"Musste im Callcenter arbeiten!" So wenig verdienen Künstler durch Streaming-Plattformen

Leipzig - Fast ein jeder von uns nutzt für seinen Musikgenuss Streaming-Plattformen wie Spotify, Amazon oder Apple Music. Vor allem bei kleineren Künstlern kommt von den Erlösen dabei aber nicht viel rum, wie die neue MDR-"exactly"-Reportage berichtete.

Shelter Boy bei seinem ersten Konzert nach der Corona-Pandemie in Hannover. Ohne seine Einnahmen durch Tickets und Merchandise sah es finanziell nicht so rosig für den 25-jährigen Leipziger aus.
Shelter Boy bei seinem ersten Konzert nach der Corona-Pandemie in Hannover. Ohne seine Einnahmen durch Tickets und Merchandise sah es finanziell nicht so rosig für den 25-jährigen Leipziger aus.  © MDR/Zimmer&Zirk

Laut dem Bundesverband Musikindustrie (BVMI) verdienen Künstler und Bands durchschnittlich 0,3 Cent pro Stream auf einer Plattform wie Spotify. Das ist vor allem für Newcomer oder Nischen-Musiker ein großes Problem.

Wahrhaftig ein Lied davon singen kann der Leipziger Indie-Musiker Simon Graupner (25), der sich unter dem Künstlernamen Shelter Boy mittlerweile eine Fan-Base erarbeitet hat. Auf Spotify haben seine beliebtesten Tracks mehrere Millionen Streams - davon kommt aber kaum etwas bei ihm in der Geldbörse an.

"Am Anfang der Pandemie hat es noch gereicht, um mich irgendwie selber auszuzahlen, aber irgendwann war der Topf auch leer. Ich habe dann in einem Callcenter gearbeitet", so Graupner im Interview mit dem "exactly"-Team.

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Während der Corona-Zwangspause fiel nämlich auch der Hauptverdienst von Künstlern wie Shelter Boy komplett weg: der Verkauf von Konzert-Tickets und Merchandise.

Nur große Künstler profitieren von Streaming-Plattformen

Beispielsweise für Spotify zahlen User circa zehn Euro im Monat. Warum gehen diese dann nicht direkt an die Künstler, die man hört? So funktioniert das System eben nicht, weiß Rajk Barthel vom Verband unabhängiger Musikunternehmerinnen.

"Stell dir vor, du kaufst eine Vinyl-Platte von Shelter Boy im Laden. Der Verdienst geht aber nicht an Shelter Boy, sondern an Drake, weil der insgesamt mehr Platten verkauft", erklärte Barthel die Verteilung der Gelder. Nur die wirklich großen Player profitieren also vom Streaming - dagegen haben sich auch schon Verbände wie "Fairshare" zusammengetan, um zu überlegen, wie man die Gelder fairer verteilen könnte.

Was Ihr als Fans tun könnt, um Eure Lieblingskünstler zu unterstützen, seht Ihr in der kompletten Doku. Die neue Folge ist ab dem 6. Juni in der ARD Mediathek und auf YouTube zu sehen.

Titelfoto: MDR/Zimmer&Zirk

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