"Uferfrauen - Lesbisches L(i)eben in der DDR" ist eine bewegende Doku über ein Stück vergessene Geschichte

Deutschland - Mit "Uferfrauen - Lesbisches L(i)eben in der DDR" startet am 3. September eine bewegende Dokumentation in den deutschen Kinos, die sich mit einem Themenfeld der deutschen Geschichte beschäftigt, das bisher zu Unrecht vernachlässigt wurde.

Christiane wurde 1953 in Ost-Berlin geboren und lebt immer noch in der Hauptstadt.
Christiane wurde 1953 in Ost-Berlin geboren und lebt immer noch in der Hauptstadt.  © déjà-vu film

Barbara Wallbraun begleitet bei ihrem Filmdebüt sechs Frauen aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen, die jedoch zwei Gemeinsamkeiten haben - sie sind lesbisch und in der DDR aufgewachsen.

Anhand der unterschiedlichen Biografien versucht die Leipziger Regisseurin zu rekonstruieren, ob und wie Homosexualität im früheren Ostdeutschland überhaupt möglich war. 

Konnten die damals noch jungen Frauen ihre Sexualität frei ausleben oder mussten sie Repressionen durch die Stasi erleben? Wie haben Familien, Freunde, aber auch Lehrer und Dorfbewohner auf ihr Outing reagiert?

Bittere Worte von "Hochzeit auf den ersten Blick"-David: Wurde er von Nicole und René betrogen?
Promis & Stars Bittere Worte von "Hochzeit auf den ersten Blick"-David: Wurde er von Nicole und René betrogen?

Konnten sie offen Beziehungen eingehen oder mussten sie ihre Lieben geheim halten, um von der Gesellschaft nicht ins Abseits gedrängt zu werden?

All diesen Fragen geht Wallbraun in ihrer knapp zweistündigen Dokumentation nach und schildert die privaten Erlebnisse von Christiane aus Berlin, Carola aus Dresden, Pat aus Mecklenburg-Vorpommern sowie Elke und Langzeit-Paar Sabine und Gisela aus Sachsen-Anhalt, die sich zwar nicht persönlich kennen, deren Erfahrungen sich aber in vielen Punkten auf erstaunliche Weise gleichen.

Trailer zu "Uferfrauen - Lesbisches L(i)eben in der DDR"

"Uferfrauen" erzählt von den Leben und Lieben von sechs unterschiedlichen Frauen

Langzeit-Pärchen Sabine (l.) und Gisela aus Sachsen-Anhalt lernten sich kennen und lieben, als Gisela noch mit einem Mann verheiratet war.
Langzeit-Pärchen Sabine (l.) und Gisela aus Sachsen-Anhalt lernten sich kennen und lieben, als Gisela noch mit einem Mann verheiratet war.  © déjà-vu film

Historisch gesehen ist die jüngere deutsche Geschichte rund um die Teilung in BRD und DDR weitestgehend aufgearbeitet - könnte man meinen! Doch schaut man sich Wallbrauns Erstling an, erscheint es fast absurd, dass sich diesem Thema noch keiner vor ihr ausführlich gewidmet hat.

Denn die Dokumentation bietet weitaus mehr als eine bloße Aneinanderreihung von Einzelschicksalen. Ihr gelingt es, sowohl pointiert die Leben und Lieben von sechs sehr unterschiedlichen Frauen zu erzählen, als auch dem Zuschauer ein umfassendes Bild darüber zu vermitteln, wie es sich angefühlt haben muss, als homosexueller Mensch in der DDR aufzuwachsen. 

Die Protagonistinnen sprechen offen und ehrlich über die Probleme, die sie damals mit der Partei und den Gesetzen hatten, denn das DDR-Strafrecht machte einen Unterschied darin, mit welchem Geschlecht Mann oder Frau Sex hatte.  

Dieter Bohlen: Dieter Bohlen ätzt gegen Corona-Politik: "Wir haben alles verpennt"
Dieter Bohlen Dieter Bohlen ätzt gegen Corona-Politik: "Wir haben alles verpennt"

Wenn ein 21-jähriger Mann mit einer 17-jährigen Frau schlief, war das kein Problem - umgekehrt aber schon, wurde als "sexueller Missbrauch Jugendlicher" deklariert und mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet.

Genau das bekamen sowohl Pat als auch Carola am eigenen Leib zu spüren. Während erstere selbst verurteilt wurde, musste die Dresdnerin miterleben, wie ihre damalige Partnerin inhaftiert wurde.

"Uferfrauen" glänzt mit gutem Mix aus persönlichen Geschichten und historischen Informationen

Pat, die in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen ist, heute und damals.
Pat, die in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen ist, heute und damals.  © déjà-vu film

Die beiden Kamerafrauen Anne Misselwitz und Julia Hönemann fangen die emotionalen Momente gekonnt ein, in dem sie diese ruhig auf den Gesichtern der Frauen verweilen lassen, während alle sechs von teils traumatischen Erfahrungen berichten. 

Immer wieder lässt Wallbraun zudem Comicelemente in ihren Film einfließen, die der Dokumentation trotz eben dieser Schilderungen ein Stück Leichtigkeit verleihen. Abgerundet wird das Ganze durch die unaufdringliche musikalische Untermalung von Martin Kohlstedt.

Nicht zuletzt beeindruckt auch der Mut von Christiane, Carola, Pat, Elke, Sabine und Gisela, denn jede von ihnen hat auf unterschiedliche Art und Weise dafür gekämpft, so leben und lieben zu dürfen, wie sie es für sich selbst wollten.

Genau dieser Mix macht "Uferfrauen" zu einem gleichzeitig informativen, aber auch unterhaltsamen und nicht zuletzt bewegenden Seherlebnis.

Kein Wunder, dass die Dokumentation auf dem 30. queeren Filmfestival in Hamburg mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde.

Titelfoto: déjà-vu film

Mehr zum Thema Kino & Film News: