"Schwarze Milch" sorgt mit heftiger Vergewaltigungsszene und Tiertötung für Aufsehen!

Deutschland - Kampf der Kulturen! Im Film "Schwarze Milch", der am 23. Juni in den deutschen Kinos startet, treffen zwei ungleiche Schwestern aufeinander, die tausende Kilometer voneinander entfernt leben und sich Jahre lang nicht gesehen haben. Da ist Stress vorprogrammiert...

Ossi (Gunsmaa Tsogzol), freut sich über das Wiedersehen mit ihrer Schwester Wessi (r., Uisenma Borchu).
Ossi (Gunsmaa Tsogzol), freut sich über das Wiedersehen mit ihrer Schwester Wessi (r., Uisenma Borchu).  © Alpenrepublik

Wessi (Uisenma Borchu) hat genug vom Berliner Großstadtleben. In Deutschland fühlt sie sich nicht wohl, was auch an der vor sich hinbröckelnden Beziehung zu ihrem Freund (Franz Rogowski) liegt, mit dem sie einen heftigen Streit hat.

Auch deshalb zieht es die junge Frau zu ihrer Schwester Ossi (Gunsmaa Tsogzol) in die mongolische Wüste Gobi, wo sie gemeinsam aufgewachsen sind, sich aber seit Jahren nicht mehr gesehen haben.

Kurze Zeit später sitzt Wessi im Flieger Richtung Mongolei

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Dort wird sie zunächst herzlich von ihren Verwandten aufgenommen. Doch schon bald machen sich die kulturellen Unterschiede der beiden Geschwister immer häufiger bemerkbar.

Wessi spricht nur noch ein paar Brocken ihrer Muttersprache, während Ossi mit dem freizügigen und selbstbestimmten Lebensstil ihrer Schwester überfordert ist.

Als diese auch noch eine Liaison mit einem deutlich älteren Mann eingeht, der von der Gemeinschaft als Außenseiter angesehen wird, wächst die Kluft zwischen den beiden und stellt ihre Beziehung auf eine harte Probe.

Können sie diese überstehen?

Deutscher Trailer zu "Schwarze Milch" mit Uisenma Borchu

"Schwarze Milch" zeigt das Aufeinandertreffen zweier ungleicher Schwestern

In den Armen des älteren Terbish (Terbish Demberel) findet Wessi zunächst Zuflucht.
In den Armen des älteren Terbish (Terbish Demberel) findet Wessi zunächst Zuflucht.  © Alpenrepublik

Uisenma Borchu hat es wieder getan: Nachdem die 35-Jährige bereits in ihrem Debüt "Schau mich nicht so an" von 2015 Regie und weibliche Hauptrolle übernahm, weicht sie auch in "Schwarze Milch" nicht davon ab.

Und noch eine weitere Gemeinsamkeit haben beide Filme: Es geht ordentlich zur Sache.

Während es in "Schau mich nicht so an" zum heißen Liebesspiel mit der Nachbarin kommt, gibt sich Uisenma Borchu als Wessi in "Schwarze Milch" einem Fremden hin - pikante Sexszenen inklusive!

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Selbst eine brutale Vergewaltigung scheint Wessi nichts auszumachen. Stattdessen wird sie danach als sexhungrige Verführerin dargestellt, die lasziv in Milch badet und keinerlei Schaden von dem erlebtem Trauma davon trägt.

Bei ihrer Schwester Ossi kommt diese Freizügigkeit ganz und gar nicht gut an. 

Schließlich sind ihrer Ansicht nach Frauen dafür da, die Bedürfnisse des Ehemannes zu stillen und nicht die irgendeines dahergelaufenen Mannes. Außerdem muss sie sich um Haushalt und Kinder kümmern - ganz so wie es die traditionelle Lebensart ihres mongolischen Nomadenvolkes fordert.

Der Kampf der Kulturen ist das zentrale Thema in Borchus Zweitwerk. Das verraten schon Kleidung und Namen der beiden Hauptprotagonistinnen. Wessi hat den Großteil ihres Lebens im modernen Westeuropa verbracht und ist an einen fortschrittlichen und bequemen Lifestyle gewöhnt. Dennoch ist der Besuch ihrer mongolischen Heimat eine Art Befreiungsschlag aus ihrer früheren Beziehung und ihrem alten Leben.

"Schwarze Milch" ist mehr Doku als Spielfilm

"Schwarze Milch" zeigt in vielen Einstellungen die endlose Weite der mongolischen Wüste.
"Schwarze Milch" zeigt in vielen Einstellungen die endlose Weite der mongolischen Wüste.  © Alpenrepublik

Ossi dagegen hat die Mongolei augenscheinlich nie verlassen und ist in ihrer Denkweise in alten Rollenbildern und Vorstellungen gefangen. Das selbstbewusste Auftreten ihrer Schwester irritiert und verärgert sie. Gleichzeitig bekommt man das Gefühl, dass auch sie sich nach mehr Freiheiten sehnt.

"Schwarze Milch" spielt das Thema "Culture Clash" an der ungleichen Geschwisterbeziehung von vorne bis hinten durch. Dabei entstehen hin und wieder sehr berührende Momente, wenn beide alle Grenzen überwinden und einfach nur als Familie für einander da sind.

Dann wiederum bietet der Film trotz einer überschaubaren Laufzeit von 91 Minuten viele langatmige und teilweise hölzerne Szenen, bei denen der Zuschauer nicht so recht weiß, wie diese die Erzählung vorantreiben sollen und in welche Richtung es eigentlich gehen soll. 

Spannung kommt daher nicht auf. Stattdessen wirkt der Streifen zu großen Teilen wie ein Dokumentarfilm über das Nomadenleben in der mongolischen Steppe. 

Trotz des semi-autobiografischen Drehbuchs gelingt es Borchu nur ganz selten, tiefe Emotionen beim Betrachter hervorzurufen. Stattdessen fühlt man sich meist ähnlich verloren, wie es augenscheinlich bei Wessi in der kargen mongolischen Wüste der Fall ist. Daher kann "Schwarze Milch", der dieses Jahr im Rahmen der Berlinale seine Weltpremiere feierte, nicht überzeugen.

Titelfoto: Alpenrepublik

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