Zverev geht auf French-Open-Bosse los: "Links liegen gelassen!"

Paris/Hamburg - Wird er mit Absicht benachteiligt, oder hat er einfach nur "Pech"? Tennis-Star Alexander Zverev (25) holt bei den French Open zum Rundumschlag gegen die Organisatoren des Turniers aus.

Den Ball fest im Blick: Alexander Zverev (25) muss im Viertelfinale am Dienstag gegen das spanische Wunderkind Carlos Alcaraz (19) ran.
Den Ball fest im Blick: Alexander Zverev (25) muss im Viertelfinale am Dienstag gegen das spanische Wunderkind Carlos Alcaraz (19) ran.  © Michel Euler/AP/dpa, Jonathan Brady/PA Wire/dpa, Evandro Inetti/ZUMA Wire/dpa

Im Mittelpunkt seines Unmuts steht ausgerechnet sein kommender Gegner, das neue Wunderkind des Tennis, Carlos Alcaraz (19). Zwar betont der gebürtige Hamburger, dass sich seine Kritik nicht auf den Spanier bezieht, doch wie das die französischen Tennis-Fans rezipieren werden, wird man am Dienstag sehen.

Dann trifft Zverev in Paris im Viertelfinale eben auf Alcaraz. Doch was stört den einzig verbliebenen Deutschen beim zweiten Grand Slam Turnier des Jahres?

Der Fakt, dass er - als Nummer drei der Welt - bislang ein einziges Mal auf dem größten Platz der Anlage, dem Court Philippe-Chatrier, gespielt hat, der erst 19-Jährige aber schon drei Mal.

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In der neu geschaffenen "Session de Soirée", die an die "Night Session" bei den U.S. Open angelehnt ist, lief Alcaraz bereits zwei Mal nacheinander auf, Zverev noch kein einziges Mal, auch weil er drei Mal auf dem kleineren Court "Suzanne Lenglen" spielte.

"Ich habe jetzt einmal auf dem Chatrier gespielt, ein Fünf-Satz-Match, Novak hat zwei Mal glaube ich auf dem Lenglen gespielt, Rafa ein Mal und Alcaraz spielt gefühlt jedes Match auf dem Chatrier. Klar ist er dieser neue Superstar, er ist das neue Gesicht vom Tennis usw. und es ist ja auch schön, etwas Neues zu sehen, aber in unserer Hälfte sollte es schon mehr aufgeteilt sein, wer wann spielt", sagte Zverev auf der Pressekonferenz nach seinem Sieg in der vierten Runde gegen Bernabe Zapata Miralles (7:6, 7:5, 6:3).

Der Court Philippe-Chatrier ist der größte auf der Anlage in Paris. Er fasst 15.000 Zuschauer.
Der Court Philippe-Chatrier ist der größte auf der Anlage in Paris. Er fasst 15.000 Zuschauer.  © JULIEN DE ROSA / AFP

French Open: Alexander Zverev beklagt fehlende Kommunikation mit ihm

Alexander Zverev (25) schreit seine Freude über einen Punktgewinn heraus.
Alexander Zverev (25) schreit seine Freude über einen Punktgewinn heraus.  © Christophe Ena/AP/dpa

"Er spielt zwei Mal nacheinander das Nachtmatch auf dem Chatrier, ich gehe mal davon aus, dass wir das dritte Nachtmatch spielen werden. Ich habe bislang kein einziges Mal Nachtmatch gespielt. Es ist schon sehr offensichtlich, in welche Richtung es hier vorangeht und wen das Turnier weiter haben will", macht der 25-Jährige dem Veranstalter schwere Vorwürfe.

Vor allem beklagt er die fehlende Kommunikation mit ihm und das als Nummer drei der Weltrangliste. Er würde verstehen, dass auf die Wünsche der Nummer eins Novak Djokovic und von Rafael Nadal, Nummer fünf der Welt, der das Turnier unglaubliche 13 Mal gewonnen hat, eingegangen würde, doch offenbar wünscht sich Zverev eben auch mehr Wertschätzung.

Er versucht, seine Aussagen etwas herunterzuspielen, indem er sagt, dass es nicht um ihn gehen würde und meint: "Wieso spielt Novak zweimal auf dem Lenglen?", doch am Ende geht es ganz klar um ihn.

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Denn von den ersten sechs gesetzten Spielern ist er tatsächlich der Einzige, der bis zum Viertelfinale nur ein Mal auf dem größten Platz der Anlage, an dem 15.000 Zuschauer Platz finden, auflief. Novak Djokovic spielte zweimal dort, Daniil Medvedev zwei Mal, Stefanos Tsitsipas zwei Mal, Rafael Nadal drei Mal und Carlos Alcaraz eben drei Mal.

Muss Alexander Zverev am Dienstag in der "Session de Soirée" gegen Carlos Alcaraz ran?

Carlos Alcaraz (19) ist das neue Wunderkind des Tennis.
Carlos Alcaraz (19) ist das neue Wunderkind des Tennis.  © Thomas SAMSON / AFP

Er geht davon aus, dass es am Dienstag im Viertelfinale zu einem erneuten Nachtmatch für Alcaraz und damit auch ihm kommt.

Problem: Das zweite Viertelfinale in der oberen Hälfte ist das Gigantenduell zwischen Rafael Nadal und Novak Djokovic, doch offenbar hat der Spanier den Wunsch geäußert, nicht mehr abends spielen zu wollen.

"Dass Rafa und Novak sagen und bekommen, was sie wollen, ist völlig zu Recht und völlig klar für mich. Aber es ist jetzt ein neuer, junger Spieler dabei, der sehr viel Aufmerksamkeit bekommt – zu Recht, er ist ein unglaubliches Talent, er ist ein unglaublicher Spieler, und es macht Spaß, ihm zuzuschauen. Aber ich habe das Gefühl, die anderen Spieler werden so ein bisschen links liegen gelassen", meckerte Zverev weiter und fügte an:

"Ich werde sagen, dass ich tagsüber spielen wollen würde, aber ich glaube nicht, dass das wahrgenommen wird."

Am liebsten würde er 14 Uhr spielen, das Wetter solle so heiß wie möglich sein. Für das Aufeinandertreffen mit Wunderkind Alcaraz fühlt er sich gerüstet.

"Ich fühle mich bereit. Er ist einer der besten Spieler der Welt gerade, das ist gar keine Frage. Es ist auch überhaupt nichts gegen ihn. Ich finde, das Turnier sollte da ein bisschen einen besseren Job machen. Die Motivation für mich bei einem Grand Slam ist immer riesig. Ich bin 25 Jahre alt, ich bin schon in der Zeit, wo ich mal weit kommen sollte und eins gewinnen sollte. Ich möchte gutes Tennis spielen und hoffe, dass ich mein Spiel noch verbessern kann, diese Konzentrationsschwankungen nicht habe. Das werde ich mir gegen Alcaraz nicht erlauben können", weiß Zverev.

Man darf gespannt sein, wann die Partie letztlich angesetzt wird und wie das impulsive französische Publikum auf die Kritik am Turnierveranstalter reagiert.

Titelfoto: Bildmontage: Michel Euler/AP/dpa / JULIEN DE ROSA / AFP

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