Gil Ofarim: Opfer oder Täter? "Die letzten zwei Wochen waren die Hölle auf Erden!"

Leipzig - Kette getragen oder nicht? Antisemitisch diskriminiert oder nicht? Opfer oder Täter? Einige der Fragen, die sich spätestens seit Veröffentlichung der Kameraaufzeichnungen aus dem Leipziger "The Westin"-Hotel bei Gil Ofarim (39) aufwerfen. Nun hat er ein weiteres Mal Stellung bezogen und von der "Hölle auf Erden" gesprochen.

Gil Ofarim (39) stellte sich am Mittwochabend noch einmal kritischen Nachfragen.
Gil Ofarim (39) stellte sich am Mittwochabend noch einmal kritischen Nachfragen.  © Gerald Matzka/dpa

Dass sich jener 4. Oktober nun schon die dritte Woche hartnäckig in den Medien und Köpfen der Menschen hält, untermauert das Ausmaß des angeblichen Angriffs auf Sänger Gil Ofarim.

Nachdem sich viele Menschen mit dem Musiker schnell solidarisiert hatten, obwohl sie nur eine Seite gehört hatten, warf das jüngst veröffentlichte Videomaterial aus besagtem Hotel Zweifel am Wahrheitsgehalt der Story auf.

Diese nun zweite Welle, in deren Zuge er heftigst angefeindet wird, könne er "nicht nachvollziehen", sagte er am späten Mittwochabend bei Stern TV.

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Er könne weiterhin verstehen, dass es Menschen gibt, die seine Version nach Betrachtung der Videoaufzeichnungen für nicht glaubwürdig erachten.

Schließlich ist die silberfarbene Kette mit dem Davidstern, die er nach dem angeblichen Vorfall über seiner Kleidung trug und in seine Handykamera hielt, weder vor noch im Hotel zu sehen.

Ofarim beteuerte: "Ich hatte meinen Stern immer dabei. Ich habe ihn eine Stunde zuvor in einer Fernsehshow angehabt und wüsste nicht den Grund, wieso ich ihn ausziehen sollte."

Gil Ofarims Video zum angeblichen Antisemitismus-Vorfall im Leipziger Westin-Hotel

Gil Ofarim: "Der Mann zog mir das Check-In-Formular weg!"

Im Leipziger Hotel "The Westin" soll sich der antisemitische Vorfall ereignet haben.
Im Leipziger Hotel "The Westin" soll sich der antisemitische Vorfall ereignet haben.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Etwas relativieren, ergänzen oder zurücknehmen wollte der 39-Jährige auf Nachfrage von "Stern TV"-Moderator Steffen Hallaschka (49) nicht: "Nein, auf keinen Fall. Warum? Wieso sollte ich jetzt etwas anderes sagen, als ich es zuvor gesagt hab und in den letzten zwei Wochen auch?"

Der "Let's Dance"-Gewinner von 2017 beschrieb noch einmal die Szene, die ihm widerfahren sein soll: Ein Mann habe ihm in der Warteschlange der Rezeption "Pack Deinen Stern ein" von hinten zugerufen. Ofarim habe ihn aber nicht ausfindig machen können.

"Ich war der Einzige, der den Mund aufgemacht hat und gefragt hat, warum andere Menschen vorgezogen werden." Als er an der Reihe war, zeigte er - das bestätigen auch die Aufnahmen - nach hinten in die Schlange, woraufhin der Mitarbeiter jenen Satz wiederholt habe.

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Ofarim habe nach dem Hotelmanager verlangt, der nach Auskunft des beschuldigten Angestellten aber nicht da gewesen sei. "Ich hab dann gesagt, ich ruf meine Managerin an. Der Mann zog mir das Check-In-Formular weg und sagte noch: 'Drohen Sie mir etwa?' Da habe ich gewusst, ich muss hier raus. Es gibt nichts, was mir helfen kann."

"Wann soll ich mir die Kette über den Kopf gezogen haben, um dann das Video zu machen?"

Vor dem Hotel hatten sich noch am Abend der Veröffentlichung der Vorwürfe Hunderte Menschen spontan zu einer Demo zusammengefunden, ohne belegbare Hintergründe zu kennen.
Vor dem Hotel hatten sich noch am Abend der Veröffentlichung der Vorwürfe Hunderte Menschen spontan zu einer Demo zusammengefunden, ohne belegbare Hintergründe zu kennen.  © Dirk Knofe/dpa

Die Kameraaufzeichnungen zeigen ebenfalls, wie der Sohn des israelischen Sängers Abi Ofarim (†80) vor dem Hotel sitzt und das Video aufnimmt, das er am nächsten Morgen postete. "Wann soll ich mir die Kette über den Kopf gezogen haben, um dann das Video zu machen?", fragte er.

Man dürfe keine Witze über Antisemitismus machen und ihn auch nicht für PR-Zwecke missbrauchen, was dem 39-Jährigen nun nachgesagt wird. "Mich bestürzt das total, ich habe keine Worte dafür. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man mir sowas vorwerfen kann."

Er würde auch ein nächstes Mal den Mund aufmachen und derartige Vorfälle öffentlich machen. "Aber die letzten zwei Wochen waren die Hölle auf Erden. Für etwas, das nicht mal bewiesen ist, ob es stimmt oder nicht."

Journalist Philipp Peyman Engel von der "Jüdischen Allgemeinen" sprach im RTL-Studio von einer "Katastrophe für den Kampf gegen Antisemitismus", sollte Ofarim die Geschichte frisiert oder gar erfunden haben.

Das Westin-Hotel teilte am Mittwoch mit, keine Maßnahmen gegen den beschuldigten Mitarbeiter zu ergreifen, da nach Erstellung eines 118 Seiten langen Gutachtens und "unter Berücksichtigung aller verfügbaren Beweismittel" keine "objektivierbaren Anhaltspunkte vorliegen, die es rechtfertigen würden, strafrechtliche und/oder arbeitsrechtliche Maßnahmen (...) zu ergreifen".

Titelfoto: Bildmontage: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa, Gerald Matzka/dpa

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