Widerlich! "Nina Wu" wird bei Filmdreh geschlagen und übel beschimpft

Deutschland - Enthüllend! Das taiwanesische Drama "Nina Wu" läuft am 3. September in den deutschen Kinos an und sorgt mit seinem Blick hinter die Kulissen der Filmwelt für Aufsehen.

Dieses Foto zeigt das Machtverhältnis sehr gut. Nina Wu (3.v.r., Wu Ke-xi) ist beim Dreh von Männern umgeben. Immer wieder wird ihr Spiel korrigiert. Mitunter auf demütigende Art und Weise.
Dieses Foto zeigt das Machtverhältnis sehr gut. Nina Wu (3.v.r., Wu Ke-xi) ist beim Dreh von Männern umgeben. Immer wieder wird ihr Spiel korrigiert. Mitunter auf demütigende Art und Weise.  © PR/Epicentre Films

Das preisgekrönte Werk von Midi Z ("The Road to Mandalay") beginnt mit einem sehr aussagekräftigen Bild: dem Licht am Ende eines Tunnels. Dieses ist auch für Nina Wu (Wu Ke-xi) nach Jahren am Existenzminimum nun endlich in Sicht. Die Schauspielerin hatte sich lange Zeit mit Rollen in Kurzfilmen und Werbeclips über Wasser halten müssen. Dazu zeigte sie sich leicht bekleidet in Live-Videos im Internet. 

Dabei begann sie im Alter von fünf Jahren mit dem Ballett tanzen, übte sich ab sieben Jahren außerdem in Kung-Fu, fing mit acht Jahren an zu singen und absolvierte später auch noch ein Schauspielstudium. 

Nun, nach vielen entbehrungsreichen Jahren, hat ihr Agent endlich ein vielversprechendes Casting für sie organisieren können. 

Begeisterung löst er bei Nina allerdings nicht aus. Denn in dem Film geht es um explizite Sexszenen und die Erniedrigung einer Frau in einer von Männern klar dominierten Welt. Außerdem ist die Konkurrenz gewaltig. Dennoch bekommt sie den Part, wofür sie allerdings in vielerlei Hinsicht ausgenutzt und gedemütigt wird.

Das geht schon vor dem Dreh los und am Set weiter. Für sie ist es ein absoluter Albtraum. Da Nina das sehr nahe geht, kann sie sich in ihrer Freizeit auch nicht von ihrer Rolle lösen. Stattdessen verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Wahnvorstellungen, Vergangenheit und Gegenwart...

Trailer zu "Nina Wu" mit deutschen Untertiteln

"Nina Wu" sorgt mit seinem entlarvenden Blick hinter die Kulissen der Filmwelt für Spannung

Nina Wu (Wu Ke-xi) muss für die extremen Szenen an ihre körperlichen und geistigen Grenzen gehen.
Nina Wu (Wu Ke-xi) muss für die extremen Szenen an ihre körperlichen und geistigen Grenzen gehen.  © PR/Epicentre Films

Diese Geschichte hat der in Myanmar geborene Regisseur hervorragend umgesetzt. Ihm ist ein tiefschürfendes Drama über die traurige Rolle einer Frau in der Filmwelt gelungen. Mit entlarvendem Blick verdeutlicht er, wie sehr Schauspielerinnen, die den Durchbruch schaffen wollen, mächtigen Männern ausgeliefert sind, weil es immer Hunderte andere gibt, die sie liebend gern ersetzen und alles bzw. zumindest mehr dafür tun würden.

Denn was Nina Wu alles über sich ergehen lassen muss, um den Zuschlag für ihre große Rolle zu bekommen, ist schlichtweg grausam. So hat ihr Film zwar Erfolg, doch dafür leidet sie unter den bleibenden seelischen Schäden. Jeder muss selbst für sich beantworten, ob man das alles für eine Karriere und ein gutes Leben auf sich nehmen sollte.

Da man im Verlauf der 102 Minuten einiges über die Hauptfigur erfährt, versteht man ihren Antrieb und ihre Handlungen allerdings sehr gut. Schließlich stammt sie aus einer armen Familie. Ihre Eltern haben Schulden, auch sie selbst hatte jahrelang kein Geld. Es ist also nachvollziehbar, dass sie ihre einzige Chance auf einen Ausweg wahrnimmt, ihren Stolz hinten anstellt und ihren Körper hergibt, obwohl sie sich damit sichtlich unwohl fühlt.

Diese innere Zerrissenheit arbeitet Wu Ke-xi auf brillante Art und Weise heraus. Ob subtile Unterwerfung oder große emotionale Szenen: die taiwanesische Schauspielerin zeigt ihre imposante darstellerische Bandbreite, trägt das Drama daher mühelos und verleiht ihrer vielseitigen Protagonistin Substanz, Hintergrund und auch Charme. Dank ihr und des intelligenten Drehbuchs kann man auch die kleinen Details in Nina Wus kompliziertem Leben gut nachempfinden.

Dem Regisseur ist jedes Mittel recht, um Nina Wu (Wu Ke-xi) für die emotionalen Szenen in "Stimmung" zu bringen.
Dem Regisseur ist jedes Mittel recht, um Nina Wu (Wu Ke-xi) für die emotionalen Szenen in "Stimmung" zu bringen.  © PR/Epicentre Films

"Nina Wu" ist ein anspruchsvoller Film, der für Cineasten eine wahre Freude sein dürfte

Ninas Agent (l.) macht ihr ein schlechtes Gewissen. Nur deshalb nimmt sie die Casting-Einladung überhaupt an.
Ninas Agent (l.) macht ihr ein schlechtes Gewissen. Nur deshalb nimmt sie die Casting-Einladung überhaupt an.  © PR/Epicentre Films

Obwohl sie sich ganz devot gibt und viele Dinge über sich ergehen lässt, verfügt Nina über eine beeindruckende innere Stärke, weshalb sie auch nicht an den Sachen, die ihr angetan werden, zerbricht.

Stattdessen kämpft sie sich weiter durch ihr hartes Leben, gibt niemals auf und wird dafür auch immer wieder mit kleinen Hoffnungsschimmern und schönen Momenten belohnt. Diese bemerkenswerte Ausgewogenheit in der Charakterdarstellung und -entwicklung führt dazu, dass man vollends in das Drama abtauchen kann.

Dafür muss man sich allerdings auf die durchaus anspruchsvolle Machart einlassen können. Denn hier werden viele weitere universelle Themen fließend in die Erzählung eingearbeitet, was in Verbindung mit den verschiedenen Zeit- und Gedankenebenen durchaus fordernd ist.

Schließlich ist das hier nicht nur eine kaum verhohlene Abrechnung mit einem Teil der Filmindustrie, sondern ein Werk voller Parabeln und Metaphern. Dass all dies nicht zu viel wird, liegt auch an den geschliffenen Dialogen. Sie sind präzise, hintergründig, doppeldeutig und klug.

Für Cineasten ist "Nina Wu" daher ein Fest. Denn hier kann man seinen eigenen Schlussfolgerungen freien Lauf lassen, wird immer wieder aufs Neue überrascht, verfolgt die Erzählung daher gebannt und hat obendrein auch noch viel Spaß mit diesem interessanten Mix.

"Nina Wu" begeistert auch in filmtechnischer Hinsicht

Neben der detailreichen Ausstattung überzeugt auch die abwechslungsreiche Farbgebung in "Nina Wu".
Neben der detailreichen Ausstattung überzeugt auch die abwechslungsreiche Farbgebung in "Nina Wu".  © PR/Epicentre Films

Auch die technischen Kategorien tragen ihren Teil dazu bei. Die Kameraführung von Florian Zinke erschafft mit ihren eindringlichen Aufnahmen eine große Nähe zum Geschehen und sorgt auch davon abgesehen mit hochwertig stilisierten Einstellungen für einen fantastischen Sehgenuss.

Doch nicht nur der deutsche Filmschaffende generiert visuelle Highlights, auch die überragende Ausstattung, die abwechslungsreiche Farbgebung und die atmosphärischen Locations tragen viel zum Gelingen dieses außergewöhnlichen Filmes bei, der noch lange im Gedächtnis nachhallt.

Deshalb entwickelt das Drama eine Sogwirkung und zieht das Publikum in seinen Bann, obwohl (oder vielleicht gerade weil) nicht jede Sequenz verständlich aufgelöst wird. Man muss das Geschehen an einigen Stellen selbst interpretieren.

Allerdings ohne jegliche Form der Pseudo-Intelligenz. Im Gegenteil. Midi Z fordert das Publikum mit seiner Regieführung auf geschickte Art und Weise, was dazu führt, dass man tief in sein Werk abtaucht.

Deshalb ist "Nina Wu" eine brillantes und sehenswertes Drama geworden, das sich aufgrund seiner visuellen Schauwerte auch auf der großen Leinwand lohnt.

Titelfoto: PR/Epicentre Films

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