Bill Kaulitz: "Wenn die rausfinden, dass ich ein Junge bin, werden die mich umbringen"

Halle (Saale)/Los Angeles - In einem Interview mit MDR Jump sprach Tokio Hotel-Frontmann Bill Kaulitz (31) offen über das Mobbing, das er in seiner Kindheit und Jugend über sich ergehen lassen musste.

Unfassbar: Mit Postern wurde vor rund 15 Jahren dazu aufgefordert, den damals noch jugendlichen Bill zu "killen".
Unfassbar: Mit Postern wurde vor rund 15 Jahren dazu aufgefordert, den damals noch jugendlichen Bill zu "killen".  © Screenshot Youtube: MDR Jump

Denn wie sich vielleicht der ein oder andere erinnert, bekam vor allem der schon als Teenie sehr extravagante Bill am Anfang seiner Karriere jede Menge Gegenwind.

Das gipfelte sogar darin, dass die jungen Musiker mit Gegenständen beworfen wurden. Der größte Hass richtete sich dabei gegen Bill: Seine Hater kreierten unter anderem "Killt Bill"-Plakate und Shirts, die sich gegen ihn richteten.

"Das war natürlich noch 'ne ganz andere Zeit", erklärt Bill im Interview. "Ich hab das Gefühl, dass wir immer fast zu visuell und zu amerikanisch waren für Deutschland."

Diese schlimmen Erfahrungen, die Bill mit seinen Mitmenschen machen musste, begannen allerdings nicht erst während seiner Zeit bei Tokio Hotel, wie er in dem Gespräch verrät.

Schon während seiner Schulzeit wurde Bill mit viel Ablehnung konfrontiert. Heute erklärt er sich diese Reaktionen vor allem mit der "unterdrückten Sexualität" seiner Hater.

"Wenn die rausfinden, dass ich ein Junge bin, werden die mich umbringen"

Bill (31, r.) wurde als Kind für die Schwester seines Zwillingsbruders Tom gehalten - und erhielt deshalb jede Menge Liebesbriefe. (Archivbild)
Bill (31, r.) wurde als Kind für die Schwester seines Zwillingsbruders Tom gehalten - und erhielt deshalb jede Menge Liebesbriefe. (Archivbild)  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Bereits in der Grundschule war Bill wegen seiner langen, dunklen Haare aufgefallen - weswegen ihn zunächst alle für ein Mädchen hielten.

"Dann haben alle Jungs, bis 16 Jahre, sich in mich verliebt... als 'Schwester von meinem Bruder' und haben ihm Liebesbriefe gegeben für die 'Schwester'", erinnert er sich an diese schwierige Zeit zurück, die für ihn besonders von viel Angst geprägt war.

So dachte er sich damals: "Wenn die rausfinden, dass ich ein Junge bin, werden die mich umbringen", und traute sich während des Unterrichts nicht, etwas zu trinken - aus Furcht, aufs Klo zu müssen und dort seinen Mitschülern zu begegnen.

Als Zehnjähriger etwa wurde er im Schwimmbad von anderen Kindern in eine Ecke gedrängt und mit dem Kopf unter die Dusche gehalten: "Schule war so ein Überlebenskampf."

Diese Angst vor Angreifern sowohl als Kind als auch als Jugendlicher begleitet ihn bis heute. Auch als mittlerweile 31-Jähriger bekommt er noch immer einen Schrecken, wenn er nachts laute Stimmen hört.

Zumindest im Showbusiness habe sich diese Ablehnung und Gewalt gegenüber extravaganten Menschen inzwischen aber geändert, so Bills Auffassung. "Ich glaube zum Beispiel heute, 15 Jahre später, wäre das eben auch nicht mehr okay, 15-Jährige mit Sachen zu bewerfen."

Titelfoto: Screenshot Youtube: MDR Jump

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