Weltneuheit: Dieser Song kann immer nur einer einzigen Person gehören

Stuttgart - Wer dachte, die Musik-Branche sei mit Spotify und Co. schon in der Zukunft angelangt, irrt gewaltig. Der deutsche DJ und Produzent Marten Hørger zeigt jetzt eindrucksvoll, wie in Zukunft mit einzigartigen Songs gehandelt werden könnte.

Marten Hørger bietet nun Musik zum Ersteigern an. Vom Song existiert nur eine einzige Kopie.
Marten Hørger bietet nun Musik zum Ersteigern an. Vom Song existiert nur eine einzige Kopie.  © Max Patzig

Seit etwa zwei Monaten wird es vor allem in der Kunst-Szene der USA erprobt, digitale Kunstwerke über NFT-Plattformen zu kaufen und verkaufen, obwohl es die Technik dafür schon länger gibt.

Die Objekte sind anders als beispielsweise Bilder, die auf Twitter oder Instagram hochgeladen werden, nicht kopierbar oder ersetzbar. Es handelt sich um Sammlerstücke, die oft aus einer Grafik bestehen und mit weiteren Daten versehen werden können.

NFT steht dabei für "Non-fungible token", was auf Deutsch etwa "nicht austauschbarer Token" bedeutet. Zwar lassen sich Screenshots von den Objekten erstellen, aber nur das Original-NFT kommt mit einem Zertifikat, das die Echtheit bestätigt.

Auf speziell dafür entwickelten Plattformen bieten Händler ihre Werke in einer Kryptowährung an, welche sogenannte Blockchains unterstützt. Damit werden zusätzliche Informationen an dem Kaufobjekt gespeichert, etwa der Name des Käufers und der jeweilige Preis, zu dem das NFT über die virtuelle Ladentheke ging.

Auf diese neuartige Art und Weise, mit digitalen Dingen zu handeln, wurde auch schon Marten Hørger aufmerksam. Der aus Baden-Württemberg stammende DJ und Basshouse-Musikproduzent gilt als einer der weltweit erfolgreichsten Künstler in diesem Bereich und bietet seinen ersten Song nun als NFT an.

"Etwa drei Wochen habe ich daran gearbeitet, den Musiktitel NFT-tauglich zu machen", erklärt er im Interview mit TAG24. Dazu gehörte es, sein Lied auch mit einer Grafik zu versehen, die ebenfalls von einem deutschen Künstler, der sich ravingraptr nennt, kommt. "Die Kombination aus Bild und Ton ist nun das NFT. In den Code mit einprogrammiert ist der Link zu einem unveröffentlichten Song, auf den nur der Besitzer des Objekts zugreifen kann."

NFT-Titel: Wie eine exklusive Vinyl-Platte, die es nur einmal gibt

Marten Hørger denkt bei dem neuen Projekt auch schon an seinen Nachwuchs, der von den Verkäufen über NFT-Plattformen profitieren soll.
Marten Hørger denkt bei dem neuen Projekt auch schon an seinen Nachwuchs, der von den Verkäufen über NFT-Plattformen profitieren soll.  © PR/Florian Frahm

Seinen Basshouse-Song "Trust" bietet er auf Rarible in einer Auktion an. "Wer auch immer der Meistbietende ist, kann dann damit machen, was er will", erklärt Marten Hørger.

Den Titel anhören, ihn in Musiksets einbauen, so der Käufer DJ ist, oder einfach nur weiterverkaufen - die Möglichkeiten sind vielfältig. "Alles ist erlaubt - bis auf den Track als eigenen anzubieten", so Hørger weiter. "Ich bin selbst gespannt, wie es dann weitergeht."

Für das bessere Verständnis vergleicht der Produzent die NFT-Idee hinter seinem Musiktitel mit einer Schallplatte, die nur einmal existiert: "Wer die Platte besitzt, hat ein total seltenes Sammlerstück. Er kann sie sich immer wieder anhören und irgendwann mal gewinnbringend verkaufen."

Dinge, die unglaublich oft existieren, verlieren an Wert, ist sich der DJ sicher. Seinen neuesten Song gibt es deshalb nur einmal. Dass er nicht kopiert wird, dafür sorgen NFT und Blockchain.

Das Besondere an der Neuzeit-Einzelstück-Platte ist dabei auch die Revolution in der Bezahlung. Mit der Zeit soll der Wert des seltenen digitalen Titels ähnlich wie bei einer raren Schallplatte steigen. Doch an den Weiterverkäufen verdienen die Urheber auch etwas. "Mit jedem weiteren Verkauf erhalten ravingraptr und ich insgesamt 20 Prozent vom Verkaufspreis", erklärt Hørger.

"In ferner Zukunft profitiert also auch mein Nachwuchs noch von meiner Arbeit."

Die Preview zum ersten NFT-Song von Marten Hørger

Fynn Kliemann bot bereits Jingles als NFTs an

Weil Marten Hørger derzeit keine Liveshows spielen kann, suchte er nach neuen Möglichkeiten, seine Musik an die Fans zu bringen.
Weil Marten Hørger derzeit keine Liveshows spielen kann, suchte er nach neuen Möglichkeiten, seine Musik an die Fans zu bringen.  © Max Patzig

Die Idee hinter der Aktion ist ebenfalls, sich unabhängig von Labels zu machen, die bislang große Teile der Verkaufserlöse an Musiktiteln einstreichen. Musiker und Multitalent Fynn Kliemann (32) bot bereits 100 sogenannter Jingles, also kurze Wiedererkennungsmelodien, über Rarible an. Doch die Aktion ging nach hinten los: Das Plattenlabel Universal Music bot eine große Summe Geld auf alle Titel. Die Unabhängigkeit vom Label könnte damit scheitern.

Marten Hørger geht indes locker an die Sache: "Ob weitere NFT-Titel von mir folgen, weiß ich selber noch nicht. Erst mal will ich schauen, was mit dem ersten Track passiert. Für DJs, Musiker und mein übliches Publikum ist es schwierig an so einer Auktion teilzunehmen", sieht Hørger die technischen Hürden kritisch.

"Im Kunstbereich sind die Leute schon affin und steigen voll durch. Im Musiksektor ist das noch nicht der Fall. Ich hoffe, dass sich das bald ändern wird."

Die Auktion von Deutschlands wohl erstem NFT-Musiktitel läuft noch bis Sonntag. Aktuell liegt das Höchstgebot bei 0,08 Ethereum (umgerechnet etwa 143 Euro).

Titelfoto: Montage: Max Patzig, PR/Marten Hørger

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