Das sind die zehn besten Kino-Dokus des Jahres 2019

Deutschland - Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen! Zeit für die erste Best-of-Liste. Den Anfang machen die zehn besten Kino-Dokumentarfilme des Jahres 2019 - eine subjektive Aufzählung ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Platz 10: Of Fathers and Sons - Die Kinder des Kalifats

Diese 19-fach ausgezeichnete Doku landete auch bei der diesjährigen "Oscar"-Verleihung in der Endauswahl der besten fünf Dokumentarfilme des Jahres. Wenig verwunderlich, gelang Regisseur Talal Derki doch ein tiefschürfender Einblick in das Leben einer radikalen islamischen Familie, deren Vertrauen der in Damaskus geborene Filmschaffende gewann.

Für dieses Ausnahmewerk kehrte er aus Berlin in sein Heimatland Syrien zurück, gab sich als Kriegsreporter sowie Anhänger der Salafisten aus und begleitete die Familie vom al-Nusra-Rebellenführer Abu Osama, der seine Söhne Osama (13) und Ayman (12) zu Gotteskriegern erziehen wollte.

Über zwei Jahre, vom Sommer 2014 bis September 2016, war Derki an ihrer Seite und gewährt sowohl beeindruckende, als auch erschütternde Einblicke. Unverfälscht und ohne zusätzliche Dramatisierungen standen ihm die Kinder, aber auch der Vater und dessen Freunde Rede und Antwort, erklärten dabei ihre fragwürdige Sicht auf die Welt.

Das ist mitreißend, interessant und brisant, weshalb "Of Fathers and Sons" ein außergewöhnlich guter Dokumentarfilm geworden ist.

Der 13-jährige Osama wurde und wird von Kindheit an mit einer radikalen Sicht auf die Welt erzogen.
Der 13-jährige Osama wurde und wird von Kindheit an mit einer radikalen Sicht auf die Welt erzogen.  © PR/© Port au Prince Pictures

Platz 9: They Shall Not Grow Old

Der 1. Weltkrieg lebt in dieser Doku mit der Hilfe modernster Technik wieder auf! Mit Peter Jackson ("Der Herr der Ringe" und "Der Hobbit"-Trilogie", "King Kong") hat sich ein ganz großer Regisseur an dieses schwierige Thema heran gewagt. Der Neuseeländer, dessen Opa in diesem Krieg fiel, kennt sich bestens mit Spezialeffekten aus.

Das sieht man auch bei "They Shall Not Grow Old". Man muss sich zwar an die erkennbar bearbeiteten Bilder gewöhnen und bekommt wenig Zeit, die vielen Informationen zu verarbeiten, doch Jacksons Werk reißt mit, liefert erstaunliche Einblicke in die Kriegsvorbereitungen, das Leben in den Schützengräben und auch in die Alltagssituationen der Soldaten.

Daher ist dieser zeitversetzende Film lehrreich, interessant, wichtig und sehenswert!

Die Archivaufnahmen aus dem Londoner Imperial War Museum wurden von Peter Jackson und seinem Team aufwendig bearbeitet.
Die Archivaufnahmen aus dem Londoner Imperial War Museum wurden von Peter Jackson und seinem Team aufwendig bearbeitet.  © PR/Copyright 2018 Imperial War Museum/Courtesy of

Platz 8: 2040 - Wir retten die Welt

Der preisgekrönte Regisseur (und Schauspieler) Damon Gameau meldet sich zurück! Nach "Voll verzuckert - That Sugar Film" beschäftigt er sich damit, wie das menschliche Leben auf der Erde in 21 Jahren aussehen könnte.

Denn er ist Vater einer jungen Tochter und will wissen, in welchem Zustand seine Generation den Planeten an deren Generation übergeben wird.

Sein Werk passt nicht nur zum Zeitgeist, es hat auch noch einen entscheidenden eigenen Ansatz: Denn der Beitrag des Australiers ist positiv und spendet Hoffnung, weil er verdeutlicht, dass wir alle Zutaten haben, um die notwendigen Veränderungen schon in naher Zukunft durchzuführen.

Dabei reist Gameau durch die Kontinente und befragt viele Experten und Erfinder, die bereits heute geniale Ideen umgesetzt haben. So ist "2040 - Wir retten die Welt" nicht nur spannend, sondern auch unterhaltsam und wichtig.

Damon Gameau (r.) pflanzt mit seiner Tochter und seiner Frau sinnbildlich einen kleinen Baum. Er beschäftigt sich in seiner Doku auf erstklassige Weise damit, wie man den Zustand der Erde nachhaltig verbessern kann.
Damon Gameau (r.) pflanzt mit seiner Tochter und seiner Frau sinnbildlich einen kleinen Baum. Er beschäftigt sich in seiner Doku auf erstklassige Weise damit, wie man den Zustand der Erde nachhaltig verbessern kann.  © PR/Universum Film GmbH

Platz 7: Fahrenheit 11/9

Der polarisierende Regisseur Michael Moore ("Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte", "Where to Invade Next", "Sicko") meldet sich zurück und rechnet mit vielen Politikern seines Landes ab - unter anderem bekommen Donald Trump und Barack Obama ihr Fett weg.

Der "Oscar"-Gewinner (2003 für "Bowling for Columbine") zeigt auf gewohnt unterhaltsame Weise Missstände in den USA auf und begibt sich an deren Ursprungsort. Etwa in seine eigene Heimatstadt Flint, die mit verunreinigtem Wasser vergiftet wurde.

Mit klugen Schnitt-Montagen, eigenwilligem Stil, bissigen Kommentaren und intelligenten Anmerkungen überzeugt diese brisante Satire-Doku - sofern man etwas mit Moores Stil anfangen kann. (>>TAG24-Kritik zu "Fahrenheit 11/9")

Michael Moore sorgt sich nicht nur um seine Heimatstadt Flint, sondern auch um sein Land, das auf eine Autokratie zusteuert.
Michael Moore sorgt sich nicht nur um seine Heimatstadt Flint, sondern auch um sein Land, das auf eine Autokratie zusteuert.  © PR/Copyright Midwestern Films LLC_All rights reser

Platz 6: Das Kapital im 21. Jahrhundert

Die Bestseller-Verfilmung (beruht auf dem gleichnamigen Buch des französischen Wirtschaftswissenschaftlers Thomas Piketty) deckt durch Interviews mit großen Experten und Denkern die Probleme und das zweifelhafte System der Weltwirtschaft auf.

Die landläufige Annahme, dass mit wachsendem Kapital auch eine soziale Weiterentwicklung einhergeht, wird auf intelligente Art und Weise widerlegt.

Denn hier werden über viele Jahrhunderte hinweg die komplexen Zusammenhänge nachvollziehbar erklärt, Lügen und Betrügereien aufgedeckt, sodass man die gesamten 103 Minuten gebannt im Kinosessel sitzt.

Dieses reichhaltige Werk erlaubt es einem auch, die starken Argumente und Informationen zu verarbeiten. Ein großartiger, gerade in der heutigen Zeit entscheidender Dokumentarfilm, den man gesehen haben sollte.

Die Doku von Justim Pemberton deckt viele Missstände des Weltwirtschaftssystems auf.
Die Doku von Justim Pemberton deckt viele Missstände des Weltwirtschaftssystems auf.  © PR/Copyright 2019 Upside and GFC (Capital) limited

Platz 5: Unsere große kleine Farm

Was passiert, wenn man sein Leben in der Großstadt aufgibt und aufs Land zieht? Auf jeden Fall aufregende Dinge!

Die Geschichte von John und Molly, die aus ihrem kleinen Apartment in Los Angeles auf die 80 Hektar große, brach liegende "Apricot Lane Farms" zogen, weil ihr Hund zu laut bellte, wenn sie außer Haus waren und damit die Nachbarn störte, ist beeindruckend.

Denn dadurch hat die Familie ihr Glück gefunden. Mit der Hilfe von Experten hatten sie entgegen aller Widerstände von Anfang an das Ziel, im größtmöglichen Einklang mit der Natur zu leben und ein ausgewogenes Ökosystem zu erschaffen.

Der Weg dorthin ist voller Hindernisse, die sie aber gemeinsam angehen und überwinden - so viel Nerven es auch kostet. Die heimlichen Starts dieses liebevollen, warmherzigen, berührenden und zum Nachdenken anregenden Dokumentarfilmes sind aber die Tiere, von denen es Hunderte gibt.

Ein zutiefst beeindruckendes Werk, das weltweit zum Festivalhit avancierte und 14 Preise einheimsen konnte (dazu noch 20 Nominierungen).

Hunderte Tiere leben auf der Farm. Das gewitzte Duo aus Hahn und Schwein zählt zu den Sympathieträgern des Films.
Hunderte Tiere leben auf der Farm. Das gewitzte Duo aus Hahn und Schwein zählt zu den Sympathieträgern des Films.  © PR/Copyright FarmLore Films

Platz 4: Die Wiese - Ein Paradies nebenan

Eine großartige deutsche Naturdokumentation! Mit Jan Haft ("Das grüne Wunder - Unser Wald", "Wildes Deutschland - Der Chiemsee", "Das Kornfeld - Dschungel für einen Sommer") widmete sich einer der besten Doku-Filmer des Landes den bedrohten deutschen Blumenwiesen.

Denn seit 1990 wurden mehr als 600.000 Hektar Grünland in Ackerland umgewandelt, was für die Natur verheerende Folgen hat, wie Haft in seinem meisterlichen und eminent wichtigen Werk nachweist.

Er zeigt den Artenreichtum und die Farbenpracht der Wiese auf, erklärt aber auch die nachvollziehbaren Motive der Landwirte, die am Existenzminimum leben und sich immer öfter für das subventionierte Ackerland entscheiden, weshalb viele Tier- und Pflanzenarten verschwinden.

Dieses flammende Plädoyer für die Vielfalt der Natur braucht sich auch vor BBC-Earth-Größen nicht zu verstecken. (>>TAG24-Kritik zu "Die Wiese - Ein Paradies nebenan").

Durch das häufige Mähen sterben viele Rehkitze, die sich im hohen Gras verstecken und dort regungslos verharren.
Durch das häufige Mähen sterben viele Rehkitze, die sich im hohen Gras verstecken und dort regungslos verharren.  © PR/Copyright nautilusfilm / polyband Medien GmbH

Platz 3: Kroos

Wie ist Toni Kroos privat? Dieses Rätsel konnten Fußballfans viele Jahre lang nicht lüften, denn der Star von Real Madrid gab wenig von sich preis.

In der Doku von Regisseur Manfred Oldenburg zeigt er sich dagegen offen wie nie zuvor. Er spricht unter anderem über das komplizierte, aber gute Verhältnis zu seinem Vater Roland, seine Zeit beim FC Bayern München, seine Kinder und Stiftung.

Oldenburg gelingt ein tiefschürfendes Porträt des erfolgreichsten deutschen Fußballers aller Zeiten, das man neugierig, gebannt und interessiert verfolgt, sodass die 113 Minuten viel zu schnell vergehen.

Für Fußballfans ist diese Doku ein Muss. Aber auch für all diejenigen, die sich für den Menschen hinter dem Sportler interessieren, ist dieses Meisterwerk unbedingt sehenswert! (>>TAG24-Kritik zu "Kroos").

Die Doku über Toni Kroos gewährt nie zuvor gesehene Einblicke in sein Familienleben.
Die Doku über Toni Kroos gewährt nie zuvor gesehene Einblicke in sein Familienleben.  © PR/BROADVIEW Pictures

Platz 2: Unser Team - Nossa Chape

Ein harte Doku über Trauer, Verlust und die Verarbeitung eines schweren Schocks. Denn der 28. November 2016 wird für immer mit einem schlimmen Flugzeugabsturz verbunden sein.

Damals stürzte die Mannschaft des brasilianischen Erstligisten Associação Chapecoense de Futebol auf dem Weg zum Finale der Copa Sudamericano nach Medellín, Kolumbien, ab. 71 der 77 Insassen starben.

Dieser zutiefst bewegende Film der Regisseure Jeff und Michael Zimbalist beschäftigt sich mit den Hinterbliebenen: Den Witwen, Vereinsverantwortlichen, Fans und Überlebenden, die immer wieder von ihren tiefsitzenden Trauergefühlen übermannt werden. Mit großer Sensibilität werden auch die Streitigkeiten hinter den Kulissen nicht ausgespart.

Dazu verbinden die Filmschaffenden die vielen Interviewpartner und deren Aussagen zu einem großartig funktionierendem Doku-Meisterwerk, das dieses Jahr auch auf dem Fußballfilmfestival "11mm" in Berlin mit dem Jury-Preis ausgezeichnet wurde (>>TAG24-Kritik zu "Unser Team - Nossa Chape").

Die Fans von Chapecoense standen unter Schock. Die weltweite Anteilnahme nach dem Flugzeugabsturz war gigantisch.
Die Fans von Chapecoense standen unter Schock. Die weltweite Anteilnahme nach dem Flugzeugabsturz war gigantisch.  © PR/All Rise

Platz 1: Diego Maradona

Was für eine Filmperle von "Oscar"-Preisträger Asif Kapadia ("Amy - The Girl Behind the Name", "Senna")! Der Regisseur lieferte ein Meisterwerk ab und ist für die beste Kino-Doku des Jahres verantwortlich.

Er zeichnete in seinem umfassenden und bewegenden Porträt Diego Armando Maradonas Zeit in Neapel nach, die ihn für immer prägen und verändern sollte. Mit unveröffentlichtem Material aus der Privatsammlung des Weltstars gelangen ihm intime Einblicke und vor allem ein großes Verständnis für die Hand Gottes, die an dem Druck der Öffentlichkeit zerbrach.

Falsche Freunde, der Rummel um seine Person, Drogen, die Medien und die italienische Mafia sorgten dafür, dass Maradona sich für immer veränderte und der Mensch wurde, den die Öffentlichkeit heute kennt.

Selten riss ein Dokumentarfilm so mit wie dieser humanistische Epos. Denn Kapadia gelingt es, diesen großartigen Fußballer mit all seinen (sportlichen und privaten) Stärken und Schwächen zu zeigen und ihm somit ein beeindruckendes Denkmal zu setzen.

Wenn der Weltmeister von 1986 auf dem Rasen zaubert, geht einem das Herz auf. Wenn er weinend in einer TV-Show sitzt, hat man einen Klos im Hals, weil man nach diesem Film seine Beweggründe so viel besser nachvollziehen kann (>>TAG24-Kritik zu "Diego Maradona").

Diego Maradona veränderte seine sportlich erfolgreiche Zeit in Neapel, die aber auch private Schattenseiten hatte, nachhaltig.
Diego Maradona veränderte seine sportlich erfolgreiche Zeit in Neapel, die aber auch private Schattenseiten hatte, nachhaltig.  © PR/Meazza Sambucetti/​AP/​Shutterstock/DCM

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