hat keine stringente Handlung und ist experimentell wirkend aus vielen einzelnen Szenen zusammengesetzt, die wenig bis gar nichts miteinander zu tun haben. Figuren tauchen einmal auf und dann nie wieder, das muss man einfach hinnehmen.

Jessica Holland (Tilda Swinton, 61, l.) unterhält sich auf dem Land mit Hernan Bedoya (Elkin Diaz, 57), der sein Dorf laut eigener Aussage noch nie verlassen hat.
Jessica Holland (Tilda Swinton, 61, l.) unterhält sich auf dem Land mit Hernan Bedoya (Elkin Diaz, 57), der sein Dorf laut eigener Aussage noch nie verlassen hat.  © PR/Kick the Machine Films, Burning, Anna Sanders Films, Match Factory Productions, ZDF-Arte and Piano, 2021

"Memoria" lässt einen alle paar Sekunden verzweifelt auf die Uhr gucken: Wo bleibt das Ende?

Wer ist Jessica Holland (Tilda Swinton, 61, l.) und was treibt sie an?
Wer ist Jessica Holland (Tilda Swinton, 61, l.) und was treibt sie an?  © PR/Kick the Machine Films, Burning, Anna Sanders Films, Match Factory Productions, ZDF-Arte and Piano, 2021

So sehnt man schon bald das Ende herbei, doch ehe die Erlösung in Form vom Abspann kommt, muss man noch viele äußerst zähe und entnervende Momente überstehen.

Deshalb hat man irgendwann gar keine Lust mehr, Sachen in den Film hineinzuinterpretieren oder ihm in all seinen Details zu folgen, weil er extrem langweilig und spröde ist, weshalb man einfach nur noch verzweifelt auf die Uhr guckt, die gefühlt stehenbleibt.

Und selbst, wenn man aus Mangel an Alternativen darum kämpft, emotional mitgerissen zu werden, gelingt das schlichtweg nicht, weil die highlightarme Machart eine einschläfernde Wirkung hat.

Zu der Distanz trägt auch die Kameraführung mit ihren starren Einstellungen bei, die die Charaktere aus der Entfernung betrachtet und erst gegen Ende einige Nahaufnahmen liefert. Wenigstens in dieser Kategorie wirkt das Drama durchdacht und nicht lose zusammengewürfelt.

Selbiges gilt auch für die schönen Locations (gedreht wurde in Kolumbien), das detailreiche Szenebild und ein paar solide optische Schauwerte. Das reicht jedoch nicht, um diesen filmischen Reinfall entscheidend aufzuwerten.

Hinsichtlich Szenebild und Locations weiß "Memoria" zu überzeugen.
Hinsichtlich Szenebild und Locations weiß "Memoria" zu überzeugen.  © PR/Kick the Machine Films, Burning, Anna Sanders Films, Match Factory Productions, ZDF-Arte and Piano, 2021

Zusammengenommen ist "Memoria" einer der qualvollsten Filme aller Zeiten geworden, durch dessen Herangehensweise sich 136 Minuten wie zehn Stunden anfühlen. Einzig der Moment, in dem der Abspann beginnt, löst ein schönes Gefühl aus, weil man das Drama endlich abgesehen hat...

Titelfoto: PR/Kick the Machine Films, Burning, Anna Sanders Films, Match Factory Productions, ZDF-Arte and Piano, 2021

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