"Falsch zitiert": Boris Becker wehrt sich gegen angebliche Depressions-Aussagen

Von Martin Gaitzsch und Sebastian Stiekel

London/Hannover - Für seine Aussagen über die viermalige Grand-Slam-Siegerin Naomi Osaka (23) ist der deutsche Tennis-Star Boris Becker (53) von der Robert-Enke-Stiftung kritisiert worden. Via Social Media versucht sich der Ex-Wimbledon-Gewinner zu erklären.

Tennis-Profi Naomi Osaka (23) hat erklärt, dass sie an Depressionen leidet und den medialen Druck dafür mitverantwortlich gemacht.
Tennis-Profi Naomi Osaka (23) hat erklärt, dass sie an Depressionen leidet und den medialen Druck dafür mitverantwortlich gemacht.  © Aurelien Morissard/XinHua/dpa

"Lieber Boris Becker, Dein Ernst? Naomi Osaka ist nicht gesund! Depression ist keine Frage von Geld, Erfolg oder Luxus - Depression ist eine Krankheit, die leider jeden erwischen kann. Und es ist ein Thema, das über eine leichtfertig getroffene Aussage hinaus geht", wies Teresa Enke (45) am Donnerstag Becker zurecht.

Die 45-Jährige ist Vorsitzende der Stiftung und Witwe des früheren deutschen Fußball-Nationaltorwarts Robert Enke, der sich 2009 das Leben nahm.

Vor einigen Stunden hat Boris Becker auf die Vorwürfe reagiert, wandte sich dabei an Waltraud Rinke, die Vorsitzende der Deutschen Depressionsliga. Die Organisation hatte sich ebenfalls am Donnerstag mit einem längeren Statement an Becker gewandt.

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Auf Instagram antwortet der Sportler und behauptet, dass "The Times" Tatsachen verdreht hätte. "Leider wurde ich (wieder einmal) von einer Zeitung (The Times) falsch zitiert!", so Becker.

Er habe auch schon ein Familienmitglied durch die Krankheit verloren, Osaka selbst zu einer Auszeit geraten und bei Eurosport und BBC mit Besorgnis auf das Geständnis des japanischen Tennis-Stars reagiert. "Leider schaffte es diese Aussage nicht zur Schlagzeile, also wurde eine falsche erfunden", schreibt der 53-Jährige zum Ende seines Postings.

Die 23 Jahre alte Naomi Osaka leidet nach eigenen Angaben seit mehr als drei Jahren an dieser Krankheit und macht dafür auch medialen Druck verantwortlich, dem sie sich ausgesetzt fühlt.

Aus diesem Grund sagte die je zweimalige US- und Australian-Open-Siegerin nach ihrer Aufgabe bei den French Open auch ihre Teilnahme am derzeit laufenden Wimbledon-Turnier ab.

Mit diesem Statement wandte sich die Deutsche Depressionsliga an Boris Becker

Theresa Enke (45) zeigte sich bestürzt von Boris Beckers Aussagen (53).
Theresa Enke (45) zeigte sich bestürzt von Boris Beckers Aussagen (53).  © Montage: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa / Hauke-Christian Dittrich/dpa

Boris Becker fühlt sich von "The Times" falsch zitiert

Becker soll dazu in einem Interview der Zeitung "The Times" gesagt haben: "Wenn du mit den Medien nicht umgehen kannst, ist es sehr schwer, ein professioneller Tennisspieler zu sein. Und es ist schwierig, dein Preisgeld und das Geld deiner Sponsoren ohne die Medien zu verdienen."

In Form mehrerer rhetorischer Fragen sagte der 53-Jährige weiter: "Ist das wirklich Druck? Ist es nicht Druck, wenn du kein Essen auf dem Tisch hast? Wenn du deine Familie ernähren musst und keinen Job hast? Du bist 23, du bist gesund, du bist reich, deiner Familie geht's gut – wo ist da der verdammte Druck?"

Titelfoto: Montage: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa / Hauke-Christian Dittrich/dpa

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