Attila Hildmanns engster Vertrauter packt über den Verschwörungsprediger aus: "Kleine Wurst!"

Berlin - Attila Hildmann (40) stand diese Woche in der Mitte eines medialen Sturms, doch er dürfte sich eher ein Lüftchen laues erhofft haben. Hacker kaperten mehrere Online-Kanäle des prominenten Verschwörungspredigers. Ausgerechnet sein engster Vertrauter spielte dem Kollektiv "Anonymous" Datenmaterial und Zugangsdaten zu. Doch wer ist dieser Mensch?

Mehrere Internet-Kanäle des rechtsradikalen Verschwörungsprediger Attila Hildmann (40) wurden gekapert.
Mehrere Internet-Kanäle des rechtsradikalen Verschwörungsprediger Attila Hildmann (40) wurden gekapert.  © Christophe Gateau/dpa

Sein Name ist Kai E., Programmierer, 22 Jahre alt und stammt aus Bayern, wie jetzt t-online berichtet. In einer virtuellen Pressekonferenz auf Einladung von "Anonymous" packt der IT-Spezialist, der mit Hildmann in die Türkei flüchtete, jetzt aus.

"Ich hoffe, dass wir es bald so hinter uns bringen, dass er einsitzt", sagt der Mann mit den blonden Haaren direkt zu Beginn, der 100.000 E-Mails von dem Wut-Koch mitgenommen, dessen Onlineshop lahmgelegt und alle Kundendaten an sich gerissen hatte.

Über Hildmann verrät der It-Adminsitrator, dass er "sehr eingeschränkt in seiner Weltsicht" sei und fügt hinzu: "Er liebt Krieg, er liebt Kampf." Der 40-Jährige sei nicht durch Medienhetze radikalisiert worden.

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"Er hatte diese Weltanschauung von Anfang an. Aber bei seinem Kampf geht es um etwas anderes", erklärt Kai E. "Er hat damit angefangen, weil er nichts mehr zu verlieren hat und er so narzisstisch ist und will, dass für irgendwas zu ihm aufgeschaut wird."

Das hat einen Grund, denn der sonst so erfolgreiche Restaurantbesitzer und Porsche-Fahrer habe vor dem finanziellen Ruin gestanden – und das schon vor der Corona-Pandemie.

Besonders pikant: Nach dem nach eigenen Angaben "ultrarechten" Kochbuchautor wird weiterhin mit einem Europäischen Haftbefehl gesucht. Der studierte Physiker lebe in der Türkei, werde aber nicht ausgeliefert, weil er einen türkischen und deutschen Pass habe.

Dem widerspricht Kai E.: "Er hat keine Staatsbürgerschaft der Türkei, aber er arbeitet daran." Der Verschwörungserzähler wurde in Berlin als Kind türkischer Eltern geboren, dann aber noch als Baby adoptiert.

"Für Deutschland erlischt damit eine frühere Staatsangehörigkeit, fürs Herkunftsland der Eltern hingegen nicht unbedingt", berichtet das Nachrichtenportal weiter.

Staatsanwaltschaft geht den Hinweisen nach

Attila Hildmann (40) setzte sich in die Türkei ab.
Attila Hildmann (40) setzte sich in die Türkei ab.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Kai E. spricht auch über die Gefahren, die vom Verschwörungsideologen ausgehen: "Hildmann hat sich als laute, drohende, aber kleine Wurst herausgestellt, ein weinerliches Kind. Er sagt Leuten, er schlägt sie kaputt, und wenn die ihn dann dazu auffordern, kommt von ihm nichts mehr."

Zwar stelle Hildmann an sich nicht die größte Gefahr dar, "sondern das, was er mit seinen Worten bei seinen Anhängern auslösen kann", ergänzt der IT-Fachmann. Diese seien "sehr überschaubar", dennoch: "Da gibt es Spinner, die definitiv zu gefährlichen Dingen bereit wären. Absolut unkalkulierbare Leute."

"Anonymous" kündigte indes an, Details zur Auswertung zu veröffentlichen. Dabei gehe es auch um Bilder, die den Vorwurf untermauern würden, dass der Haftbefehl gegen Hildmann aus der Justiz durchgestochen worden sei. Die Staatsanwaltschaft hatte im Mai mitgeteilt, dass wegen Verletzung von Dienstgeheimnissen ermittelt werde.

Attila Hildmann: Ermittlungen gegen Hildmann-Vertrauten: Infos an "Anonymus" verkauft
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Mittlerweile hat sich auch die Berliner Staatsanwaltschaft eingeschaltet: "Wir gehen sämtlichen Informationen, die sich aus den Veröffentlichungen der letzten Tage ergeben haben, nach", twitterte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag und fügte hinzu, sie könne "aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit keine weiteren Informationen" zu diesem Komplex veröffentlichen.

Titelfoto: Christophe Gateau/dpa

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