Wie Hessens Promis mit der Corona-Krise leben

Hessen/ Frankfurt am Mai - Die Corona-Krise wirkt sich auch auf das Berufs- und Privatleben von Prominenten aus Hessen aus. In einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) verraten Kirchen-Leute, Künstler und andere bekannte Berufsvertreter wie es ihnen geht, was ihnen nun besonders schwer fällt und was die Einschränkungen im öffentlichen Leben für sie ganz persönlich bedeuten.

"Der Alltag ist eine kreative Vollbremsung", sagt Moderatorin Bärbel Schäfer.
"Der Alltag ist eine kreative Vollbremsung", sagt Moderatorin Bärbel Schäfer.  © dpa/Christophe Gateau

Sänger Clemens Rehbein (27) von der Kasseler Elektropop-Gruppe Milky Chance ("Stolen Dance") sagt: "Das ist auf jeden Fall ein harter Einschnitt." Alle Konzerte sind bis auf Weiteres abgesagt. "Wir versuchen die Zeit so gut es geht zu nutzen und schreiben Songs und produzieren."

Wegen der Kontakt-Beschränkungen ist er viel zu Hause im Garten. "Mit Kindern wird es nie langweilig und man muss einfach ein wenig kreativ werden."

Die größte Umstellung bedeuten für ihn fehlende soziale Kontakte.

 Die pflegt er nun über Telefon oder Video-Telefonie, "anstatt sich abends nochmal zum Tee oder Wein zu treffen". Rehbein nimmt nun auch Projekte in Angriff, die daheim länger unerledigt blieben, "wie zum Beispiel das langersehnte Baumhaus zu bauen".

Moderatorin und Autorin Bärbel Schäfer (56) sagt: "Der Alltag ist eine kreative Vollbremsung." Die Kommunikation in Beruf und Alltag könne nur zu einem Teil über digitale Medien abgewickelt werden.

Auftritte und Moderationen und Auftritte sind abgesagt oder verschoben. Welche Umstellung ihr am schwersten fällt? "Das Treffen und konzentrierte gemeinsame Arbeiten mit den Kollegen." Wegen der Termin-Ausfälle hat Schäfer nun wenigstens mehr Zeit zum Lesen.

Henni Nachtsheim: "Räume Schubladen auf, an die ich mich seit Jahren nicht rangetraut habe"

Komiker und Autor Henni Nachtsheim nutzt die Zeit zu Hause auch zum Aufräumen,
Komiker und Autor Henni Nachtsheim nutzt die Zeit zu Hause auch zum Aufräumen,  © dpa/Andreas Arnold

Auch Lotto-Fee, Moderatorin und Autorin Franziska Reichenbacher (52) ist von der Krise betroffen. "Im öffentlich-kulturellen Bereich ist ja alles abgesagt, da habe ich in meinem Terminkalender auch viele Striche gemacht, berufliche Termine, Reisen, Veranstaltungen, eine Reihe von Lesungen."

Sie arbeitet derzeit viel im Home-Office. "Wenn ich die verzweifelten Menschen in Italien oder Frankreich sehe, wenn man sieht, welche Tragödien sich gerade in den Krankenhäusern abspielen und was die Pflegefachkräfte und Ärzteteams dort leisten, dann muss man sehr dankbar sein, wenn man gesund ist und noch im Home-Office sitzen kann.

Diese Tragödie ist geradezu unfassbar." Froh ist sie darüber, dass ihre Tochter dank verstärkter Sicherheits-Vorkehrungen die Abitur-Prüfungen absolvieren konnte.

Unterhaltungskünstler und Autor Henni Nachtsheim (62, "Badesalz") kann derzeit keine Auftritte absolvieren. Es ist für ihn ungewöhnlich so viel zu Hause zu sein.

"Normalerweise führe ich beruflich ein gemischtes Leben, nämlich als Autor und auf der Bühne. Da die Bühne jetzt erstmal wegfällt, nutze ich die Zeit verstärkt zum Schreiben. Und wenn ich mal keine Lust habe, räume ich Schubladen auf, an die ich mich seit Jahren nicht rangetraut habe."

"Amigo" Bernd Ulrich schreibt Duett mit Tochter Daniela Alfinito

Bernd Ulrich vom Schlager-Duo "Die Amigos" hat nun mehr Zeit für die Musik-Produktion.
Bernd Ulrich vom Schlager-Duo "Die Amigos" hat nun mehr Zeit für die Musik-Produktion.  © dpa/Silas Stein

Für den Frankfurter Schriftsteller Bodo Kirchhoff (71, "Widerfahrnis") und Träger des Deutschen Buchpreises (2016) gibt es hingegen weniger Auswirkungen: "Meine Arbeit entsteht seit jeher in Isolation. Es bleibt sozusagen alles beim Alten."

Doch fernab der Arbeit ist er beunruhigt: "Natürlich habe auch ich Sorge um die Gesundheit meiner Familie und um die eigene, und diese tägliche Sorge ist etwas Neues und auch sehr Belastendes für mich.»

Das Schlager-Duo "Die Amigos" hat derzeit wegen fehlender Auftritte mehr Zeit für die Musik-Produktion: "Unser neues Album ist fertig, 'Tausend Träume' heißt es und soll im Juli präsentiert werden", sagte Bernd Ulrich (69). "Dann schreibe ich Titel für meine Tochter Daniela Alfinito. Ein Duett wird dabei sein, ein Duett mit Papa. Ich bin schon gespannt darauf, wir werden irgendwann damit ins Studio gehen."

TV-Moderator Holger Weinert (68) nerven die "starken Ausgangsbeschränkungen und zu autoritäre Haltungen". Das sei eine drastische Einschränkung von Grundrechten.

Weinert bewundert in der Krise alle Kassiererinnen, Marktfrauen und Pflegekräfte, "die so standhaft durchhalten". Ihn ärgert auch, dass "das Gesundheitssystem 25 Jahre lang kaputt gespart" wurde.

"Das dürfen wir jetzt ausbaden." Zum Zeitvertreib streicht er zu Hause die Wände. "Aber sehr lange habe ich dazu keine Lust mehr. An diesen Frühling werden wir leider alle noch lange zurückdenken."

Titelfoto: Bild-Montage: dpa/Silas Stein, dpa/Uwe Zucchi, dpa/Andreas Arnold

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