"The Father": Demenzkranker Mann treibt seine Tochter an ihre Grenzen!

Deutschland - Einer der besten Filme des Jahres! Im sechsfach "Oscar"-nominierten Drama "The Father", das bald in den deutschen Kinos anlaufen soll, überragt Sir Anthony Hopkins (83) als demenzkranker Vater, der seine Umgebung immer verwirrter wahrnimmt.

Anne (Olivia Colman, l.) kümmert sich rührend um Anthony (Anthony Hopkins), geht dabei aber an ihre physischen und psychischen Grenzen.
Anne (Olivia Colman, l.) kümmert sich rührend um Anthony (Anthony Hopkins), geht dabei aber an ihre physischen und psychischen Grenzen.  © PR/TOBIS Film GmbH

Der "Academy Award"-Preisträger spielt Anthony, der in London in seiner eigenen Wohnung lebt und jegliche Hilfe durch eine Pflegerin ablehnt.

Seine Tochter Anne (Olivia Colman) kümmert sich schon seit einiger Zeit rührend um ihn, kann diesen Aufwand aber nicht mehr betreiben, weil sie einen Mann namens Paul (Rufus Sewill) kennengelernt hat und nach Paris ziehen will.

Das verstört den älteren Herren, der Anne fragt: "Was soll nur aus mir werden?" Er fühlt sich im Stich gelassen. Mit der Zeit werden seine Gedankensprünge immer offensichtlicher: Ist Paul der Freund von Anne? Oder Bill (Mark Gatiss)? Wer ist seine Pflegerin? Laura (Imogen Poots) oder eine andere Frau (Olivia Williams)?

Durch die fortschreitende Demenz werden Anthonys Gedanken zusehends fahriger, was er auch selbst immer wieder mit Schrecken bemerkt. So ändert sich seine Stimmung teilweise schlagartig, weil er schon wieder vergessen hat, was wenige Sekunden zuvor passiert ist. Das ist für ihn besonders bitter, hatte er doch eigentlich ein "Elefantengedächtnis", war stolz auf dieses und auf seine Klugheit.

Eben jene scheint auch immer wieder durch. In anderen Momenten weiß er dann jedoch nicht mal mehr, wie er seine Weste anziehen muss oder wo genau er ist. Für Anne ist das eine große körperliche und seelische Bürde, die sie alleine nicht tragen kann. Was soll sie nur mit ihrem geliebten Vater machen?

Deutscher Trailer zum "Oscar"-Favoriten "The Father" mit Anthony Hopkins und Olivia Colman

"The Father" ist dank seiner Storyführung und Feinfühligkeit einer der besten Filme des Jahres!

Regisseur Florian Zeller (41) hat mit "The Father" ein zeitloses Meisterwerk geschaffen, das ein schwieriges Thema hintergründig behandelt und Anthony Hokpins (83) ein Denkmal setzt.
Regisseur Florian Zeller (41) hat mit "The Father" ein zeitloses Meisterwerk geschaffen, das ein schwieriges Thema hintergründig behandelt und Anthony Hokpins (83) ein Denkmal setzt.  © PR/TOBIS Film GmbH

Diese zutiefst bewegende Geschichte hat Regisseur Florian Zeller (Drehbuch zu "Verliebt in meine Frau") grandios umgesetzt. Ihm ist auch dank des Weltklasse-Skripts ein emotional aufwühlendes Meisterwerk gelungen, das noch lange nachhallt.

Das liegt auch am ganz eigenen Stil. Die Handlung folgt nämlich den verworrenen Gedankengängen von Anthony, weshalb der Zuschauer alles aus seiner Perspektive wahrnimmt und so ein sehr gutes Verständnis für diese grausame Krankheit entwickelt, falls er es nicht durch eigene Erfahrungen im Familien- oder Freundeskreis schon vorher hatte.

Mit etwas weniger Feinschliff, Planung und Details hätte diese Art der Storyführung leicht schiefgehen können. Doch Zeller gelingt mithilfe des genialen Schnitts das Kunststück, seinen Film trotz der Sprünge verständlich zu gestalten und ihn auszubalancieren, sodass das Publikum nie den Überblick verliert, sondern sich viel mehr mit den Protagonisten identifiziert.

Das ist eine der größten Stärken von "The Father": Er weckt Mitgefühl und zieht einen emotional voll in diese außergewöhnliche und dennoch universelle Handlung hinein. So werden die Zuschauer auf einer tieferliegenden Ebene erreicht und durch die kraftvolle sowie herzzerreißende Handlung, die ungeschönt daherkommt, aber nie zu hart ist, vollends mitgerissen. Denn auch hier hat Zeller die Ausgewogenheit gefunden.

Sein Film steht und fällt natürlich mit den Leistungen der Schauspieler - und die schaffen es, ihn auf ein noch höheres Level zu hieven! Allen voran die Legende schlechthin: Sir Anthony Hopkins (83, "Das Schweigen der Lämmer", "Hitchcock", "Westworld").

Die fortschreitende Krankheit setzt Anthony (Anthony Hopkins, 83) immer stärker zu.
Die fortschreitende Krankheit setzt Anthony (Anthony Hopkins, 83) immer stärker zu.  © PR/TOBIS Film GmbH

Er hat es einfach drauf: Anthony Hopkins zeigt in "The Father" eine Meisterleistung!

Sir Anthony Hopkins (83) zeigt in "The Father" eine der besten Leistungen seiner gesamten Karriere und hat sich seine "Oscar"-Nominierung redlich verdient!
Sir Anthony Hopkins (83) zeigt in "The Father" eine der besten Leistungen seiner gesamten Karriere und hat sich seine "Oscar"-Nominierung redlich verdient!  © PR/TOBIS Film GmbH

Es ist zutiefst beeindruckend, wie sich der Weltstar in den Geist eines demenzkranken Menschen hineinfühlt und die Entwicklung seines Protagonisten mit all ihren komplexen Facetten vollumfänglich verkörpert.

Er ist der Mittelpunkt des berührenden Dramas, trägt und erdet es zugleich, zeigt eine der besten Leistungen seiner jahrzehntelangen Weltkarriere.

Hopkins darf seine herausragenden Qualitäten hier nämlich ausspielen. Seine berühmten taxierenden Blicke mit seinen strahlend hellblauen Augen, seine ambivalente körperliche Präsenz, sein ausdrucksstarkes Gesicht und seine Vielseitigkeit kommen voll zur Geltung und machen "The Father" zu einem großen Erlebnis.

Wenig verwunderlich, dass er für den "Academy Award" als bester männlicher Hauptdarsteller nominiert und bereits siebenmal (unter anderem mit dem BAFTA) für seine erneute Meisterleistung ausgezeichnet wurde.

An seiner Seite brilliert auch Colman (47, "The Favourite - Intrigen und Irrsinn", "The Crown", "Broadchurch"). Die "Oscar"-Preisträgerin arbeitet den Zwiespalt ihrer Protagonistin glaubwürdig heraus und agiert in ihren Szenen auf Augenhöhe mit Hopkins - und das will schon etwas heißen! Deshalb ist auch ihre Nominierung für den "Academy Award" (als beste Nebendarstellerin) folgerichtig.

Anthony Hopkins wurde für seine Performance in "The Father" mit dem BAFTA ausgezeichnet

Englischer Originaltrailer zu "The Father" mit Anthony Hopkins und Olivia Colman

Wer "The Father" emotional aushalten kann, der sollte sich das Weltklasse-Drama unbedingt angucken!

"Oscar"-Gewinnerin Olivia Colman (47) porträtiert die Zerrissenheit ihrer Figur Anne auf subtile Weise.
"Oscar"-Gewinnerin Olivia Colman (47) porträtiert die Zerrissenheit ihrer Figur Anne auf subtile Weise.  © PR/TOBIS Film GmbH

Sie werden von der Kamera allerdings auch exzellent in Szene gesetzt. Ben Smithard ("Downton Abbey", "My Week with Marilyn", "The Damned United"), der mit Hopkins schon beim TV-Film "King Lear" (2018) zusammenarbeitete, weiß ganz genau, wie er dessen Stärken betonen kann.

Auch dank seines cineastischen Auges funktioniert "The Father" hervorragend. Zum filmischen Triumphzug tragen ebenso die Locations bei, die fast schon eine eigene Figur sind. Denn sie verändern sich regelmäßig und sorgen bei Anthony für zusätzliche Unruhe, weil für ihn beispielsweise ein Bild gerade noch da war, im für ihn nächsten Moment aber verschwunden ist.

Die detaillierte Ausstattung, das großartige Szenebild, die erstklassigen Kostüme und die gefühlvolle Musikuntermalung fügen sich nahtlos in dieses zeitlose Meisterwerk ein, das eine dichte Atmosphäre kreiert, viele exzellente, da geschliffene Dialoge hat und mit seiner eminent wichtigen Geschichte zutiefst bewegt.

Deshalb ist "The Father" einer der besten Filme der vergangenen Jahre geworden. Die emotionale Wucht der Story, der unverwechselbare eigene Stil, die grandiose Leistungen der Darsteller und die taktvolle Inszenierung einer schweren Krankheit reißen vollends mit. Gemeinsam vermitteln sie den Zuschauern ein Verständnis dafür, wie sich demenzkranke Menschen fühlen.

Titelfoto: PR/TOBIS Film GmbH

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