"Nur ein Augenblick" zeigt in brutalen Folterszenen den grausamen Kriegsalltag in Syrien

Deutschland - Schwere Kost: "Nur ein Augenblick", der am 13. August in den deutschen Kinos anläuft, ist nichts für zarte Gemüter! In schonungslosen Bildern werden hier die Grausamkeiten des Syrienkrieges gezeigt. 

Karim (Mehdi Meskar) und Lilly (Emily Cox) freuen sich als werdende Eltern auf ihre Zukunft.
Karim (Mehdi Meskar) und Lilly (Emily Cox) freuen sich als werdende Eltern auf ihre Zukunft.  © Farbfilm Verleih

Seit 2011 herrscht  Bürgerkrieg in dem südwestasiatischen Staat, der bereits unzähligen Menschen das Leben kostete.

Für Karims (Mehdi Meskar) Eltern war das Grund genug, ihren Sohn zum Studieren nach Deutschland und weg aus der Gefahrenzone zu schicken. Inzwischen hat sich der Mittzwanziger in seinem neuen Wohnort Hamburg gut zurechtgefunden. Mit seiner Freundin Lilly (Emily Cox) freut er sich sogar schon auf ihr erstes Baby. Und mit Max (Jonas Nay) hat er einen richtig guten Kumpel an seiner Hochschule gefunden.

Nur eine Sache trübt das Glück des jungen Syrers: Sein Bruder Yassir (Tariq Al-Saies) , der in seinem Heimatland für eine Rebellengruppe kämpft, wurde in ein Foltergefängnis des Präsidenten Baschar al-Assad verschleppt.

Für Karim steht fest: Er will nicht tatenlos bleiben und beschließt, sich auf den Weg in das Kriegsgebiet zu machen, um seinen Bruder da rauszuholen. 

Lilly unterstützt ihn dabei, da er seiner schwangeren Freundin doch zusichert, dass er nur zwei Tage wegbleiben wird. Doch aus den Tagen werden Wochen und plötzlich ist auch Karim verschwunden...

Deutscher Trailer zu "Nur ein Augenblick" mit Mehdi Meskar, Emily Cox und Jonas Nay

"Nur ein Augenblick" zeigt den Krieg in Syrien aus einer neuen Perspektive

Zusammen mit Max (Jonas Nay) begibt sich Lilly (Emily Cox) im Internet auf die Suche nach Hinweisen über Karims Verbleib.
Zusammen mit Max (Jonas Nay) begibt sich Lilly (Emily Cox) im Internet auf die Suche nach Hinweisen über Karims Verbleib.  © Farbfilm Verleih

Filme und Dokumentationen mit Bezug zum Krieg in Syrien gibt es mittlerweile einige. Kein Wunder - hat dieser doch aufgrund der damit verbundenen Flüchtlingskrise in den letzten Jahren auch einen wesentlichen Einfluss auf unsere Gesellschaft genommen. 

"Nur ein Augenblick" hebt sich allerdings erfreulicherweise davon ab. Das liegt vor allem daran, dass Regisseurin Randa Chahoud, die hier ihr Spielfilmdebüt gibt und selbst syrische Wurzeln hat, einen ganz anderen Ausgangspunkt wählt. 

Sie präsentiert den jungen Syrer Karim nicht als "Problemfall", sondern als gut integrierten jungen Mann, der mit beiden Beinen fest im Leben steht und gerade dabei ist, seine eigene kleine Familie zu gründen. 

Und trotzdem wählt er den Weg zurück in das zerrüttete Land, dem er einst mithilfe seiner Eltern den Rücken gekehrt hatte. 

Wenn der werdende Vater erstmals wieder in seinem Heimatland ankommt, ist nicht nur er, sondern auch das Kinopublikum zunächst überrascht von den friedlichen Landschaftsaufnahmen, die so gar nicht nach brutalem Kriegstreiben aussehen. 

Doch die Realität holt ihn bald ein.

"Nur ein Augenblick" schockt mit brutalen Gewaltszenen

Karim (Mehdi Meskar) erlebt unterdessen in seiner syrischen Heimat die alptraumhafte Realität des Krieges.
Karim (Mehdi Meskar) erlebt unterdessen in seiner syrischen Heimat die alptraumhafte Realität des Krieges.  © Farbfilm Verleih

Chahoud lässt die Zuschauer durch den Hauptprotagonisten das Elend des Krieges hautnah miterleben. Viele Szenen wurden aus der Perspektive von Karim gedreht, etwa wenn er zum ersten Mal einen Menschen tötet - ein Moment, der besonders unter die Haut geht. 

Während die anderen Rebellen teilnahmslos über den Leichnam hinweg gehen, bleibt er fassungslos stehen. 

Doch Zeitsprünge zeigen, dass auch der junge Student mit der Zeit abhärtet, wenn er auch nie ganz sein Gewissen zu verlieren scheint. Als er einen Spitzel entdeckt, weigert er sich, ihn umzubringen. 

Dafür muss er mitansehen wie der eigentlich unschuldige Mann brutal gefoltert wird, bevor ihn schließlich ein anderer erschießt.

Als Gegenpart zu Karims Geschichte zeigt "Nur ein Augenblick", was in seiner Abwesenheit in Deutschland passiert. Denn seine Freundin Lilly hat sehr damit zu kämpfen, dass der Vater ihres ungeborenen Babys unauffindbar ist. Unterstützung erhält sie nicht nur von Max, sondern auch Karims Eltern, die plötzlich vor ihrer Tür stehen. 

Ab da nimmt der Film eine etwas holprige Wendung. Einige Sequenzen - etwa die Geburt des Babys - wirken ein wenig zu rührselig inszeniert. Dass nun ausgerechnet Karims Mutter und Vater dabei helfen, das Kind ihres Sohnes auf die Welt zu bringen, während dieser längst als verschollen gilt, ist ein wenig zu viel des Guten und schon vorher abzusehen.

"Nur ein Augenblick" verrennt sich gegen Ende in zu vielen Handlungssträngen

Zurück in Deutschland, fällt es Karim (Mehdi Meskar) schwer, wieder ein normales Leben zu führen.
Zurück in Deutschland, fällt es Karim (Mehdi Meskar) schwer, wieder ein normales Leben zu führen.  © Farbfilm Verleih

Eine weitere Wendung nimmt die deutsche Produktion, als der verlorene Sohn nach monatelangen Strapazen doch noch nach Hamburg zurückkehrt. 

Von dem zuversichtlichen jungen Mann ist nun nicht mehr viel übrig. Stattdessen ist Karim schwer traumatisiert, weshalb eine Rückkehr zum Alltag für ihn kaum mehr möglich zu sein scheint.

"Nur ein Augenblick" versucht viele durchaus interessante Themenfelder in seiner fast zweistündigen Laufzeit abzuarbeiten. Das wirkt zwar ambitioniert und gerade am Anfang gelingt ihm das auch. 

Doch spätestens mit dem Eintreffen von Karims Eltern werden einfach zu viele verschiedene Handlungsstränge etabliert, denen der Film einfach nicht gerecht werden kann. Weniger wäre hier durchaus mehr gewesen und stellenweise fehlt es dann doch an Tiefe.

Dennoch ist Randa Chahouds Erstling keineswegs schlecht. Gerade in der ersten Hälfte des Dramas gelingt es, die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen und einen neuen Blickwinkel den Syrienkrieg zu eröffnen. Einzig die deutsche Synchronisation ist hier völlig missraten. Am Ende zeigt "Nur ein Augenblick" das, was alle wissen, nur keiner so richtig wahrhaben will: Im Krieg gibt es keine Gewinner.

Titelfoto: Farbfilm Verleih

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