"Pandemie": Reißerischer Katastrophen-Schocker schürt die Virus-Panik!

Deutschland - Er springt auf den Panik-Zug auf! "Pandemie" erfährt gerade durch die Corona-Krise weltweite Aufmerksamkeit. Dabei lief der grottenschlechte Film schon 2013 in Südkorea im Kino. Hierzulande wird er am 6. August in die Lichtspielhäuser gebracht. 

Nach dem Virus-Ausbruch herrscht beim Einkaufen Panik. Die Menschen kämpfen um die Lebensmittel im Supermarkt.
Nach dem Virus-Ausbruch herrscht beim Einkaufen Panik. Die Menschen kämpfen um die Lebensmittel im Supermarkt.  © PR/Busch Media Group

In ihm stehen unzählige Figuren im Mittelpunkt. Bei ihnen den Überblick zu behalten, fällt schwer, weil die Schauspieler unbekannt sind, wenig Qualität nachweisen und kein Charakter gut eingeführt wird.

Zu Beginn, im April 2014, geht es um eine Gruppe von Flüchtlingen, die in einem Container in die Stadt Bundang, Südkorea, gelangt. Dort wird sie nach einem nicht näher genannten Zeitraum entdeckt - und alle bis auf einen Mann sind tot.

Die zwei Retter, die sie finden, untersuchen die Leichen und stecken sich mit einem hoch ansteckenden Virus an. Sie husten - natürlich ohne die Hand vor den Mund zu halten - in aller Öffentlichkeit, weshalb sich der tödliche Erreger rasend schnell in der nur 20 Kilometer von der Hauptstadt Seoul entfernten Metropole ausbreitet.

Die überraschten Krankenhäuser schlagen Alarm, denn die Zustände sind bald katastrophal. Dazu ist sich der Krisenstab uneins, wie vorgegangen werden soll. Bald kommen die Ärzte und Wissenschaftler jedoch darauf, dass der überlebende Flüchtling vermutlich Antikörper gebildet hat. Sein Blut könnte daher helfen, einen Impfstoff gegen die mutierte Form der Vogelgrippe zu entwickeln und eine Pandemie zu verhindern.

In Bundang ist jedoch längst Panik ausgebrochen. Die Leute werden nämlich mithilfe von Soldaten in Lager gepfercht, in denen die Stimmung extrem angespannt ist. Mit den Infizierten wird dort hart umgegangen. Schließlich soll ein landes- oder sogar weltweiter Ausbruch um jeden Preis verhindert werden. Ihre extrem eingeschränkten Rechte wollen die Menschen im Lager aber nicht einfach so hinnehmen...

Deutscher Trailer zum südkoreanischen Virus-Schocker "Pandemie"

Der Patient X. Alle im Container starben durch das Virus, nur dieser Flüchtling nicht.
Der Patient X. Alle im Container starben durch das Virus, nur dieser Flüchtling nicht.  © PR/Busch Media Group

"Pandemie" ist brutal, reißerisch und stößt damit ab, anstatt zu fesseln

Chaos im Krankenhaus: Durch die vielen todgeweihten Patienten herrschen hier Zustände wie im Krieg.
Chaos im Krankenhaus: Durch die vielen todgeweihten Patienten herrschen hier Zustände wie im Krieg.  © PR/Busch Media Group

Diese Geschichte hat Regisseur Sung-Su Kim erschreckend schlecht umgesetzt. Es ist kein Wunder, dass sein Werk hierzulande erst sieben Jahre nach seinem Erscheinen und nur im Zuge der Corona-Krise veröffentlicht wird.

Es strotzt nämlich vor Fehlern und Ungereimtheiten. Das beginnt schon beim deutschen Titel "Pandemie", um die es in diesem Film gar nicht geht. Es handelt sich um einen regionalen Ausbruch, also eine Epidemie. 

Alleine diese Tatsache verdeutlicht sehr gut, wie reißerisch die Aufmachung ist und wie sehr man die aktuell schwierige Zeit für sich nutzen will. 

Dazu versucht er, mit allen Mitteln zu schocken. Das gelingt ihm zumindest phasenweise immerhin. Wenn etwa die ausbrechende Panik in einem Supermarkt gezeigt wird, wo Menschen um Essen kämpfen, verfehlt das seine Wirkung nicht.

Selbiges gilt für die Krankenhäuser, in denen Kriegszustände herrschen, sich die Leute auf glaubwürdige Weise daneben benehmen und so zur Verbreitung des Virus beitragen. All das wird bei vielen ungute Gefühle wachrufen. Die brutalen Szenen in den Lagern treiben es dann in negativer Hinsicht sogar auf die Panik-Spitze. 

Das ist schade, denn "Pandemie" hätte mehr Subtilität sehr gut getan. Stattdessen übertreiben die Macher das Horror-Szenario so sehr, dass sie mit ihrer Machart viele interessierte Zuschauer abstoßen dürften, anstatt sie in ihr vom Ansatz her durchaus interessantes Werk hineinzuziehen.

Die Menschen aus Bundang nehmen die krassen Maßnahmen der Regierung nicht einfach so hin. Es kommt zur Eskalation.
Die Menschen aus Bundang nehmen die krassen Maßnahmen der Regierung nicht einfach so hin. Es kommt zur Eskalation.  © PR/Busch Media Group

Deutsche Synchronisation von "Pandemie" ist eine Katastrophe!

Der südkoreanische Präsident (vorne, weißes Hemd, Cha In-Pyo) wird übertrieben heroisch dargestellt. Die anderen Politiker sind allesamt rücksichtslose und überforderte "Bösewichte".
Der südkoreanische Präsident (vorne, weißes Hemd, Cha In-Pyo) wird übertrieben heroisch dargestellt. Die anderen Politiker sind allesamt rücksichtslose und überforderte "Bösewichte".  © PR/Busch Media Group

Denn man kann emotional überhaupt nicht mit den Protagonisten mitfiebern. Das liegt auch an der grausamen deutschen Synchronisation, die die aufkommende Atmosphäre im Keim zerstört.

Schlimmer noch: Der Film wird auch noch ins Lächerliche gezogen. Denn die Betonung der gänzlich namenlosen Sprecher ist so unterirdisch schlecht, dass man sich teilweise gar nicht auf das Geschehen auf der Leinwand konzentrieren kann!

Sie agieren so ausdrucks- und emotionslos, dass echte Endzeitstimmung gar nicht erst aufkommen kann, weil der Film immer wieder so unfreiwillig komisch ist.

Selten war eine deutsche Fassung so ein cineastisches Desaster! Was so eine Kategorie, auf die viele Zuschauer gar nicht groß bzw. bewusst achten aber ausmacht, wird in "Pandemie" überdeutlich.

Der Reißer wird durch sie nämlich komplett ausgebremst. Das erweist sich als äußerst problematisch, weil er hinsichtlich Drehbuch und Erzähltempo auch ohne diesen großen zusätzlichen Negativpunkt erhebliche Schwächen hat.

Wie das aussieht, wenn in einer Szene alles zusammenkommt, zeigt sich in den Momenten, in denen wichtige Leute miteinander diskutieren. Bis auf den übertrieben heroisch gezeichneten Präsidenten wollen alle Politiker rigorose und menschenverachtende Maßnahmen durchführen. Mal ganz davon abgesehen, dass das in einem gebildeten Land wie Südkorea völlig unrealistisch ist, fehlt den Dialogen nicht nur wegen der Synchronsprecher die Authentizität.

Die Leichenberge werden in einem geheimen Teil der Lager verbrannt. Das kleine Mädchen spielt eine entscheidende Rolle für den Verlauf des Virus.
Die Leichenberge werden in einem geheimen Teil der Lager verbrannt. Das kleine Mädchen spielt eine entscheidende Rolle für den Verlauf des Virus.  © PR/Busch Media Group

"Pandemie" enttäuscht auf ganzer Linie

Die Ärztin Kim In-Hae (Soo Ae) kämpft nicht nur um das Leben ihrer Patienten, sondern auch um das ihrer Tochter.
Die Ärztin Kim In-Hae (Soo Ae) kämpft nicht nur um das Leben ihrer Patienten, sondern auch um das ihrer Tochter.  © PR/Busch Media Group

Als wäre all das noch nicht genug, wird auch der Virusverlauf nicht mit ausreichend genug Tiefgang dargestellt. Ob Mutation, Ausbruch, Verlauf ohne Inkubationszeit und die Entwicklung zur Epidemie: alles wird schnell und oberflächlich abgehandelt, weshalb echte Spannung zu keinem Zeitpunkt aufkommt. 

Zwar ist er in der zweiten Hälfte seiner 121 Minuten Laufzeit zumindest teilweise kurzweilig und nicht so eintönig, einsilbig und langweilig wie zu Beginn. Dennoch muss man die Ausführung, die Panik und Angst verstärkt, mehr als nur hinterfragen.

Deshalb hilft es auch nur bedingt, dass das Szenebild, die Ausstattung und die visuellen Dystopie-Ideen mitunter richtig klasse sind und einige Aufnahmen nachhaltig im Gedächtnis haften bleiben.

Eine gewisse Wirkung ist dem Film daher nicht abzusprechen. Trotzdem hat man nahezu alle Details kurz nach dem Ansehen schnell wieder vergessen, was nicht gerade ein Zeichen dafür ist, dass der Reißer storytechnisch Qualität hat.

So ist "Pandemie" - trotz aller Versuche - nicht der Film, der den Zeitgeist trifft. Dafür ist seine Inszenierung zu reißerisch, die deutsche Synchronfassung eine bodenlose Frechheit, fehlt ihm der Tiefgang und fällt er im Vergleich zu Steven Soderberghs "Contagion" zu deutlich ab. Er ist aus all diesen Gründen einer der schlechtesten Filme, die in diesem Jahr in Deutschland im Kino anlaufen/angelaufen sind.

Titelfoto: PR/Busch Media Group

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