"Sundown - Geheimnisse in Acapulco": Blutiges Drama im Sommeridyll!

Deutschland - Ein Familienurlaub artet in Gewalt aus! "Sundown - Geheimnisse in Acapulco" ist am 9. Juni in den deutschen Kinos gestartet und kann nicht vollends überzeugen. Die TAG24-Filmkritik.

Alice (Charlotte Gainsbourg, 50, l.) versteht sich gut mit ihrem schweigsamen Bruder Neil (Tim Roth, 61, r.).
Alice (Charlotte Gainsbourg, 50, l.) versteht sich gut mit ihrem schweigsamen Bruder Neil (Tim Roth, 61, r.).  © Ascot Elite Entertainment

Acapulco, Mexiko, ist ein Magnet für Touristen aus aller Welt. Auch Alice (Charlotte Gainsbourg, 50) und Neil Bennett (Tim Roth, 61), zwei schwerreiche Briten, sowie die zwei Kinder der Dame lassen in einem luxuriösen Hotel die Seele baumeln.

Jeden Wunsch liest man ihnen von den Lippen ab. Dieses künstliche Paradies wird gestört, als Alice ein schockierender Anruf erreicht: Ihre Mutter ist gestorben!

Alle rasen überstürzt zum Flughafen, bis auf Neil, der zerknirscht zugibt, seinen Reisepass im Hotel vergessen zu haben. Er komme sofort nach, verspricht er.

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In Wahrheit lässt sich Neil in ein vollkommen anderes, günstiges Hotel fahren. Dort steckt er die Füße in den Sand, schaltet sein Handy aus und bandelt mit der schönen, jungen Berenice (Iazua Larios) an. Mit seinem Reichtum hält er nicht hinterm Berg.

Hier ist das "echte" Acapulco, doch es hat auch eine tödliche Seite: Vor Neils Augen wird mitten am Tag an einem Strand ein Mann hinterrücks erschossen, die Mörder können unbehelligt fliehen. Doch selbst das kann den apathischen Neil nicht vertreiben, ein Geheimnis hält ihn hier.

Erst als die fuchsteufelswilde Alice nach Acapulco zurückkehrt und ihn zur Rede stellt, überschlagen sich die Ereignisse und es kommt zur Tragödie ...

Deutscher Trailer zu "Sundown - Geheimnisse in Acapulco" mit Tim Roth und Charlotte Gainsbourg

Mit "Sundown" kann Michel Franco einfach nicht überzeugen

Zum mysteriösen Neil (Tim Roth, 61) werden manche Zuschauende einfach keinen Zugang finden können.
Zum mysteriösen Neil (Tim Roth, 61) werden manche Zuschauende einfach keinen Zugang finden können.  © Ascot Elite Entertainment

Der Trailer zu Sundown teasert kluges, vielschichtiges Kino an, hält sich bedeckt und wirkt deswegen umso interessanter. Auch die ersten Szenen machen einem zunächst Lust auf mehr.

Der mexikanische Regisseur Michel Franco (42, "New Order") erschafft in trügerisch ruhigen und hellen Aufnahmen den Kontrast zwischen dem Tourismus-Idyll und dem realen, blutigen Acapulco.

Manche Szenebilder könnten direkt aus einem Reisekatalog stammen und wirken deshalb neben all der Gewalt und surrealen Aufnahmen umso schöner und verstörender. Leider können diese Pluspunkte nicht von offensichtlichen Drehbuch-Schwächen ablenken.

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Sämtliche Nebenfiguren sowie vor allem die zwei Hauptfiguren leiden darunter, weil sie zu halbherzig herausgearbeitet wurden. Neils geheimnisvolle Aura, die Tim Roth ("Bergman Island") zu erzeugen versucht, verpufft allmählich in Langeweile, weil Zuschauende einfach keinen Zugang zu seiner Figur finden.

Auch Charlotte Gainsbourg ("In Therapie"), deren großes schauspielerisches Können man genau wie bei Roth immer mal wieder aufblitzen sieht, kann dieses Manko nicht ausreichend kompensieren. Darüber hinaus wird das eigentlich bedächtige, melancholische Erzähltempo stellenweise immer lähmender.

Man ahnt, wo der Hund begraben liegt: Indem Franco die Geheimnisse und wahren Gefühle seiner Figuren fast bis zum Schluss zurückhält, kann kaum Mitgefühl aufkommen. Und so verfehlen spätere Plot-Twists und tragische Entwicklungen die Wirkung, die sie andernfalls hätten haben können.

Englischer Originaltrailer zu "Sundown" von Michel Franco

In "Sundown" steckt trotz seiner Schwächen einiges an Sozialkritik

Was die deutlich jüngere Berenice (Iazua Larios, r.) wohl am wortkargen Neil attraktiv findet?
Was die deutlich jüngere Berenice (Iazua Larios, r.) wohl am wortkargen Neil attraktiv findet?  © Ascot Elite Entertainment

Diese Schwächen frustrieren sehr, weil in "Sundown - Geheimnisse in Acapulco" so viel Potenzial steckt, das auch positive Stimmen weckt. Genau wie in früheren, manchmal umstrittenen Filmen wie "New Order" mischt Franco eine gehörige Portion Sozialkritik in das Familiendrama.

Diesmal liegt der Fokus auf vermögenden Touristen, die mit ihrem Kommen Acapulco in zwei Parallelwelten aufteilen - die reichen Ausländer in der einen, die Mexikaner in der anderen.

Clever dreht Franco diese Ungerechtigkeit um, als Neil seine schützende Blase verlässt, sein sorgloses Verhalten jedoch nicht anpasst, obwohl er die allmähliche Gefahr immer mehr anzieht. Es ist kein Zufall, dass Franco diese Geschichte ausgerechnet im von Drogenkrieg geplagten Acapulco ansiedelt.

Die Stadt ist einer der gefährlichsten Orte der Welt mit einer entsetzlich hohen Mordrate. Vor allem der Ablauf der Strand-Tötung wirft sofort Parallelen zu einem vergleichbaren Fall vor nicht einmal einem Monat in Kolumbien auf. Diese Ähnlichkeiten gliedern sich in Sundown leise und subtil in den Hintergrund ein, vor dem sich das Bennett-Drama entfaltet.

Zusammengenommen handelt es sich bei Francos neuestem Werk um ein melancholisches Familiendrama, das in täuschend ruhigen Tönen solide Sozialkritik übt und viel Potenzial besitzt, das aber wegen oberflächlichen Charakterisierungen leider auf der Strecke bleibt. Daran können selbst Gainsbourg und Roth nichts ändern. Schade!

Titelfoto: Ascot Elite Entertainment

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