Riesen Kino-Enttäuschung: Darum ist "Widows - Tödliche Witwen" so schlecht

USA - Damit war nicht zu rechnen! Ein namhafter Cast, sehr gute US-Kritiken und mit Regisseur Steve McQueen (12 Years A Slave, Shame, Hunger) ein großartiger Filmemacher am Steuer. Doch sein neustes Werk "Widows - Tödliche Witwen" ist eine der größten filmischen Enttäuschungen des Jahres.

Harry Rawlin (l., Liam Neeson) umarmt seine Frau Veronica (Viola Davis) liebevoll.
Harry Rawlin (l., Liam Neeson) umarmt seine Frau Veronica (Viola Davis) liebevoll.  © PR/Twentieth Century Fox

Schon der Start ist äußerst merkwürdig. Es beginnt mit einer intimen Kussszene zwischen Veronica Rawlin (Viola Davis) und ihrem Mann Harry (Liam Neeson), die sehr verliebt sind.

Dann wird eine Überfallszene gezeigt. So geht es anfangs hin und her.

Irgendwann ist zu erkennen: Harry und seine Crew gehen bei dem Versuch, zwei Millionen Dollar von Jamal Manning (Brian Tyree Henry) und dessem brutalen Bruder Jatemme (Daniel Kaluuya) zu erbeuten, drauf.

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Die Witwen um Veronica, Alice (Elizabeth Debicki) und Linda (Michelle Rodriguez) trauern nicht nur, sondern werden von den Mannings bedroht, weil die ihr Geld wiederhaben wollen.

Jamal hat Macht und kandidiert für ein politisches Amt. Sein Rivale ist Jack Mulligan (Colin Farrell), der nach seinem Opa und Vater Tom (Robert Duvall) als dritter Mulligan die mächtige Linie weiterführen soll.

Können die Mulligans den Witwen helfen, schadlos aus der heiklen Lage zu kommen?

Jamal Manning (r., Brian Tyree Henry) und sein Bruder Jatemme (l., Daniel Kaluuya) beobachten Harrys Beerdigung aus der Ferne.
Jamal Manning (r., Brian Tyree Henry) und sein Bruder Jatemme (l., Daniel Kaluuya) beobachten Harrys Beerdigung aus der Ferne.  © PR/Twentieth Century Fox

Leider ist die Umsetzung des Films, der von Macht, Korruption und Brutalität handelt, überraschend schlecht geworden. Damit war bei einem Regisseur von McQueens Klasse überhaupt nicht zu rechnen.

Doch der erfahrene Filmemacher überfrachtet seinen Plot heillos und findet aus diesem Wirrwarr an parallel verlaufenden Handlungssträngen nicht mehr heraus, weil er dafür zu überambitioniert ist.

Er hat viel zu viele Figuren in sein Drehbuch eingebaut und kann ihnen bei den teilweise arg kurz geratenen Auftritten nicht genug Tiefe verleihen, weshalb sie für das Publikum nur wenig oder überhaupt keine Projektionsfläche bieten.

Deshalb ist der Film zum einen unübersichtlich und hält die Zuschauer zum anderen auf Distanz.

Doch nicht nur die Charaktere wirken schablonenhaft, austauschbar und oberflächlich, sondern auch die Geschichte. Denn der Coup am Anfang ist nichts, was man nicht schon hunderte Male so oder in ähnlicher Form auf der Leinwand zu sehen bekommen hätte.

Die einzige Neuerung: Ein Team von Frauen nimmt Rache. Aber auch hier ist Kopf schütteln angesagt. Denn eine Chemie zwischen Davis, Debicki, Rodriguez und Cynthia Erivo mag sich einfach nicht entwickeln. Das liegt nicht nur an den Schauspielern selbst, sondern auch an den mäßigen Dialogen und dem schlechten Aufbau der Geschichte.

Jack Mulligan (Colin Farrell) kennt sich mit politischen Machtspielchen bestens aus.
Jack Mulligan (Colin Farrell) kennt sich mit politischen Machtspielchen bestens aus.  © PR/Twentieth Century Fox

Denn anfangs delegiert Veronica die anderen nur, die aus zweifelhaften und wenig glaubwürdigen Gründen mitmachen. Eine wirkliche Team-Dynamik entsteht so nicht!

Was den Film aber erst so richtig schlecht macht, ist seine Unausgewogenheit. Auf der einen Seite will er ein ernster Rachethriller sein, auf der anderen will er auch mit schwarzem Humor punkten. Diese Mischung geht komplett nach hinten los und ist stellenweise sogar richtig ärgerlich.

Umso mehr, weil sowohl der Ansatz, als auch die Ausgangsidee durchaus Potenzial gehabt hätten, das auch immer mal wieder für wenige Momente aufblitzt.

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Doch die mangelnde Balance merkte man auch dem Preview-Publikum in Berlin an, das oft an den völlig falschen Stellen gelacht hat, etwa, wenn Jatemme ein Opfer brutal tötet. Das ist für den Film überhaupt kein gutes Zeichen.

Außerdem zieht sich der Film auch noch ziemlich in die Länge, weil der Schnitt "Widows" mit seinen harten Umschnitten ausbremst, anstatt die gewünschte Dynamik zu erzeugen.

Immerhin sorgen die solide Kameraführung, die düsteren Locations, die annehmbare Musikuntermalung, die schönen Kostüme und auch die Auftritte einiger Darsteller wie Farrell, Kaluuya und Duvall sorgen zumindest für ein paar kleinere Highlights.

"Widows - Tödliche Witwen" gehört zu den größten filmischen Enttäuschungen des Jahres. Eine völlig überfrachtete Geschichte kombiniert mit oberflächlichen Figuren, einem ausbremsenden Schnitt und einer schlechten Mischung aus ernsten und humorvollen Szenen sorgen für ein frustrierendes Kinoerlebnis.

Auch die 87-jährige Hollywood-Legende Robert Duvall (Der Pate, Apocalypse Now, Crazy Heart) spielt als Tom Mulligan in "Widows" mit.
Auch die 87-jährige Hollywood-Legende Robert Duvall (Der Pate, Apocalypse Now, Crazy Heart) spielt als Tom Mulligan in "Widows" mit.  © PR/Twentieth Century Fox
Veronica (M., Viola Davis), Alice (r., Elizabeth Debicki) und Linda (l., Michelle Rodriguez) beratschlagen ihr Vorgehen in der Sauna.
Veronica (M., Viola Davis), Alice (r., Elizabeth Debicki) und Linda (l., Michelle Rodriguez) beratschlagen ihr Vorgehen in der Sauna.  © PR/Twentieth Century Fox

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