"Unser Boden, unser Erbe": "Zu viele Menschen, die davon leben, alles zu zerstören"!

Deutschland - Die richtige Doku zur richtigen Zeit! "Unser Boden, unser Erbe", der am 8. Oktober in den deutschen Kinos startet, beschäftigt sich mit gleich mehreren komplexen Themen.

Demeter-Landwirt Achim Heitmann erklärt eindrücklich seine Arbeit, die damit einhergehenden Probleme, Sorgen und warum er seinen Job dennoch liebt.
Demeter-Landwirt Achim Heitmann erklärt eindrücklich seine Arbeit, die damit einhergehenden Probleme, Sorgen und warum er seinen Job dennoch liebt.  © PR/ W-film / Tisda Media

Im Fokus steht dabei der Erdboden, auf dem wir wandeln und was er für das Leben und Überleben aller Geschöpfe, also auch der Menschen, bedeutet. 

Der Dokumentarfilm verdeutlicht zu Beginn die große Wichtigkeit von Humus. Ist dieser vorhanden, nimmt ein Boden mehr Wasser auf und hält es dort. Das hat weniger Überschwemmungen und andere Umweltkatastrophen zur Folge. 

Allerdings ist der Umgang mit ihm in den vergangenen Jahrzehnten äußerst problematisch. Sein Anteil hat durch menschliche Bewirtschaftung in den vergangenen Jahrzehnten rapide abgenommen. 

So erklärt Mathias Forster, Geschäftsführer der Bio-Stiftung Schweiz, ernüchtert: "Wir haben in den letzten 70 Jahren zwischen 30 und 50 Prozent Humus verloren. Also wird auch weniger CO2 im Boden gebunden."

Dabei ist es dort nützlich und hilfreich für das Wachstum der Pflanzen, während es an der Oberfläche zum Klimawandel beiträgt. Das ist jedoch nur eine von vielen Aufgaben, denen sich die Menschheit in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in dieser Hinsicht stellen muss.

"Unser Boden, unser Erbe" macht außerdem deutlich, dass schnellstmöglich ein Umdenken stattfinden muss und nennt dabei Fakten, die nicht von der Hand zu weisen sind. So hatte Deutschland seinen Erdüberlastungstag im Jahr 2019 bereits im Mai! Die folgenden Monate wurden dann Ressourcen der kommenden Generationen verbraucht. Diese sind aber endlich, weshalb der verschwenderische Lebensstil auf Dauer nicht gut gehen kann und wird.

Trailer zu "Unser Boden, unser Erbe" von Regisseur Marc Uhlig

Ex-SPD-Politiker Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker redet sich in "Unser Boden, unser Erbe" in Rage!

Bei dieser Sonnenuntergangs-Idylle kann man die Sorgen rund um die Landwirtschaft schon einmal für ein paar Augenblicke vergessen.
Bei dieser Sonnenuntergangs-Idylle kann man die Sorgen rund um die Landwirtschaft schon einmal für ein paar Augenblicke vergessen.  © PR/ W-film / Tisda Media

Ein Problem sieht der frühere SPD-Politiker Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker in der Herangehensweise. Die Konstrukte von Religionen und philosophischen Ansätzen entstanden in einer leeren Welt, in der deutlich weniger Menschen lebten, also vor der Globalisierung. 

Wir leben mittlerweile aber bekanntlich in einer vollen Welt und dort sind diese Ansätze destruktiv. Deshalb redet sich der 81-Jährige im Interview nach und nach in Rage: "Wir haben viel zu viele Menschen, die davon leben, alles zu zerstören. Da bleibt nichts mehr übrig!" Deshalb befänden wir uns in "einer tiefen philosophischen Krise" und müssen uns andere Lösungsmöglichkeiten überlegen. 

Diese Passage mit Weizäckers mahnenden Aussagen gehört zu den eindringlichsten dieser exzellenten Doku, die viele Experten aus unterschiedlichsten Feldern zu Worte kommen lässt, weshalb sie ausgewogen daherkommt und es dem Zuschauer überlässt, sich selbst ein Bild zu machen.

Dennoch vertritt sie durch die Interviewpartner auch den Standpunkt, dass sich viele Sachen in der Politik und Wirtschaft dringend ändern müssen, bevor es irgendwann zu spät ist.

Die Erde ist der Quell des Lebens und laut einer Interviewpartnerin das "letzte Paradies auf Erden".
Die Erde ist der Quell des Lebens und laut einer Interviewpartnerin das "letzte Paradies auf Erden".  © PR/ W-film / Tisda Media

"Unser Boden, unser Erbe" alarmiert und regt zu Diskussionen über Nachhaltigkeit an

Demeter-Landwirt Achim Heitmann hat Spaß bei der Arbeit, sorgt sich aber um ihre und damit seine eigene Zukunft.
Demeter-Landwirt Achim Heitmann hat Spaß bei der Arbeit, sorgt sich aber um ihre und damit seine eigene Zukunft.  © PR/ W-film / Tisda Media

Die Hauptrolle spielt der nachdenkliche Demeter-Landwirt Achim Heitmann, der beispielhaft für seinen Berufszweck steht. Er berichtet von den schönen Seiten seines Jobs, aber auch den Sorgen.

Heutzutage ist der Aufwand, um eine gute Ernte zu erzielen, nämlich viel höher als noch vor einigen Jahrzehnten, wie er von vielen befreundeten und älteren Landwirten weiß. Zu Recht fragt er sich: Wie soll das erst in zehn Jahren aussehen? 

All diese Aspekte beleuchtet "Unser Boden, unser Erbe" vielschichtig und reichhaltig, sodass die Zuschauer einen großen Mehrwert haben und die vielen komplexen Zusammenhänge anschließend besser verstehen können. Das wiederum regt zu Diskussionen und zum Überdenken des eigenen Lebensstils an.

Daran haben auch klug eingespielte kurze Passagen (die vor der Corona-Zeit aufgenommen wurden) ihren Anteil. In ihnen blickt man auf überfüllte Autobahnen sowie Innenstädte und sieht überall Menschen mit Plastiktüten herumlaufen. Diese eindrücklichen Aufnahmen machen betroffen und sprechen für sich selbst.

Deshalb ist "Unser Boden, unser Erbe" ein starker Dokumentarfilm geworden, der sein Publikum weiterbildet, Fakten und persönliche Erfahrungen gekonnt miteinander mischt und deshalb sehenswert ist.

Titelfoto: PR/ W-film / Tisda Media

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