"The Second Life": Warum diese Männer Tieren die Haut abziehen

Deutschland - Bei diesem Thema braucht man wirklich einen starken Magen! Am 21. April startet mit "The Second Life" eine Dokumentation in den deutschen Kinos, die Menschen mit einem speziellen Hobby in den Fokus rückt: dem Ausstopfen von Tieren. Was dahintersteckt, lest Ihr in der TAG24-Filmkritik.

Der italienische Museumsmitarbeiter Maurizio bereitet einen Orang-Utan auf das Ausstopfen vor.
Der italienische Museumsmitarbeiter Maurizio bereitet einen Orang-Utan auf das Ausstopfen vor.  © Thurnfilm

Millionen Arten stehen kurz vor dem Aussterben. Häufig werden Restbestände nur noch in Zoos lebendig gehalten. Tierschutz? Für die meisten wohl eine der naheliegenden Gegenmaßnahmen.

Bedrohte Spezies ausweiden und ihnen die Haut abziehen? Das wohl weniger.

Und doch ist der Tierschutz eines der Hauptanliegen für drei Museumsangestellte in Europa, wenn sie Orang-Utans, Adler und Tiger ausstopfen. So wird den Arten noch lange nach ihrem Tod eine Stimme verliehen.

Nebenbei ist die Taxidermie, so nennt sich das Ausstopfen offiziell, eine regelrechte Kunst. Und in dieser messen sich Maurizio, Robert und Christophe anlässlich der Europäischen Taxidermie-Meisterschaft 2018.

Nicht nur, um herauszufinden, wer das Handwerk am besten beherrscht - sondern auch, um uns davor zu warnen, was wir für immer zu verlieren drohen...

Trailer zu "The Second Life" von Regisseur Davide Gambino

"The Second Life" beleuchtet ein bekanntes Thema auf ungewöhnliche Weise

So lebensecht können Tierpräparate am Ende aussehen.
So lebensecht können Tierpräparate am Ende aussehen.  © Thurnfilm

Der italienische Regisseur Davide Gambino verpackt ein ziemlich unappetitliches Thema in einer Dokumentation, die sowohl poetisch als auch lehrreich ausfällt. Das Werk sorgt für Denkanstöße und schreckt auch nicht vor Selbstkritik zurück.

Ein Highlight von "The Second Life" besteht nämlich in der unverwechselbaren Stimme von Katharina Thalbach, die für das tote Orang-Utan-Weibchen spricht, das von Maurizio ausgestopft wird.

Sie erzählt ihre Lebensgeschichte, untergräbt und hinterfragt aber auch Menschen, die für sie sprechen wollen.

Letztere wiederum sind selbst als Berufsstand vom Aussterben bedroht. Da wäre Maurizio, der 40 Jahre Erfahrung, aber noch keinen Nachfolger gefunden hat.

Oder Robert, der den dramatischen Rückgang von Vogelarten schildert. Christophe wiederum brennt für die Taxidermie, weil er sich damit künstlerisch ausdrücken kann.

Experten unter sich (v.l.n.r.): der extravagante Christophe, der erfahrene Maurizio und der preisgekrönte Robert.
Experten unter sich (v.l.n.r.): der extravagante Christophe, der erfahrene Maurizio und der preisgekrönte Robert.  © Thurnfilm

"The Second Life": Ein kontroverser Beruf mit viel Leidenschaft

Geht es hier um Respekt gegenüber Tieren oder doch um die Eitelkeit der Menschen?
Geht es hier um Respekt gegenüber Tieren oder doch um die Eitelkeit der Menschen?  © Thurnfilm

Sie alle verbindet die Leidenschaft für das Konservieren der einzelnen Tiere, die sie manchmal auch persönlich in Zoos kennengelernt haben, wie auch der Natur im Ganzen.

Und so werden Präparate ausgestellt, damit bedrohte Gattungen wirklich hautnah mitzuerleben sind - wenn auch bewegungslos und weitab ihres normalen Lebensraums.

Dass der Weg bis dahin ganz schön blutig ist und einige unschöne Szenen bereithält, gehört nun einmal dazu.

Wie viel Respekt dabei wirklich eine Rolle spielt, wird heftig debattiert. Die Doku bemüht sich trotzdem darum, den menschlichen und tierischen Protagonisten gerecht zu werden.

Zusammengefasst ist "The Second Life" eine rundum gelungene Dokumentation geworden, die das Thema Tierschutz auf ungewöhnliche Weise behandelt. Sehenswert!

Titelfoto: Thurnfilm

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