Eckart von Hirschhausen: "Auf Herzinfarkt verzichte ich gerne"

Deutschland - Corona- und Klima-Krise sind nach Ansicht Eckart von Hirschhausens (53) nicht unabhängig voneinander zu sehen. In seinem Buch "Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben" beschreibt der Kabarettist, Autor und TV-Moderator, warum das Handeln gegen die Klima-Krise so dringlich ist.

TV-Arzt Dr. Eckart von Hirschhausen (53) vermittelt seit mehr als 20 Jahren als Kabarettist, Autor und TV-Moderator medizinisches Wissen auf humorvolle Art.
TV-Arzt Dr. Eckart von Hirschhausen (53) vermittelt seit mehr als 20 Jahren als Kabarettist, Autor und TV-Moderator medizinisches Wissen auf humorvolle Art.  © Julian Engels/HERBERT Management/dpa

Ein Ende der Corona-Krise scheint in Sicht. Wird es bei zwei weiteren Krisen, der Klimaerhitzung und dem Artensterben, auch so schnell gehen, wenn wir mal beschließen: Nun aber wirklich, wir reißen jetzt mal das Steuer rum?

Eckart von Hirschhausen: Das wäre schön! Gegen Viren kann man impfen. Gegen Hitze nicht. Auf meinem Buch habe ich einen Button: "Drei Krisen zum Preis von zweien". Was wie ein Marketing-Gag aussieht, meint: Die Krisen unserer Zeit hängen eng zusammen. Und vieles ist leider schon verpasst und verloren. Eine Art, die wir ausgerottet haben, kommt nie mehr zurück. Da hat die Evolution über Millionen Jahre durch Versuch und Irrtum ihre besten Ideen verwirklicht, und wir zerstören dieses Buch des Lebens, bevor wir es überhaupt gelesen, geschweige denn verstanden haben. Wir müssen nicht "das Klima" retten - sondern uns.

Welche Folgen für die Gesundheit machen Ihnen mit Blick auf die Klimakrise besonders Sorgen?

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Luftverschmutzung ist weltweit das Schlimmste, killt mehr Menschen als das Rauchen, und verkürzt auch unser Leben in Deutschland massiv. Der Dreck in der Luft hängt maßgeblich an der Verbrennung von fossiler Energie: Kohle, Diesel, Öl. Dabei entsteht Feinstaub, der dann unter anderem auch für Viren eine Art Taxi ist in die vorgeschädigte Lunge. Dort, wo die Luft am dreckigsten ist, verläuft auch Covid-19 besonders schwer. Wie gesagt: Die Krisen hängen zusammen. Wir diskutieren die Energiewende aber immer noch so, als wäre es primär ein Thema für Ingenieure. Der große Vorteil von Windrädern und Solaranlagen ist doch: Sie stinken nicht im Betrieb. Wir könnten es echt schöner haben - und viel gesünder.

Worauf verzichten Sie persönlich?

Auf viel Fleisch, auf innerdeutsche Flüge und darauf, alle Fragen ausführlich zu beantworten, die am Kern des Themas vorbeigehen: Die großen Hebel liegen nicht im schlechten Gewissen, sondern in einer besseren Politik.

Aber das Wort "Verzicht" hören Menschen nicht gern. Kann Verzicht auch Gewinn sein? Was gibt es zu gewinnen?

Jede Menge Lebensqualität! Wir könnten viel klarer betonen, welche Vorteile wir selber haben, wenn wir für den Klimaschutz handeln: Rad statt Auto, Zug statt Flugzeug und Gemüse statt Fleisch. Und in einer Welt, in der rund zwei Milliarden Menschen übergewichtig und eine Milliarde mangelernährt sind, müsste es doch eine bessere Verteilung zum Wohle aller geben, oder? Was dem Körper guttut, tut auch dem Planeten gut. Und das ist vor allem weniger Fleisch, weniger Zucker und Milchprodukte, mehr Nüsse, Hülsenfrüchte und buntes Gemüse. Es könnten so Millionen Zivilisationskrankheiten verhindert werden. Und auf Herzinfarkte und Schlaganfälle - darauf verzichte ich gerne! Sie nicht?

Gibt es in Ihrem Buch bei allem Ernst der Themen auch etwas zu lachen?

Ja klar, wie in allen meinen Büchern baue ich Teile aus meinem aktuellen Bühnenprogramm ein, es gibt viele Fotos, witzige Grafiken, Zitate und ich verschweige auch nicht, dass wir ja alle in unseren Widersprüchlichkeiten stecken, was für andere oft komischer ist als für uns selbst.

Titelfoto: Julian Engels/HERBERT Management/dpa

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