"Halston" auf Netflix: Ewan McGregor im Rausch aus Sex, Mode und Drogen

Deutschland - Elegante Kleider, ausschweifende Parties, bissiger Humor: In "Halston", seit dem 14. Mai auf Netflix abrufbar, tanzt sich Ewan McGregor (50) als Designer Roy Halston Frowick zusammen mit vielen schrägen Vögeln durch die wilde Party-Szene New Yorks.

Roy Halston Frowick (Ewan McGregor, 50) will mit seiner Modemarke nach ganz oben.
Roy Halston Frowick (Ewan McGregor, 50) will mit seiner Modemarke nach ganz oben.  © Netflix

Die Serie beginnt, als Roy am ersten Tiefpunkt seiner Karriere angelangt ist.

Er war in den 1960ern der Hutmacher der High Society in New York, Jackie Kennedy trug seine Designs bei jeder Gelegenheit - solange bis hochtoupierte Frisuren im Trend und Hüte plötzlich Schnee von gestern waren.

"Fuck Jackie Kennedy", sagt sich Halston und verabschiedet sich vom Geschäft mit den Kopfbedeckungen. Stattdessen will er nun hoch hinaus.

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Er möchte der erste amerikanische Modemacher sein, der den Frauen ein "komplettes maßgeschneidertes Couture-Erlebnis" gibt: "Ich stecke sie in Halston von Kopf bis Fuß."

Das Einzige, was ihm für seine Vision noch fehlt, ist das nötige Kleingeld, genauer gesagt, eine Million Dollar. Seine hartnäckige Art und sein übergroßes Selbstbewusstsein helfen ihm dabei, die Ex-Frau eines texanischen Ölmagnaten, Estelle Marsh (Karen Mason, 69, "Law & Order: New York"), um den Finger zu wickeln.

Dank seiner Muse Liza Minelli (Krysta Rodriguez, 36, "Quantico"), die gerade in Hollywood Karriere macht, kommt seine Mode dann auch schnell groß raus. Halston feiert seinen Erfolg mit viel Alkohol und Kokain, lässt sich jede Nacht einen anderen Callboy kommen. Doch der Hang zu Drogen und Parties wird ihm bald zum Verhängnis...

Deutscher Trailer zu "Halston" auf Netflix mit Ewan McGregor, Krysta Rodriguez und Sullivan Jones

"Halston" auf Netflix ist nicht nur für Mode-Fans unterhaltsam

Halston (Mitte, Ewan McGregor) tanzt mit Joe (r., David Pittu) und Elsa (2. v. r., Rebecca Dayan) durch die Nacht.
Halston (Mitte, Ewan McGregor) tanzt mit Joe (r., David Pittu) und Elsa (2. v. r., Rebecca Dayan) durch die Nacht.

Die fünfteilige Miniserie "Halston" ist eine echte Huldigung an die Welt der Mode, der Kunst und des Designs.

Mit viel Liebe zum Detail und mit Kenntnis von Handwerk, vom Geschäft, von der Kunst wird hier der teils wenig glamouröse Alltag eines Designers erzählt.

Schritt für Schritt kann der Zuschauer Zeuge davon werden, wie der Protagonist und sein Team aus "fröhlichen Außenseitern" Stücke kreieren, um sie dann doch wieder zu verwerfen, weil der Chef-Designer unzufrieden ist.

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Das führt zu äußerst unterhaltsamen Dialogen, in denen die gleichnamige Titelfigur Einblicke in ihre Weltsicht gibt oder die Modeindustrie auf die Schippe genommen wird.

Nachdem seine erste Damenmodenschau etwa auf wenig Gegenliebe beim Publikum stößt, verkündet Halston mit einer Zigarette zwischen den Fingern: "Ich war brillant. Die sind die Dummerchen."

Als dann die Einnahmen fehlen, die Stromrechnung überfällig ist und sein Mitarbeiter Joel Schumacher (Rory Culkin, 31, "Sneaky Pete") darauf verweist, man könne ja die Kosten für Pflanzeneinkäufe reduzieren, reagiert Halston, umgeben von unzähligen Orchideen, schnippisch: "Ohne Orchideen läuft bei mir gar nichts!"

Ewan McGregor überzeugt in "Halston" als überdrehter Hedonist

Das wilde Partyleben mit seiner Affäre Victor (2.v.r., Gian Franco Rodriguez), Joe (r., David Pittu) und Elsa (l., Rebecca Dayan) geht nicht spurlos an Halston (2.v.l., Ewan McGregor) vorbei.
Das wilde Partyleben mit seiner Affäre Victor (2.v.r., Gian Franco Rodriguez), Joe (r., David Pittu) und Elsa (l., Rebecca Dayan) geht nicht spurlos an Halston (2.v.l., Ewan McGregor) vorbei.  © "Halston" auf Netflix: Ewan McGregor im Rausch aus Sex, Mode und Drogen

Die Serie funktioniert und unterhält vor allem dank Ewan McGregors schauspielerischer Leistung.

Dieser verschmilzt voll und ganz mit der Rolle des Modedesigners - egal, ob bei der Arbeit im Atelier, auf der großen Bühne oder beim Parkplatzsex mit einem Fremden.

Ohne Probleme wechselt er zwischen den Akzenten, als sich seine Figur am Ende der ersten Episode vor dem heimischen Badezimmerspiegel entschließt, sich neu zu erfinden: "Damit die Leute dich beachten, brauchst du nicht mehr als den Anschein des Erfolgs."

Ab und an geht der Handlung der rote Faden verloren, fehlt der Fokus. Die Szenen wirken dann aneinandergereiht, ohne dass sich die Verbindungspunkte sofort erschließen.

Auch die wenigen Rückblicke in die Kindheit des Designers umreißen nur grob dessen Hintergrund, verschweigen aber gleichzeitig, dass er mehrere Geschwister hatte.

Dass Produzent Ryan Murphy und sein Team sich nicht immer sklavisch an die Biografie des verstorbenen Modemachers halten, wurde schon im Vorfeld bekannt. Halstons Angehörige kritisierten die Serie als "ungenau" und "fiktionalisiert".

Doch egal, ob nun eine Eskapade mehr hinzugedichtet wurde oder nicht - genau das macht den Unterhaltungswert der Serie aus und lässt über so manch Schwäche hinwegsehen. "Halston" ist eine spannende Zeitreise ins New York der 60er und 70er geworden, hat viel Humor, zeichnet sich durch einen stellenweise ironischen Blick auf die Modewelt aus und hat einen brillant spielenden Ewan McGregor als Zugpferd.

Titelfoto: Netflix

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