Carolin Kebekus über die katholische Kirche: "Es wird ja immer absurder"

Köln - Die derzeit erfolgreichste deutsche Komikerin und Grimme-Preisträgerin 2021 Carolin Kebekus (41) hat sich immer wieder kritisch mit der katholischen Kirche auseinandergesetzt.

Carolin Kebekus (41) im Sommer 2020 bei einem Fototermin.
Carolin Kebekus (41) im Sommer 2020 bei einem Fototermin.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Wenn Carolin Kebekus als kleines Mädchen ihren Teller nicht leer aß, sagte ihre Oma immer zu ihr: "Der Jesus ist ganz traurig! Der Jesus weint!" Kebekus imitiert den schlesischen Akzent ihrer Großmutter, wenn sie die Sätze heute nachspricht.

Einmal nahm der Westdeutsche Rundfunk eine Kirchensatire von ihr aus dem Programm, in der sie als rappende Nonne an einem Kruzifix leckte und vor dem gekreuzigten Jesus den Rock hob.

Mehr als 100 Strafanzeigen und mehrere Morddrohungen gingen damals ein.

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Für einen Beitrag in der "heute-show" bewarb sie sich bei den deutschen Bischöfen als Päpstin.

Kommentar von Kardinal Meisner: "Da haben Sie nicht die Figur dazu."

Doch es ist keineswegs so, als hätte sie nur Hohn und Spott für die Kirche übrig.

Eher scheint es so zu sein, dass sie sich gerade deshalb so an dem Thema abarbeitet, weil ihr der Glaube etwas bedeutet. Damit steht sie wohl für viele Frauen in Deutschland.

Carolin Kebekus wurde 1980 in eine urkatholische Kölner Familie hineingeboren. Die Eltern waren stark in ihrer Pfarrgemeinde engagiert, machten dort Musik, betreuten Gruppen, gestalteten Gottesdienste mit. "Das war so eine Art Hippie-Katholizismus, ganz familiär", erinnert sich Kebekus.

"An der Stelle wurde mir klar, dass Jesus mit der heutigen Kirche nichts zu tun haben kann"

Carolin Kebekus in ihrem kirchenkritischen Musiksong "Im Namen der Mutter".
Carolin Kebekus in ihrem kirchenkritischen Musiksong "Im Namen der Mutter".  © --/WDR /dpa

Aus der Kirche ausgetreten ist sie erst viel später, mit über 30 Jahren.

Auslöser war der Fall einer jungen Frau, die in Köln nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung an zwei katholischen Krankenhäusern abgewiesen wurde - offenbar wegen Bedenken, dass sie die "Pille danach" verlangen könnte.

"An der Stelle wurde mir klar, dass Jesus mit der heutigen Kirche nichts zu tun haben kann", sagt Kebekus.

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"Ich fand das so schrecklich, dass ich in einer Spontanaktion ausgetreten bin. Damals konnte man ohne Termin ins Amtsgericht reingehen und an einem Automaten austreten. Das war noch viel einfacher als heute."

Als sie einige Monate später ihrem Vater davon erzählte, erfuhr sie zu ihrer großen Überraschung, dass er auch schon ausgetreten war.

Sie hat den Schritt nie bereut. "Es wird ja immer absurder", findet sie und verweist auf das kürzlich vom Vatikan erlassene Verbot, homosexuelle Paare zu segnen.

"Wie unmenschlich ist das, dass die Kirche sich hinstellt und sagt: "Wir segnen keine homosexuellen Paare, denn Homosexualität ist Sünde, aber wir segnen das neue Absperrgitter vor dem Kölner Dom."

Auch nach ihrem Austritt betrachtet sie sich weiterhin als Katholikin und unterstützt die Reformbewegung Maria 2.0, die sich für die gleiche Behandlung von Frauen und Zugang zu allen Ämtern einsetzt.

Theoretisch kann sie sich vorstellen, irgendwann auch wieder in die Kirche einzutreten.

"Wenn Frauen und diversen Menschen der Zugang zu allen Ämtern gestattet werden würde, wenn das Zölibat abgeschafft werden würde, dann geht's wieder dahin, was Jesus wollte. Jesus, der gesagt hat: "Hey Leute, wisst ihr eigentlich, dass Gott alle Menschen liebt?" Mind blowing! Wenn alle an einem Tisch sitzen und die Liebe feiern würden, um es jetzt mal ganz romantisch zu sagen, dann würde es wieder Sinn machen, und dann wäre ich auch wieder dabei."

Titelfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

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