"Persischstunden" zeigt den grausamen KZ-Alltag im Nationalsozialismus mit brutalen Bildern!

Deutschland - Heftige Szenen! "Persischstunden", der am 24. September in den deutschen Kinos startet, spart nicht an Gewalt und zeigt gleichzeitig ein spannendes Psycho-Duell zwischen den beiden Hauptfiguren.

Gilles (Nahuel Pérez Biscayart) flieht vor dem Nazi-Regime in die Schweiz.
Gilles (Nahuel Pérez Biscayart) flieht vor dem Nazi-Regime in die Schweiz.  © PR/Alamode Film

Frankreich, 1942: Während des Zweiten Weltkriegs wird Gilles (Nahuel Pérez Biscayart), Sohn eines Rabbiners aus Antwerpen, auf der Flucht in die Schweiz von SS-Soldaten verhaftet.

Als die anderen Juden brutal hingerichtet werden, entkommt er nur knapp dem gleichen Schicksal, indem er behauptet, Perser zu sein.

Was als kleine Lüge beginnt, stellt Gilles nach und nach vor immer größere Herausforderungen: Denn Hauptsturmführer Klaus Koch (Lars Eidinger), der in einem Durchgangslager die Verpflegung der SS-Leute und der Gefangenen organisiert, sucht dringend jemanden, der Farsi spricht. 

Er plant nämlich nach Kriegsende nach Teheran zu gehen und dort ein Restaurant eröffnen, weshalb er unbedingt die Sprache lernen will. Und so muss Gilles, der Farsi nicht beherrscht, sich fortan Reza Joon nennt, eine Sprache erfinden, die er selbst überhaupt nicht kennt. Nur so kann er sich vor dem sonst sicheren Tod bewahren.

Zwar kann er nach und nach Kochs Misstrauen besänftigen, doch Rottenführer Max Beyer (Jonas Nay) macht ihm zusätzlich das Leben schwer und versucht alles, um zu beweisen, dass "Reza" nicht Perser, sondern Jude ist. Für Gilles beginnt ein fast auswegloser Kampf um sein Leben, bei dem jeder noch so kleine Fehltritt sein Ende bedeuten könnte.

Deutscher Trailer zu "Persischstunden" mit Nahuel Pérez Biscayart, Lars Eidinger und Jonas Nay

Nahuel Pérez Biscayart und Lars Eidinger liefern sich in "Persischstunden" einen krassen Schlagabtausch

Im Arbeitslager erhält Gilles, der sich nun als "Reza" ausgibt, die Aufgabe, Hauptsturmführer Klaus Koch (r., Lars Eidinger) in Farsi zu unterrichten.
Im Arbeitslager erhält Gilles, der sich nun als "Reza" ausgibt, die Aufgabe, Hauptsturmführer Klaus Koch (r., Lars Eidinger) in Farsi zu unterrichten.  © PR/Alamode Film

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg sind Themen, die in der Vergangenheit regelmäßig in - nicht nur deutschen - Produktionen behandelt wurden. Umso schwieriger ist es, diesem historisch komplexen und dennoch wichtigen Bereich etwas Neues abzugewinnen. 

Dennoch ist genau das Regisseur Vadim Perelman vor allem in Hinsicht auf seine Hauptfiguren gelungen. Das Zusammenspiel von Koch und "Reza", das immer wieder zwischen Schlagabtausch und fast freundschaftlichem Dialog hin und her pendelt, ist eindeutig der Höhepunkt des Dramas und erinnert dabei oft an ein Kammerspiel. Das "Opfer" wird zum Lehrer, der Täter zu dessen Schüler - all das passiert auf engstem Raum.

Überzeugen kann die Haupthandlung auch besonders dank der ausgezeichneten schauspielerischen Leistungen. Nahuel Pérez Biscayart spielt seine Rolle Gilles ohne ausufernde Gestik, dafür so fein nuanciert zwischen Todesangst und Selbstsicherheit, sodass der Zuschauer in jedem Moment mit ihm mitfühlen kann.

Im Kontrast dazu steht Lars Eidinger, der den Nazi-Hauptmann mit viel Pathos und manchmal am Rande des Overactings spielt. Das fällt aber nicht weiter negativ ins Gewicht, denn seine Rolle wird zwar durchaus menschlich angelegt, seine Taten werden aber zu keiner Zeit gerechtfertigt oder gar in Schutz genommen. 

In "Persischstunden" können die Nebencharaktere nur selten überzeugen

Gilles/ Reza nimmt unter den Gefangenen eine Sonderrolle ein, da er durch seine Lehrertätigkeit von Koch bevorzugt behandelt wird.
Gilles/ Reza nimmt unter den Gefangenen eine Sonderrolle ein, da er durch seine Lehrertätigkeit von Koch bevorzugt behandelt wird.  © PR/Alamode Film

Im Gegensatz zu diesem starken Duo gehen die Nebenfiguren eher unter. Zwar bemüht sich das Drehbuch darum, auch diesen ein Profil zu geben. 

Doch besonders bei Nazi-Soldat Max bleibt es aber eher bei einem Versuch. Dieser wird zu einer Art Super-Bösewicht stilisiert, der um jeden Preis dafür sorgen will, dass Gilles stirbt. Woher seine Motivation - abgesehen von seinem absurden Judenhass - kommt, bleibt unschlüssig. 

Die Machtspielchen der Nazis untereinander haben zwar durchaus Unterhaltungswert und sorgen für Wendungen im Hauptplot, sind aber nicht mehr als nettes Beiwerk.

Ein Film über den Holocaust zu drehen, bedeutet auch, sich zu fragen, was und wie viel man zeigen kann und darf, ohne die Opfer zu verhöhnen. Perelman wählt einen Mittelweg. Gewalt steht auch in "Persischstunden" an der Tagesordnung. Immer wieder wird Gilles/Reza brutal geschlagen und muss bis zur kompletten Erschöpfung arbeiten. 

Auch befinden sich einige Szenen am Rande des Ertragbaren, etwa wenn die Kamera aus der Vogelperspektive einem Wagen voller Leichen folgt oder aus dem Nichts heraus ein Gefangener grundlos erschossen wird. So weit wie etwa László Nemes "Oscar"-prämierter Skandalfilm "Son of Saul" von 2015 geht Perelman aber bei Weitem nicht.

"Persischstunden" zeigt die Sinnlosigkeit und Willkür der nationalsozialistischen Ideologie

Immer wieder droht Gilles/Rezas (l.) Tarnung aufzufliegen.
Immer wieder droht Gilles/Rezas (l.) Tarnung aufzufliegen.  © PR/Alamode Film

Vor allem stellt das Drama die Sinnlosigkeit und Willkür der nationalsozialistischen Ideologie unter Beweis. Opfer werden anhand wahlloser Merkmale ("Hände wie ein Jude", "stinkt wie ein Jude") ausgewählt. Umso bezeichnender ist es, dass Hauptsturmführer Koch sich ausgerechnet von seinem persönlichen Feindbild unterrichten lässt, ohne es zu bemerken.

"Persischstunden" folgt im Großen und Ganzen einer altbewährten Form, das Kriegstreiben und die Schrecken der Arbeitslager darzustellen. Das Drama ist überwiegend in grauen und dunklen Farben gehalten, immer wieder umhüllen Nebelschwaden die wenigen Landschaftsaufnahmen. 

Musikalisch wird der Streifen von orchestralen Melodien begleitet, die manchmal etwas zu dick aufgetragen erscheinen und offenbar versuchen sollen, die Spannung weiter anzukurbeln.

Nötig hat der Film dies nicht, denn er kann allein dank der Interaktion seiner beiden Hauptfiguren und des über weite Teile unvorhersehbaren und intelligenten Drehbuchs überzeugen. Schon allein dafür lohnt sich der Kinobesuch.

Titelfoto: PR/Alamode Film

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