"Underground Railroad" auf Amazon Prime: "N***er sind hier weder erlaubt noch geduldet"

Deutschland - Auf diese Serie haben alle gewartet: Oscar-Preisträger Barry Jenkins (41) verfilmt mit "The Underground Railroad", ab 14. Mai auf Amazon Prime Video zu sehen, den gleichnamigen Bestseller und setzt dabei neue Maßstäbe.

Zusammen mit Caesar (r., Aaron Pierre) träumt Cora (Thuso Mbedu) von einem besseren Leben in Freiheit.
Zusammen mit Caesar (r., Aaron Pierre) träumt Cora (Thuso Mbedu) von einem besseren Leben in Freiheit.  © PR/ Amazon Prime Video

Ein Mann wird bei lebendigem Leib verbrannt, weil er es gewagt hatte, zu fliehen. Sein Besitzer Terrance Randall (Benjamin Walker, "Abraham Lincoln Vampirjäger") diniert wenige Meter von ihm entfernt. "Ein Mensch und ein N***er sind zwei völlig unterschiedliche Dinge", erklärt er seinem Tischnachbarn.

Für Cora (Thuso Mbedu, "Generations: The Legacy") ist es genau der Moment, in dem sie sich dafür entscheidet, der Sklavenhölle in Georgia entkommen zu wollen. Ihr Freund Caesar (Aaron Pierre) kennt einen Ausweg: "The Underground Railroad", ein Fluchthilfe-Netzwerk, das sich noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aktiv für die Befreiung von Leibeigenen einsetzt.

In der Dunkelheit der Nacht brechen beide auf, mit nichts als ihren Kleidern am Leib, in der Hoffnung auf ein besseres Leben.

Schnell müssen sie feststellen, dass sie von dem Sklavenjäger Ridgeway (Joel Edgerton, "Red Sparrow") verfolgt werden, der für seine hundertprozentige Trefferquote berüchtigt ist.

Der Weg nach Norden, den Cora bald allein bestreiten muss, ist steinig. Auch wenn sie nicht mehr als Sklavin unterjocht wird, so ist sie doch nirgendwo willkommen und ständig auf der Flucht. Während in South Carolina perverse Experimente an Schwarzen durchgeführt werden, werden sie in North Carolina direkt getötet. Doch Hoffnung auf ein besseres Leben bleibt...

Trailer zu "The Underground Railroad" mit Thuso Mbedu und Aaron Pierre

"The Underground Railroad": Regisseur Barry Jenkins bleibt seinen Stil treu

Sklavenjäger Ridgeway (r., Joel Edgerton) und sein elfjähriger afroamerikanischer Handlanger Homer (Chase W. Dillon) sind Cora auf den Fersen.
Sklavenjäger Ridgeway (r., Joel Edgerton) und sein elfjähriger afroamerikanischer Handlanger Homer (Chase W. Dillon) sind Cora auf den Fersen.  © PR/ Amazon Prime Video

Barry Jenkins hat bereits mit seinen Oscar-prämierten Filmen "Moonlight" und "If Beale Street Could Talk" bewiesen, dass er zu den spannendsten Regisseuren gehört, die Hollywood derzeit zu bieten hat.

Mit "The Underground Railroad", wo er Regie geführt und das Drehbuch verfasst hat, gelingt ihm nun auch der Sprung von der großen Leinwand auf den heimischen Fernseher.

Dabei bleibt Jenkins seinem Stil treu: Immer wieder schwenkt die Kamera über die atemberaubende Landschaft im Süden Amerikas, die durch das gleißende Licht fast unwirklich erscheint.

Darüber legen sich die Streicher von Komponist Nicholas Britell, mit dem Jenkins schon mehrfach zusammengearbeitet hat.

Im Kontrast dazu stehen die Sequenzen, in denen Gewalt und Missbrauch gezeigt wird. Eine der eindringlichsten ist sicherlich der Moment, als Cora in North Carolina ankommt: An den Bäumen am Wegesrand hängen unzählige Leichen.

"N***er sind hier weder erlaubt noch geduldet", erklärt ihr Retter Martin (Damon Herriman). Also werden sie hingerichtet.

"The Underground Railroad": Thuso Mbedu brilliert in der Rolle der Cora

Cora (Thuso Mbedu) muss auf ihrer Reise viel Leid mitansehen.
Cora (Thuso Mbedu) muss auf ihrer Reise viel Leid mitansehen.  © PR/ Amazon Prime Video

Immer wieder gibt es derart drastische Szenen, denn Brutalität gehört zum Alltag der schwarzen Bevölkerung im 19. Jahrhundert. Dennoch überspannt Jenkins den Bogen nicht, verzichtet auf Gewalt- und Blutexzesse.

Glaubwürdig und mitreißend wird "The Underground Railroad" auch dank der großartigen Schauspieler, allen voran Thuso Mbedu in der Rolle der Cora. Allein mit ihren Augen gelingt es Mbedu, das Gefühlsleben ihres Charakters auf eindrückliche Art wiederzugeben.

Mit insgesamt zehn Episoden und einer durchschnittlichen Lauflänge von 70 Minuten pro Folge ist "The Underground Railroad" nicht gerade zum Bingen geeignet.

Auch die Gewaltszenen wollen zwischendurch verdaut werden und das Gezeigte bietet genug Stoff, um auch nach dem Abspann, der jedes Mal von einem anderen Hip-Hop- oder Soul-Song begleitet wird, noch darüber nachzudenken.

Zusammengenommen ist "The Underground Railroad" schwere Kost, die sicherlich eher weniger für einen entspannten Nachmittag auf der Couch geeignet ist. Dennoch ist sie schon jetzt einer der wichtigsten Serien des Jahres, ein Muss für jeden Serien-Fan und ganz großes Kino für Zuhause.

Titelfoto: PR/ Amazon Prime Video

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