"One Night in Miami" bei Amazon Prime Video: "Wir erlauben keine Ni**er im Haus"!

Deutschland - Der nächste große "Oscar"-Kandidat ist da! "One Night in Miami" läuft seit dem 15. Januar bei Amazon Prime Video und beweist, dass die Vorschusslorbeeren aus den USA berechtigt waren.

Malcolm X (Kingsley Ben-Adir, l.) macht ein Foto von Sam Cooke (Leslie Odom Jr., r.), Cassius Clay (Eli Goree, 2.v.r.) und Jim Brown (Aldis Hodge, 5.v.r.).
Malcolm X (Kingsley Ben-Adir, l.) macht ein Foto von Sam Cooke (Leslie Odom Jr., r.), Cassius Clay (Eli Goree, 2.v.r.) und Jim Brown (Aldis Hodge, 5.v.r.).  © PR/Amazon Prime Video

Das Drama behandelt die legendäre Nacht des 25. Februar 1964. Damals krönte sich der 22 Jahre junge Ausnahmeboxer Cassius Clay (Eli Goree) zum Schwergewichtsweltmeister und bezwang Sonny Liston (Aaron D. Alexander), der vor der siebten Runde wegen einer Schulterverletzung aufgab.

Anschließend war er obenauf und soll die Nacht in Miami tatsächlich mit drei weiteren afroamerikanischen Legenden verbracht haben: Mit Nation-of-Islam-Sprecher Malcolm X (Kingsley Ben-Adir), Soul-Sänger Sam Cooke (Leslie Odom Jr.), und dem herausragenden Footballspieler Jim Brown (Aldis Hodge).

Was genau damals geschehen ist, weiß man nicht. Doch das Theaterstück von Kemp Powers, auf dem der Film basiert, nahm sich die Freiheit und griff fiktional auf, was die vier Männer zueinander gesagt haben könnten.

Sie alle haben zu diesem Zeitpunkt ihres Lebens bereits einiges durchgemacht. Brown reist zu Beginn etwa zu einem Mann namens Mr. Carlton (Beau Bridges), der nett tut und sich offenkundig freut, James Nathaniel Brown zu sehen, ihm die Hand zu schütteln und eine Limonade anzubieten.

Jims Tante sagte ihm, dass Carlton ihn sehen wolle. Sie sprechen über seinen NFL-Rekord und wenn Brown mal Hilfe brauchen sollte, will Carlton sie ihm gewähren. Schließlich kennen sich ihre Familien schon seit vielen Generationen und wären "immer füreinander da" gewesen. "Solange ich noch hier bin, wird sich das auch nicht ändern", sagt Carlton.

Originaltrailer zu "One Night in Miami" mit Kingsley Ben-Adir, Eli Goree, Aldis Hodge und Leslie Odom Jr.

"One Night in Miami" ist ein brillantes Drama, das bei den "Oscars" zu den Favoriten zählen dürfte

Cassius Clay alias Muhammad Ali (Eli Goree) spielt in "One Night in Miami" eine große Rolle.
Cassius Clay alias Muhammad Ali (Eli Goree) spielt in "One Night in Miami" eine große Rolle.  © PR/Amazon Prime Video

Brown bedankt sich bei ihm, denn nicht alle hätten ihn so unterstützt. Carlton weiß das und meint aufgeräumt: "Die sind doch alle von Neid zerfressen. Zur Hölle mit ihnen allen!" Brown sei schließlich eine Bereicherung für den Bundesstaat Georgia.

Als ihn seine Enkelin bittet, die Kommode zu verrücken, will Jim natürlich helfen und mit anpacken. Dann kommt es jedoch zu einer Aussage, die ihn fassungslos und wütend zurücklässt: "Wir erlauben keine Ni**er im Haus." Das sagt Carlton freundlich, als wäre es das normalste von der Welt und nicht böse gemeint.

Ihm ist überhaupt nicht bewusst, wie rassistisch diese Aussage ist. Schon der Aufbau dieser genialen und bezeichnenden Sequenz ist großartig, doch was folgt, ist sogar noch besser.

Denn Regisseurin Regina King ("Shameless: Nicht ganz nüchtern", "Animal Kingdom", "The Good Doctor") hat diese hochinteressante Geschichte brillant umgesetzt. Der als Schauspielerin bekannten Filmschaffenden ist ein kraftvolles Drama gelungen, das berührt und dank seiner spannenden Idee sowie exzellenten Umsetzung viele Fragen aufwirft.

Sie zeigt nicht nur den Alltagsrassismus in den USA klug und subtil auf, sondern auch die verschiedenen Sichtweisen der vier Hauptprotagonisten. Die Dialoge sind dabei genial ausgeschrieben, schlagfertig, hintergründig, treffend, sehr gut getimt und deshalb auch mitreißend. Daran hat auch das überragende Drehbuch, das den Zuschauern ermöglicht, tief in das Drama abzutauchen, entscheidenden Anteil.

2. Originaltrailer zu "One Night in Miami" von Regina King und mit Lance Reddick sowie Beau Bridges

"One Night in Miami" ist ein schauspielerisches Meisterwerk!

Von links nach rechts: Sam Cooke (Leslie Odom Jr.), Cassius Clay (Eli Goree), Malcolm X (Kingsley Ben-Adir, l.) und Jim Brown (Aldis Hodge, 5.v.r.) haben viel miteinander zu besprechen.
Von links nach rechts: Sam Cooke (Leslie Odom Jr.), Cassius Clay (Eli Goree), Malcolm X (Kingsley Ben-Adir, l.) und Jim Brown (Aldis Hodge, 5.v.r.) haben viel miteinander zu besprechen.  © PR/Amazon Prime Video

So wird der Film aller Voraussicht nach ein gehöriges Wörtchen in den wichtigsten "Oscar"-Kategorien mitreden. Gerade schauspielerisch ist er ein Meisterwerk.

Was Ben-Adir (Col Ben Younger in "Peaky Blinders: Gangs of Birmingham"), Odom Jr. ("Harriet - Der Weg in die Freiheit"), Hodge ("Straight Outta Compton") und Goree ("Zeit für Legenden") in diesen wichtigen Rollen zeigen, nötigt einem Respekt ab!

Dieser Film könnte für alle vier der ganz große Durchbruch sein! Denn es ist nicht unwahrscheinlich, dass der ein oder andere von ihnen für einen Academy Award nominiert wird.

Ihre Leistungen sind wie die von Lance Reddick ("John Wick 3") mitreißend und sorgen dafür, dass man das Drama gebannt verfolgt und auf jedes Detail und jede kleine Story-Wendung achtet.

Das liegt auch am fantastischen Szenebild, den starken Kostüme, schönen Locations, der detaillierten Ausstattung, dynamischen Kameraführung, gefühlvollen Musikuntermalung und dem ausgewogenen Schnitt.

So ist "One Night in Miami" ein tiefschürfender Film voller brisanter und wichtiger Themen geworden, das den Zeitgeist auf intelligente Weise trifft und in jederlei (positiver) Hinsicht geradezu nach "Oscar" schreit! Nach "Pieces of a Woman" ist er bereits die zweite Perle des noch so jungen Jahres 2021!

Titelfoto: PR/Amazon Prime Video

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