"Wir beide": Schlimmer Liebesstreit führt zu schwerem gesundheitlichen Schock!

Deutschland - Bewegendes Drama! "Wir beide" läuft am 6. August in den deutschen Kinos an und überzeugt mit einer emotionalen Geschichte um Liebe, Aufopferung, Krankheit und die Härte des Lebens.

Madeleine Girard (l., Martine Chevallier) und Nina Dorn (Barbara Sukowa) haben ihre innige Liebesbeziehung über Jahrzehnte hinweg verheimlicht.
Madeleine Girard (l., Martine Chevallier) und Nina Dorn (Barbara Sukowa) haben ihre innige Liebesbeziehung über Jahrzehnte hinweg verheimlicht.  © PR/Paprika Films

Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen, zwischen denen sich schon früh, als sie noch Kinder waren, eine enge Zuneigung füreinander entwickelte. Auch Jahrzehnte später sind Madeleine Girard (Martine Chevallier) und Nina Dorn (Barbara Sukowa) mehr als nur beste Freundinnen.

Die beiden sind heimlich ein Paar und träumen davon, gemeinsam nach Rom zu ziehen und ihr restliches Leben dort zu genießen. Das Problem: Madeleines Familie weiß nichts davon. 

Ihr Mann starb vor einiger Zeit, dennoch brachte sie es nicht übers Herz, ihrer Tochter Anne (Léa Drucker) und ihrem Sohn Frédéric (Jérôme Varanfrain) ihre wahren Gefühle zu offenbaren.

Das will sie nun an ihrem Geburtstag nachholen. Doch erneut traut sie sich nicht. Das liegt auch an Fred, der ihr vorwirft, ihren Mann nie geliebt zu haben. Das trifft Madeleine hart. Zusätzlich macht sie sich Vorwürfe, weil sie Nina anlügt.

Als die jedoch herausfindet, dass Madeleines Kinder weiterhin ahnungslos sind, kommt es zu einem heftigen Streit, bei dem Nina ihr vorwirft, "erbärmlich" zu sein. Das ist zu viel für die alte Dame. Ihre innere Zerrissenheit und die zusätzliche Aufregung führen zu einem schweren Schlaganfall, nach dem Madeleine nicht mehr dieselbe ist.

Sie überlebt, ist aber stark eingeschränkt, kann anfangs gar nicht mehr laufen und sprechen. Nina darf aber nicht bei ihr sein, weil Madeleines Kinder mit Muriel (Muriel Benazeraf) eine Pflegerin einstellen, die immer auf sie aufpasst. Doch Nina findet Mittel und Wege, sich in die Wohnung zu schleichen und wertvolle Momente mit ihrer Gefährtin zu genießen. Dabei riskiert sie allerdings, dass ihr deren Kinder auf die Schliche kommen...

Deutscher Trailer zu "Wir beide" mit Barbara Sukowa und Martine Chevallier

"Wir beide" ist eine Filmperle mit Tiefgang

Anne (l., Léa Drucker) ahnt nichts von der wahren Liebe ihrer Mutter Madeleine Girard (Martine Chevallier).
Anne (l., Léa Drucker) ahnt nichts von der wahren Liebe ihrer Mutter Madeleine Girard (Martine Chevallier).  © PR/Paprika Films

Diese Geschichte hat Filippo Meneghetti bei seinem Langspielfilmdebüt mit viel Feingefühl umgesetzt und dank seiner ausgewogenen Machart einen großartigen Independent-Film erschaffen, der vollends mitreißt.

Das liegt auch am intelligenten Drehbuch, das eine gesunde Mischung aus ruhigen Szenen voller Intimität und klug eingesetzten emotionalen Ausbrüchen findet. Dass dies so gut gelingt, hängt auch mit dem flüssigen Schnitt zusammen, durch den man der Handlung sehr gut folgen kann. 

Aus diesem erstklassigen Zusammenspiel heraus entsteht eine fesselnde Spannungskurve, die das Publikum trotz der ruhigen Erzählweise von Anfang bis Ende in ihren Bann zieht.

Die subtile Charakterentwicklung ist dafür ein weiterer Grund. Ein grundlegendes Verständnis für das Leben und die Motive der Figuren hat man von Beginn an.

Puzzleteilartig werden im Verlauf des 95 Minuten langen Films auch die Hintergründe der beiden Hauptprotagonistinnen beleuchtet, weshalb das Identifikationspotenzial stetig steigt. Dadurch kann man ihre Handlungen besser nachvollziehen.

Deshalb strahlt das Drama von innen heraus und kommt kraftvoll daher, was sich auf die Zuschauer überträgt. So verfolgt man das Geschehen durchgehend mit einer gewissen Faszination.

Madeleine Girard (l., Martine Chevallier) und Nina Dorn (Barbara Sukowa) gehen seit Jahrzehnten zusammen durch dick und dünn.
Madeleine Girard (l., Martine Chevallier) und Nina Dorn (Barbara Sukowa) gehen seit Jahrzehnten zusammen durch dick und dünn.  © PR/Paprika Films

Barbara Sukowa und Martine Chevallier überragen in "Wir beide"

Barbara Sukowa zeigt als Nina Dorn eine exzellente Leistung und füllt ihre vielschichtige Figur voll aus.
Barbara Sukowa zeigt als Nina Dorn eine exzellente Leistung und füllt ihre vielschichtige Figur voll aus.  © PR/Paprika Films

Das hängt auch mit der erkennbar großen Liebe der Macher zu ihrem Projekt zusammen. Ihr künstlerischer Anspruch ist hoch. Eine Szene ist dafür ein perfektes Beispiel. 

In dieser unterhält sich Nina mit Anne. Während der geschliffene Dialog zwischen ihnen weiterläuft, zoomt die Kamera an Madeleines ausdrucksstarkes Gesicht heran, bis man ihre hin und herwandernden Augen aus nächster Nähe betrachten kann. Sie hört ganz genau zu und beobachtet die Sprechenden dabei. 

In Verbindung mit der mimischen Glanzleistung von Chevallier weckt diese Detailaufnahme starke Emotionen beim Zuschauer, weil es eine wichtige zwischenmenschliche Sequenz ist. Auch der Rest des Films überzeugt auf ganzer Linie.

Einen Anteil daran hat die starke Chemie zwischen Sukowa ("Hannah Arendt", "Lola", "Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen") und Chevallier ("Mozart", "Kein Sterbenswort", "Leb wohl, meine Königin!"), die alle Facetten ihrer Charaktere brillant herausarbeiten. 

Ihre Leistungen erzeugen eine packende Energie, die sich über die Leinwand hinweg im Kinosaal ausbreitet und sich auf das Publikum überträgt. Mit der kleinsten Regung können sie die Stimmung und Dynamik einer ganzen Szene verändern -  fantastisches Schauspielkino von beiden!

"Wir beide" ist einer der besten Filme der durchwachsenen Kinomonate Juli und August

Die Stunde der Wahrheit? Madeleine Girard (Martine Chevallier) bringt es an ihrem Geburtstag nicht übers Herz, sich vor ihrer Familie zu outen.
Die Stunde der Wahrheit? Madeleine Girard (Martine Chevallier) bringt es an ihrem Geburtstag nicht übers Herz, sich vor ihrer Familie zu outen.  © PR/Paprika Films

Dass sie so glänzen können, liegt auch an den hochinteressanten Figuren, die vielschichtig dargestellt werden. 

Die Kombination von Skript, Dialogen, Regieführung, Schnitt und Schauspielern sorgt dafür, dass man in den schweren Stunden mit den Figuren mitfühlt und sich in den kurzen Momenten des Glücks mit ihnen freut. 

Denn dieses starke Statement für eine gleichgeschlechtliche Liebe gegen alle Widerstände hat eine beeindruckende Wirkung.

Deshalb stört es auch nicht, dass man einige Wendungen vorhersehen kann, weil sie etwas zu auffällig vorbereitet werden. Denn sie passen trotzdem zur Entwicklung der Story. 

Mit der stimmigen Musikuntermalung und der detailvollen Ausstattung hat das Drama noch weitere Stärken. Dank des trockenen Humors wird die phasenweise triste Stimmung auch immer wieder gekonnt aufgebrochen. 

Deshalb ist "Wir beide" ein rundum gelungenes Drama geworden, für das man ins Kino gehen sollte. Denn eine solche Filmperle ist in den durchwachsenen Filmmonaten Juli und August eine absolute Ausnahme.

Titelfoto: PR/Paprika Films

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