Besondere Helden als bitterböse Satire-Version: Hier lacht niemand mehr, oder?

Köln - Die #BesondereHelden-Kampagne der Bundesregierung sorgte in der vergangenen Woche für Aufreger, Lacher, Witz und Kritik. Doch Satiriker Jan Böhmermann (39) setzte einen drauf und drehte eine bitterböse Satire-Version. Wer sie sich anschaut, wird wohl kaum noch lachen.

Satiriker Jan Böhmermann (39) in der neuesten Ausgabe des "ZDF Magazin Royale".
Satiriker Jan Böhmermann (39) in der neuesten Ausgabe des "ZDF Magazin Royale".  © ZDF Magazin Royale / screenshot

Die Werbekampagne zielte im Original auf junge Menschen in Deutschland ab, sich während der Corona-Pandemie möglich zu Hause aufzuhalten, Ansteckungen so keine Chance zu geben.

Kurzum: Mit Nichtstun zu besonderen Helden der Krise zu werden.

In den Videos berichten gealterte Zeitzeugen rückblickend über den Winter 2020.

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"Unsere Couch war die Front und unsere Geduld war die Waffe... Das war unser Schicksal. So wurden wir zu Helden", heißt es in dem Video der ursprünglichen Videos.

Jan Böhmermann zeigte in der neuesten Ausgabe des "ZDF Magazin Royale" eine eigene Version, die fast identisch ist.

Vorweg lobte Böhmermann die Aktion der Regierung. "Das finde ich als Humorprofi richtig cool", bezog er sich auf den Fakt, dass die Regierung mit Humor einen Werbespot gestalten wollte.

Böhmermanns Variante ging aber in eine andere Richtung. "Ich glaube, es war der Winter 2020, als das ganze Land auf uns schaute", beginnt ein Schauspieler ganz ähnlich zum Original.

So berichtet dieser ebenfalls rückblickend: "Ich hab damals in Chemnitz Politik studiert, als das damals passierte." Der Zuschauer denkt bis zu diesem Moment weiterhin an die Corona-Krise, doch es kommt ganz anders.

Böhmermann-Version: "Richtig viele Menschen sind damals täglich ertrunken"

"Ja, damals flohen täglich Menschen über das Mittelmeer, aus Afrika oder dem nahen Osten. Viele sind dabei ertrunken. Also fassten wir alle unseren Mut zusammen und taten, was von uns erwartet wurde. Das einzig Richtige. Wir taten: Nichts."

An diesem Punkt offenbart sich die zynisch-satirische Wende des Böhmernann-Videos: "Ich weiß noch, unser Verkehrsminister hat sogar Rettungsboote festsetzen lassen", heißt es.

Das Video gipfelt in der trostlosen Aussage: "Richtig viele Menschen sind damals täglich ertrunken, jahrelang. Und wir, wir waren faul wie die Waschbären."

Die Bilanz des Schauspielers in der Satire: "Das war ja nicht unser Schicksal, sondern von irgendwelchen Wirtschaftsflüchtlingen, die wir gar nicht kannten." Er schließt ab mit den Worten: "Wir waren wirklich echte Helden, damals im Jahr 2020.

Angesichts des aktuellen Krieges in Äthiopien mit Zehntausenden Flüchtlingen, in Afghanistan und der drohenden Hungersnot für Millionen Menschen im Jemen aufgrund eines Bürgerkriegs ist das Video somit Finger in der Wunde der deutschen Flüchtlingspolitik.

Titelfoto: ZDF Magazin Royale / screenshot

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