"Yes, God, Yes - Böse Mädchen beichten nicht": Mädchen erwischt Priester beim Pornos schauen

Deutschland - Erfrischende Teenie-Komödie mit wichtiger Botschaft! "Yes, God, Yes - Böse Mädchen beichten nicht", der ab 18. Januar auf Amazon Prime Video abrufbar ist, nimmt die Doppelmoral der katholischen Kirche ordentlich aufs Korn.

Alice (Natalia Dyer) bekommt in einem Onlinechat Nacktbilder zugesendet.
Alice (Natalia Dyer) bekommt in einem Onlinechat Nacktbilder zugesendet.  © PR/capelight pictures OHG

Darin begleiten die Zuschauer die sexuell unerfahrene Alice (Natalia Dyer) Anfang der 2000er dabei, wie sie langsam ihr Interesse für das andere Geschlecht entwickelt - und dabei von allen Seiten daran gehindert wird.

Denn die 16-Jährige wächst in einem erzkatholischen Umfeld in der amerikanischen Provinz heran, in der Keuschheit - insbesondere für Mädchen und Frauen - oberste Priorität hat.

In der Schule wird ihr beigebracht, dass Sex vor der Ehe eine Sünde ist und auch Masturbation auf direktem Weg in die Hölle führt.

Doch so richtig überzeugen können die Argumente der Erwachsenen Alice nicht. Zu verlockend wirkt diese eine Sexszene aus "Titanic", die sie sich immer wieder gerne ansieht oder der Onlinechat, in dem ihr plötzlich mehrere Nacktbilder zugesendet werden.

Da hilft nur noch eins: Vier Tage in einem Kirchenlager sollen Alice wieder auf den rechten Weg bringen und ihr die unchristlichen Gedanken aus dem Kopf treiben. Gruppenbeichten, Bibelstunden und Gebete stehen auf der Tagesordnung.

Doch dann trifft sie auf den attraktiven Footballstar Chris (Wolfgang Novogratz), der ihre Hormone ordentlich ins Wanken bringt...

Deutscher Trailer zu "Yes, God, Yes - Böse Mädchen beichten nicht" mit Natalia Dyer

"Yes, God, Yes - Böse Mädchen beichten nicht" ist Mix aus Humor und Gesellschaftskritik

Pater Murphy (Timothy Simons) lehrt den Teenagern im Kirchenlager, das Sex vor der Ehe eine Sünde ist.
Pater Murphy (Timothy Simons) lehrt den Teenagern im Kirchenlager, das Sex vor der Ehe eine Sünde ist.  © PR/capelight pictures OHG

Teenie-Komödien gibt es wie Sand am Meer und jedes Jahr kommen Dutzende neu dazu. So wirklich abheben vom Einheitsbrei kann sich dabei nur selten ein Film.

Regisseurin Karen Maine ist dies mit ihrem zweiten Werk gelungen, denn "Yes, God, Yes - Böse Mädchen beichten nicht" bringt die nötige Ernsthaftigkeit mit, ohne dass der Humor darunter leiden muss.

Im Gegenteil: Die Pointen sitzen und verfehlen ihr Ziel nicht! Das liegt nicht nur am tollen Drehbuch, das knackig und ohne viele Ausschweifungen Alice' Geschichte erzählt.

Trotz einer Lauflänge von gerade einmal 78 Minuten kommt kein Handlungsstrang zu kurz oder wird vernachlässigt.

Genre-typische Motive wie die erste Liebe oder vorsichtige Annäherungsversuche an das umschwärmte Gegenüber werden unterhaltsam durch den Kakao gezogen - etwa in der Szene, in der Alice's erster Kuss komplett in die Hose geht oder wenn die Jugendliche lüstern Chris' behaarte Oberarme begutachtet.

Auch wenn es in "Yes, God, Yes - Böse Mädchen beichten nicht" zu großen Teilen um Sex geht, kommt weder romantische noch erotische Stimmung auf. Stattdessen wird ein Lacher nach dem nächsten geliefert.

"Yes, God, Yes - Böse Mädchen beichten nicht": Natalia Dyer überzeugt in ihrer Rolle

Alice (Natalia Dyer) ist hin- und hergerissen zwischen ihrer katholischen Erziehung und ihrer aufkeimenden Sexualität.
Alice (Natalia Dyer) ist hin- und hergerissen zwischen ihrer katholischen Erziehung und ihrer aufkeimenden Sexualität.  © PR/capelight pictures OHG

Dazu verleiht Hauptdarstellerin Natalia Dyer ("Stranger Things") ihrer Rolle eine spannende Ambivalenz.

Zum Einen ist Alice ein naiver und schüchterner Teenager, der nach Orientierung sucht und diese in ihrer Religion zu finden hofft.

Andererseits schlägt auch bei ihr die Pubertät zu und sie kann sich ihrer aufkommenden sexuellen Neugier nicht verweigern.

Dyer weiß die unterschiedlichen Facetten überzeugend rüberzubringen.

Besonders ihr ungläubiges Staunen und ihre verwirrten Blicke über die radikalen Ansichten ihrer Glaubensgemeinschaft amüsieren köstlich.

Dank der detailverliebten Ausstattung und der authentischen Kostüm- und Musikwahl ist der Film eine glaubhafte Zeitreise zurück zum Anfang der 2000er.

Maine ist mit "Yes, God, Yes - Böse Mädchen beichten nicht" eine äußerst kurzweilige Komödie gelungen, die nicht nur viele Lacher parat hält, sondern ebenfalls einen kritischen Blick auf die katholische Kirche und deren Einfluss auf unsere Wertvorstellungen wirft.

Titelfoto: PR/capelight pictures OHG

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