"PARA - Wir sind King": "Ich kann die Pisse hier nicht mehr riechen"

Deutschland - Vier Freundinnen, ein paar Kilo Koks und die Hoffnung auf ein sorgenfreies Leben: "Para - Wir sind King", die neue Serie der "4 Blocks"-Macher, ist ein bunter Ritt durch den Berliner Wedding und eine treffende Milieustudie. Seit dem 1. Juli läuft die Serie nicht nur auf TNT, sondern ist auch auf DVD & Blu-ray erhältlich.

Fanta (v.l.n.r., Jobel Mokonzi, 22), Rasaq (Roxana Samadi, 20), Hajra (Soma Pysall, 25) und Jazz (Jeanne Goursaud, 25) machen gemeinsam die Straßen Berlins unsicher.
Fanta (v.l.n.r., Jobel Mokonzi, 22), Rasaq (Roxana Samadi, 20), Hajra (Soma Pysall, 25) und Jazz (Jeanne Goursaud, 25) machen gemeinsam die Straßen Berlins unsicher.  © TNT Serie

Jazz (Jeanne Goursaud, 25, "Barbaren"), Fanta (Jobel Mokonzi, 22, "Druck"), Hajra (Soma Pysall, 25, "Tatort") und Rasaq (Roxana Samadi, 20, "Notruf Hafenkante") sind auf den Straßen des harten Weddings in Berlin groß geworden und kennen ihren Kiez in- und auswendig.

Für Harja wurde ihre aufbrausende Art schon zum Problem. Nachdem sie einen Späti-Besitzer mit einer Glasflasche niedergestreckt hatte, musste sie in den Jugendknast.

Sechs Monate später kehrt die Schulabbrecherin zu ihrer Gang zurück. Viel geändert hat sich nicht: Jazz arbeitet noch immer als Tänzerin in diversen Nachtclubs, Fanta versucht Abi und die Betreuung ihres kleinen Bruders unter einen Hut zu bekommen, während ihre Mutter ihr Leben nicht in den Griff kriegt.

Einzig Rasaq scheint das große Los gezogen zu haben: Die Ausbildung zur Zahnarzthelferin läuft bestens und der Mann, mit dem ihre Familie sie verheiraten will, entpuppt sich zunächst als guter Fang.

Als die Truppe zufällig auf ein paar Kilo Kokain stößt, scheint der soziale Aufstieg zum Greifen nah: "Einmal richtig Para machen." Doch die fehlenden Drogen bleiben nicht unentdeckt. Bald ist Jazz, Fanta, Harja und Rasaq nicht nur die Russen-Mafia auf der Spur. Auch die Freundschaft der Vier wird auf eine harte Probe gestellt.

Trailer zu "Para - Wir sind King" mit Jeanne Goursaud, Soma Pysall, Jobel Mokonzi und Roxana Samadi

"Para - Wir sind King" wurde von den Machern von "4 Blocks" geschrieben und produziert

Zusammen ziehen Fanta (v.l.), Hajra und Jazz durch die Clubs der Stadt.
Zusammen ziehen Fanta (v.l.), Hajra und Jazz durch die Clubs der Stadt.  © TNT Serie

Mit "4 Blocks" gelang Hanno Hackfort (51, "Your Are Wanted"), und Regisseur Özgür Yildirim (41, "Blutzbrüdaz") 2017 ein viel gelobter Überraschungshit.

Insbesondere die Glaubwürdigkeit der Neuköllner Sozialstudie wurde immer wieder positiv hervorgehoben.

Kein Wunder, dass man bei "Para" sofort den Werbezusatz "von den Machern von '4 Blocks'" präsentiert bekommt. Dabei ist diese gut gemeinte Starthilfe alles andere als förderlich und schürt Erwartungen, die die Serie gar nicht erfüllen kann und will.

Denn "Para" ist weniger knallharte Action, sondern mehr kunterbunte Coming-of-Age-Story.

Wenn die Freundinnen etwa auf Shoppingtour gehen, blickt der Zuschauer durch die farbigen Sonnenbrillen der Mädchen auf den Berliner Kiez. Für einen Moment ist der Wedding dann nicht grau und trist und das Leben unbeschwert.

Eingekehrt wird dann auch nicht etwa bei Zara oder H&M, sondern bei Gucci. Split-Screens, schnelle Schnitte und Farbfilter erinnern an Instagram/TikTok und zeigen, auf welche Zielgruppe es "Para" abgesehen hat.

"Para - Wir sind King" überzeugt dank authentischer Sprache und einem vielfältigem Cast

Fanta (l.) schüttet Jazz ihr Herz aus.
Fanta (l.) schüttet Jazz ihr Herz aus.  © TNT Serie

Auch wenn die Handlung der insgesamt sechs Folgen wenig überraschend daherkommt, kann die Serie trotzdem gut unterhalten. Das liegt vor allem an der nötigen Portion Authentizität, die durch den Straßen-Slang der Charaktere perfekt eingefangen wird.

Wörter wie "Wallah" ("Ich schwöre!") oder das titelgebende "Para" ("Geld") fallen wie selbstverständlich in jedem zweiten Satz und wirken zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt oder auswendig gelernt.

Auch beim Casting haben Hackfort und seine Kollegen voll ins Schwarze getroffen. Allen voran "Hajra"-Darstellerin Soma Pysall gelingt es, die Wut ihrer Figur über die soziale Ungerechtigkeit, Diskriminierung und die aussichtslose Zukunft, die sie Tag für Tag erfährt, überzeugend rüberzubringen: "Wir chillen seit zehn Jahren in dieser verfickten Halle mit irgendwelchen Junkies. Ich kann die Pisse nicht mehr riechen!"

Einzig wenn es um das Liebesleben der Freundinnen geht, driftet das Drehbuch leider allzu sehr in gängige Klischees ab.

"Para - Wir sind King" setzt den Fokus zu sehr auf das Liebesleben seiner Hauptcharaktere

Die Mädels entdecken Drogen und suchen nach einem guten Versteck.
Die Mädels entdecken Drogen und suchen nach einem guten Versteck.  © TNT Serie

Jazz etwa beginnt eine Affäre mit ihrem Vorgesetzten, dem Nachtclub-Besitzer Matthias (David Schütter, 30, "4 Blocks").

Hajra dagegen führt eine On-Off-Beziehung mit ihrem leidenschaftlich verhassten Ex Yusuf (Eidin Jalali, 29, "Futur Drei"), die wahlweise in einem Schreiduell auf offener Straße oder wilden Knutschereien endet.

Leider nehmen die eher nervigen Romanzen mit fortschreitender Folgenzahl immer mehr Platz ein und drängen die spannenderen Handlungsstränge ins Abseits.

Gerade die Storyline um Fanta, die sich neben der Schule noch um Haushalt, ihren kleinen Bruder und Lebensunterhalt der Familie kümmern muss, weil ihre Mutter damit heillos überfordert ist, hätte deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient.

Denn in genau solchen Momenten wird "Para" zur bewegenden Milieustudie, die einen ungeschönten Blick auf die Realität vieler junger Erwachsener wirft.

So ist "Para – Wir sind King" in erster Linie eine recht oberflächliche, wenn auch authentische Unterhaltungsserie, der es nur in wenigen Szenen gelingt, wirklich zu berühren.

Titelfoto: TNT Serie

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