"Schwesterlein": Krebskranker schlägt nach Sex auf der Club-Toilette wild um sich

Deutschland - Krebsdrama mit Star-Besetzung! In "Schwesterlein", der am 29. Oktober in den deutschen Kinos startet, stellen die deutschen Schauspieler Lars Eidinger ("Persischstunden") und Nina Hoss ("Pelikanblut") erneut ihr Können unter Beweis. Ob es dem Film geholfen hat, lest Ihr in der folgenden Kritik.

Sven (Lars Eidinger) will es noch einmal wissen und ein letztes Mal als Hamlet auf die Bühne zurückkehren.
Sven (Lars Eidinger) will es noch einmal wissen und ein letztes Mal als Hamlet auf die Bühne zurückkehren.  © Weltkino Filmverleih

Die Zwillinge Lisa (Hoss) und Sven (Eidinger) sind Theatermenschen durch und durch. Sie ist Autorin, er Schauspieler. Obwohl er an einem äußerst hartnäckigen Krebsleiden erkrankt ist, wünscht sich Sven nichts mehr, als wieder auf die Bühne zu können.

Sein guter Freund und langjähriger Regisseur David (Thomas Ostermeier) will die Rolle des "Hamlet" aber nicht mit ihm besetzen, da er fürchtet, dass Sven auf der Bühne zusammenbrechen oder gar sterben könnte.

Lisa dagegen versucht mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, ihren Bruder vor dem fast sicheren Tod zu bewahren, denn durch die Krankheit sind sich die beiden so nah wie nie zuvor gekommen.

Dabei hat sie ganz eigene Probleme: Seit Monaten leidet die Autorin unter einer Schreibblockade. Auch ihre Ehe läuft alles andere als rosig: Wegen ihrem Mann Martin (Jens Albinus) ist sie in ein schweizerisches Provinzdorf gezogen, will aber eigentlich wieder zurück nach Berlin.

Und dann ist da noch Sven und Lisas Mutter Kathy (Marthe Keller), die zu allem ihren Senf dazugeben muss, aber gleichzeitig nicht in der Lage ist, sich um ihren kranken Sohn zu kümmern. Als dessen gesundheitliche Lage immer schlechter wird und ihre eigenen Probleme sie übermannen, droht Lisa an der ihr aufgebürdeten Last zu zerbrechen...

Trailer zu "Schwesterlein" mit Lars Eidinger und Nina Hoss

In "Schwesterlein" können zwar Lars Eidinger und Nina Hoss, nicht aber das Drehbuch überzeugen

Lisa (Nina Hoss) versucht alles, um Svens (Lars Eidinger) Krebsleiden zu heilen.
Lisa (Nina Hoss) versucht alles, um Svens (Lars Eidinger) Krebsleiden zu heilen.  © Weltkino Filmverleih

Ein bisschen scheint sich Lars Eidinger in "Schwesterlein" selbst zu spielen. Zumindest sind die Parallelen zwischen ihm und seiner Figur Sven nicht von der Hand zu weisen.

Beide sind geübte Theaterschauspieler, haben "Hamlet" mehr als 300 Mal an der Berliner Schaubühne gemimt. 

Sogar Regisseur David wird im Streifen von Thomas Ostermeier verkörpert, der Eidinger im echten Leben seit 2008 wiederholt als eben jene berühmte Shakespeare-Figur inszeniert.

Aus diesem eigentlich interessanten Spiel mit Wahrheit und Fiktion hätten die Filmemacherinnen Stéphanie Chuat und Véronique Reymond ("Das kleine Zimmer") einiges herausholen können.

Leider entschieden sich die beiden aber dafür, ein ziemlich vorhersehbares Krebs-Drama zu inszenieren, dessen Drehbuch leider eher uninspiriert daherkommt und wenig Neues bietet.

So blickt man selbst bei einer überschaubaren Lauflänge von 99 Minuten das ein oder andere Mal auf die Uhr und fragt sich, wann denn die Handlung endlich Fahrt aufnimmt.

"Schwesterlein" bietet nur in wenigen Szenen neue Ideen

Regisseur David (Thomas Ostermeier) lehnt Lisas (Nina Hoss) Bitte, Sven noch einmal auftreten zu lassen, ab.
Regisseur David (Thomas Ostermeier) lehnt Lisas (Nina Hoss) Bitte, Sven noch einmal auftreten zu lassen, ab.  © Weltkino Filmverleih

Dabei hätte "Schwesterlein" schon aufgrund der grandiosen Hauptbesetzung einiges an Potenzial gehabt. 

Sowohl Lars Eidinger, als auch Nina Hoss stellen einmal mehr unter Beweis, warum sie zu den Besten in der deutschen Schauspiel-Branche zählen.

Eidinger spielt den krebskranken Sven mal zerbrechlich, dann wieder flippig, am Ende zunehmend verzweifelt. 

Optisch spiegelt sich das in einer Reihe von meistens absichtlich schlecht sitzenden Toupets, bunten Fingernägeln und dessen exzentrischem Spiel wider.

In einer Szene lässt sich Sven, der eine blaue Bob-Perücke samt passender Maniküre trägt, zunächst auf einem Männerklo von einem Unbekannten einen Blowjob geben. 

Als er dann keinen hoch bekommt, rastet er aus, stürmt nach draußen auf eine Bowlingbahn und schlägt wild um sich.

Dabei zählt diese Sequenz neben einem schief laufenden Paragliding-Ausflug noch zu dem Spannendsten, was "Schwesterlein" zu bieten hat.

"Schwesterlein" wirkt über weite Strecken uninspiriert und spröde

Lisa (Nina Hoss) gefährdet für das Wohlergehen ihres Bruders Sven (Lars Eidinger) sogar ihre Ehe.
Lisa (Nina Hoss) gefährdet für das Wohlergehen ihres Bruders Sven (Lars Eidinger) sogar ihre Ehe.  © Weltkino Filmverleih

Die Konflikte von Nina Hoss' Figur Lisa wirken dagegen oft äußerst langatmig und künstlich aufgebläht. 

Insbesondere der Streit mit Martin, der im Verlauf des Streifens immer weiter eskaliert, ist nicht nur unglaubwürdig, sondern vor allem der mangelnden Kommunikation beider Figuren untereinander geschuldet.

Im Mittelpunkt des Dramas steht aber klar Svens Krebsleiden und der damit einhergehende körperliche Zerfall. 

Dieser wird zwar einigermaßen realistisch und in einigen Momenten auch berührend - etwa wenn Lisa ihren schwerkranken Bruder liebevoll in der Badewanne wäscht - dargestellt. 

Dennoch können Stéphanie Chuat und Véronique Reymond dem im Kino bereits zur Genüge behandelten Thema kaum neue Aspekte abgewinnen. So ist der Film auch optisch im einheitlichen Grau gehalten, das wohl die Dramatik der Handlung unterstreichen soll, aber ziemlich ausdruckslos und steril daherkommt. 

"Schwesterlein" ist dank seiner beiden Hauptdarsteller, die auch diesmal überzeugende Leistungen abliefern, einen Blick wert. Dennoch kann das Krebsdrama trotz der guten Ausgangslage kaum fesseln und lässt nur selten Mitgefühl für die Figuren aufkommen. 

Titelfoto: Weltkino Filmverleih

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