Neu auf Netflix: Historischer Thriller "München" geht unter die Haut

Berlin/München - Manchen Filmen über historische Ereignisse gelingt das ziemlich gut: Auch wenn man den Ausgang kennt, die Geschichte längst geschehen ist, schaut man gerne zu und merkt die Anspannung im Körper.

Jeremy Irons (73) als Neville Chamberlain in einer Filmszene von "München - Im Angesicht des Krieges".
Jeremy Irons (73) als Neville Chamberlain in einer Filmszene von "München - Im Angesicht des Krieges".  © Frederic Batier/Netflix/dpa

So ist es auch bei Christian Schwochows neuem Thriller "München - Im Angesicht des Krieges".

Der Film ist ab Freitag (21. Januar) beim Streamingdienst Netflix zu sehen und spielt zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg.

Oxford, 1932: Drei Freunde betrinken sich ausgelassen bei einer Party, liegen auf einer Wiese, knutschen, debattieren über die Zukunft. Gespielt werden sie von George MacKay (29, "1917"), Jannis Niewöhner (29, "Je Suis Karl") und Liv Lisa Fries (31, "Babylon Berlin").

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Dass sie auch über das "neue Deutschland" reden, das gerade entsteht, macht die Konfliktlinien absehbar.

Sechs Jahre später geht der Film weiter. In Deutschland ist mittlerweile Adolf Hitler (Ulrich Matthes, 62) an der Macht. Der britische Premierminister Neville Chamberlain (Jeremy Irons, 73) will um jeden Preis verhindern, dass es einen neuen Krieg gibt. Bei einem Treffen in München soll daher die Zukunft des Sudetenlandes geklärt werden.

Dort treffen sich auch zwei der Freunde aus Oxford wieder.

Trailer zum neuen Netflix-Thriller "München - Im Angesicht des Krieges"

Dramatischer Höhepunkt: Münchner Abkommen 1938

Die Freundschaft von Hugh Legat (George MacKay, 29, l.) und Paul Hartman (Jannis Niewöhner, 29, r.) wird auf die Probe gestellt.
Die Freundschaft von Hugh Legat (George MacKay, 29, l.) und Paul Hartman (Jannis Niewöhner, 29, r.) wird auf die Probe gestellt.  © Frederic Batier/Netflix/dpa

Die beiden haben sich mittlerweile aus den Augen verloren. Man ahnt irgendwann, dass sie nicht im Guten auseinandergegangen sind.

Hugh Legat (MacKay) arbeitet inzwischen für die britische Regierung und Paul von Hartmann (Niewöhner) für die deutsche Regierung. Man könnte also vermuten, beide befänden sich auf unterschiedlichen Seiten der Geschichte. Aber es kommt anders.

Der Film, der auf dem Roman "München" des britischen Schriftstellers Robert Harris (64) beruht, stellt eine entscheidende Frage: Hätte man es selbst fertiggebracht, einen Menschen umzubringen - in diesem Fall, Hitler umzubringen, wenn man die Chance dazu gehabt hätte? Die Verfilmung schafft es, ein Stück Weltpolitik auch anhand von persönlichen Konfliktlinien zu erzählen.

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Ein großes Plus ist die Besetzung: Sandra Hüller (43, "Toni Erdmann") sieht man als rauchende Sekretärin, Oscar-Preisträger Irons als britischen Premier und Ulrich Matthes spielt einen Hitler, der einem auf ungewöhnliche Weise in Erinnerung bleiben dürfte.

Auch die beiden noch recht jungen Schauspieler MacKay und Niewöhner können einen beim Zuschauen überzeugen.

Wollte eigentlich keine Nazis mehr spielen: Ulrich Matthes als "Hitler"

Ulrich Matthes (62, l.) wollte eigentlich keine Nazis mehr spielen. Nun ist er als "Hitler" im neuen Thriller "München" zu sehen.
Ulrich Matthes (62, l.) wollte eigentlich keine Nazis mehr spielen. Nun ist er als "Hitler" im neuen Thriller "München" zu sehen.  © Frederic Batier/Netflix/dpa

Schauspieler Ulrich Matthes (62) hatte sich vorgenommen, in Filmen keine Nationalsozialisten mehr zu spielen - für den neuen Thriller hat er nun doch eine Ausnahme gemacht.

Das lag auch an einem Zufallsmoment, wie Matthes der Deutschen Presse-Agentur erzählte.

Schauspieler Jeremy Irons habe ihn - bei einem Nachmittagskaffee bei Regisseur Volker Schlöndorff (82) - plötzlich gefragt: "Uli, do you want to play Hitler?"

Martin Wuttke (59) sei damals aus persönlichen Gründen aus den laufenden Dreharbeiten ausgeschieden. "Und da war ich dann doch erst mal einigermaßen verdattert", sagte Matthes.

Nach dem Casting habe ihn Regisseur Christian Schwochow (43) dann abends angerufen und gesagt: "Also, auch die Netflix-Verantwortlichen sind dafür, dass du das spielst. Es gibt nur den kuriosen Nachteil, dass du morgen früh schon abgeholt wirst zu deinem ersten Drehtag." Da habe er doch einen gehörigen Schreck bekommen.

Matthes sagte trotzdem zu und begründet das heute mit seiner Wertschätzung für den Regisseur, einem großartigen Drehbuch und der Tatsache, dass Hitler im Film nur eine Nebenrolle habe.

Der Thriller, der ab Freitag (21. Januar) bei Netflix zu sehen ist, erzählt vom Zustandekommen des Münchner Abkommens 1938.

Matthes hat bereits im Historiendrama "Der Untergang" (2004) mitgespielt. Danach sei er sich sicher gewesen, keine Nazis mehr spielen zu wollen. "Weil ich grundsätzlich versuche, die Figuren, die ich spiele, offen zu halten für möglichst unterschiedliche Interpretationen des Publikums", sagte Matthes.

Die Art von Widersprüchlichkeit, um die er sich normalerweise bemühe bei seinen Figuren, falle bei solchen Massenmördern wie Hitler aber weg.

Titelfoto: Frederic Batier/Netflix/dpa

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