"Nine Perfect Strangers" auf Amazon Prime Video: Drogen-Experimente in der Wellness-Hölle

Deutschland - Skurrile Esoterik-Satire mit Star-Besetzung! Für die Serie "Nine Perfect Strangers", die seit dem 20. August auf Amazon Prime Video läuft, hat sich Produzent David E. Kelley eine ganze Riege an Hollywood-Schauspielern mit ins Boot geholt. Ob das ausreicht, um aus dem Mehrteiler einen Hit zu machen, lest Ihr in der TAG24-Kritik.

Das Influencer-Paar Ben (Melvin Gregg, 32) und Jessica Chandler (Samara Weaving, 29) will seine Ehe retten.
Das Influencer-Paar Ben (Melvin Gregg, 32) und Jessica Chandler (Samara Weaving, 29) will seine Ehe retten.  © Amazon Prime Video

Große Teile der Grundprämisse, die auf dem gleichnamigen Roman der australischen Schriftstellerin Liane Moriarty beruht, verrät schon der Titel: Neun Fremde treffen in einem Luxus-Resort irgendwo in Kalifornien aufeinander.

Das "Tranquillum House" verspricht seinen Gästen, sie innerhalb von zehn Tagen nicht nur äußerlich, sondern vor allem innerlich zu befreien und zu neuen, "perfekten" Menschen umzukrempeln.

Geleitet wird die Wellness-Oase von einem weiblichen Guru namens Masha (Nicole Kidman, 54, "Bombshell"), die die Besucher mit Einzelgesprächen und Gruppentherapie zur Erleuchtung bringen will.

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Nötig haben das alle neun, denn jeder von ihnen hat mindestens ein dunkles Geheimnis zu verbergen.

Medikamentenabhängigkeit, eine gescheiterte Ehe, Sucht nach Anerkennung oder der Verlust eines geliebten Menschen: Die Neuankömmlinge tragen einige Altlasten mit sich herum.

Daher werden ihnen persönlichen Berater zur Seite gestellt, die den Gästen nicht nur individuell zusammengestellte Smoothies kredenzen, sondern diese auch auf Schritt und Tritt begleiten. Schon bald bemerken sie, dass im "Tranquillum House" nicht alles so ist, wie man es nach außen gern darstellen will.

Derweil kämpft Leiterin Masha mit ihren ganz eigenen Dämonen: Regelmäßig bekommt sie Droh-Nachrichten zugesendet. Offenbar hat da noch jemand eine offene Rechnung mit ihr zu begleichen ...

Original-Trailer zu "Nine Perfect Strangers" auf Amazon Prime Video mit Nicole Kidman

In "Nine Perfect Strangers" auf Amazon Prime Video kann auch der prominente Cast kaum glänzen

Resort-Leiterin Masha (Nicole Kidman, 54) hat eine dunkle Vergangenheit hinter sich.
Resort-Leiterin Masha (Nicole Kidman, 54) hat eine dunkle Vergangenheit hinter sich.  © Amazon Prime Video

"Manche Türen sollten lieber geschlossen bleiben", raunt der frühere Football-Star Tony (Bobby Cannavale, 51, "Jesus Rolls - Niemand verarscht Jesus") seiner Mitstreiterin Frances Welty (Melissa McCarthy, 50, "Brautalarm") zu. Gilt dies auch für den neusten Streich von Erfolgsproduzent David E. Kelley, der schon mit "Big Little Lies" und "The Undoing" weltweite Hits landete?

Zum Teil, ja. Denn ähnlich wie die beiden Vorgänger bietet auch "Nine Perfect Strangers" viel Erwartbares und wenig Neues.

Das fängt schon beim Casting an: Für die Roman-Adaption versammelt Kelley eine ganze Horde an Hollywood-Prominenz, gibt ihnen aber äußerst vorhersehbare Rollen.

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So darf etwa Samara Weaving (29, "Guns Akimbo") eine oberflächliche Influencerin mimen, die den ganzen Tag nur mit ihrem Aussehen und dem nächsten Schnappschuss für Instagram beschäftigt ist.

Michael Shannon (47, "Knives Out") spielt dagegen den depressiven Lehrer Napoleon Marconi, der sich die Mitschuld am Selbstmord seines Sohnes gibt. Das Typecasting und die plakativen Handlungsstränge sorgen dafür, dass zumindest in den drei bisher verfügbaren Folgen wenig Platz für Spannung und Überraschung bleibt.

Einzig Nicole Kidman sticht etwas aus dem Einheitsbrei hervor: Mit ihrer kühlen, geheimnisvollen Ausstrahlung ist sie geradezu perfekt für die Rolle der unnahbaren Masha. Diese kommt in langen weißen Gewändern und blonder Walle-Mähne fast engelsgleich rüber. Auch sie, irgendwo im Ostblock aufgewachsen, umgeben eine Reihe dunkler Mysterien, die in Rückblicken immer wieder angedeutet werden und die für ansonsten rar gesäte Spannungsmomente sorgen.

Warum man Kidman aber sowohl im englischen Original als auch in der deutschen Synchro einen derart unglaubwürdigen und aufgesetzten russischen Akzent verpasst hat, bleibt schleierhaft.

"Nine Perfect Strangers" auf Amazon Prime Video bietet vorhersehbare Unterhaltung

Frances Weltys (Melissa McCarthy, 50) neustes Buch wurde von den Kritikern zerrissen.
Frances Weltys (Melissa McCarthy, 50) neustes Buch wurde von den Kritikern zerrissen.  © Amazon Prime Video

Visuell kann "Nine Perfect Strangers" durch einige nette Szenen - etwa die Nahaufnahme eines Mixers, der gerade blutrote Beeren püriert oder wenn sich die neun Gäste wortwörtlich ihr eigenes Grab schaufeln müssen - punkten, die durchaus Lust auf mehr machen.

Jedoch nutzten sich auch die immer gleichen Kamerafahrten über das paradiesische Resort-Gelände mit fortschreitender Episodenanzahl ab.

Dagegen nehmen zumindest die Beziehungen der Protagonisten untereinander - vielleicht liegt es an den von Masha verabreichten Drogen - ein wenig an Fahrt auf.

Insbesondere die Schlagabtausche zwischen Cannavale und McCarthy laden regelmäßig zum Schmunzeln ein. Nach einem wirklich lahmen Beginn kann sich "Nine Perfect Strangers" also etwas fangen.

Die Cliffhanger am Ende jeder Episode tun ihr Übriges und verleiten dann doch zum Weiterschauen. Ob die vielen Handlungsstränge, die Einzel-Schicksale und das übergreifende Mysterium um "Tranquillum House" am Ende der achtteiligen Staffel wirklich zu einem befriedigenden Ende zusammengebracht werden, ist bisher noch nicht absehbar.

Die drei Auftaktfolgen von "Nine Perfect Strangers" deuten nur grob an, wohin die Reise geht und können nur gelegentlich überzeugen. Showrunner David E. Kelley versucht krampfhaft, so viel verschiedene Genres wie möglich zu bedienen, wird dabei aber keinem Handlungsstrang so wirklich gerecht und bietet den Zuschauern nichts, was man nicht so oder so ähnlich schon mal gesehen hat.

Fans der Schauspieler sollten einen Blick riskieren, aber nicht mit allzu großen Erwartungen herangehen. Der Rest kann die knapp acht Stunden Lebenszeit getrost anders investieren.

Titelfoto: Amazon Prime Video

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