Jan Böhmermann trollt die Luca-App und zeigt deren größte Schwäche

Hamburg - Nun hat auch Jan Böhmermann (40) die Luca-App ins Visier genommen. Bislang waren es hauptsächlich Programmierer, Datenschützer und Netzaktivisten, die Kritik daran formuliert haben. Der Moderator zeigte eine Schwäche der App einem breiteren Publikum auf.

Jan Böhmermann (40) machte sich einen Spaß draus und verbrachte eine virtuelle Nacht im Zoo Osnabrück. (Archivbild)
Jan Böhmermann (40) machte sich einen Spaß draus und verbrachte eine virtuelle Nacht im Zoo Osnabrück. (Archivbild)  © Sven Hoppe/dpa

Es reicht das Foto eines QR-Codes aus, um sich von jedem Ort der Welt bei einem mitmachenden Geschäft anzumelden. TAG24 gelang es auf diese Weise, sich an einem Sonntag im März auf die Besucherliste eines zu der Zeit nicht geöffneten Modehauses in Rostock zu setzen.

Von dieser Schwäche der Luca-App bekam inzwischen auch Böhmermann Wind. Der 40-Jährige rief in der Nacht auf Mittwoch via Twitter dazu auf, mithilfe der Anwendung eine Nacht im Zoo Osnabrück zu verbringen. Dazu veröffentlichte er ein Foto des dazu notwendigen QR-Codes. Daraufhin meldeten sich mehr als hundert Menschen an.

Eigentlich soll die App das Nachverfolgen von Kontakten erleichtern und die mitmachenden Betriebe von der manipulationsanfälligen Zettelwirtschaft befreien. Kultur und Gastronomie schöpften nach Monaten des Lockdowns Hoffnung. Rapper Smudo (53) bewarb die Luca-App unter anderem in Talkshows.

So soll Luca funktionieren: Nutzer registrieren sich mit Name, Adresse und Handynummer. Bei Betreten eines Geschäfts melden sie sich dort an, beim Verlassen ab. Kommt es zur Infektion, bekommt das Gesundheitsamt die Daten und kann die Kontakte nachverfolgen.

Von der Sehnsucht der Menschen nach einem Ende der Corona-Maßnahmen getrieben, begannen Bundesländer und Städte Lizenzen zu kaufen.

So rief Jan Böhmermann zum virtuellen Zoo-Besuch auf

Das sagt der Geschäftsführer der Luca-App dazu

Die Luca-App arbeitet mit QR-Codes, die anfällig für Missbrauch sind.
Die Luca-App arbeitet mit QR-Codes, die anfällig für Missbrauch sind.  © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Doch anscheinend haben die Macher mehr versprochen, als sie halten können. So funktioniert das automatische Abmelden von einem besuchten Ort nicht auf Android-Geräten.

Zuletzt hieß es Mitte März, dass die Funktion "sehr zeitnah" zur Verfügung stehen würde. Auf eine erneute Nachfrage dazu reagierte Patrick Hennig (32), Mitgründer und Geschäftsführer von neXenio, das die App entwickelt, nicht.

Dagegen nahm er aber Stellung zur Aktion von Böhmermann. "Selbst wenn er sich als Michi Beck registriert, ist es noch immer sein Handy und seine Telefonnummer. Am meisten schadet sich der, der den Missbrauch begeht dabei selbst", antwortet Hennig.

Im Fall einer gemeldeten Corona-Infektion entstehe kein Schaden, da eine Warnung immer einer fachlichen Prüfung des Gesundheitsamtes voraussetze. Das könne zwar zum Test auffordern, aber im allerschlimmsten Fall werde umsonst getestet.

Alternativ auf Standort-Daten zurückzugreifen, um eine Manipulation zu verhindern, würde "unserer Idee der Datensparsamkeit jedoch widersprechen".

Hunderttausende melden sich bei falschem Treffen an

Nur wenige Stunden später wiederholte Böhmermann das Experiment und meldete sich von Potsdam aus in einem Modehaus in Bohmte (Niedersachsen) an. "Ich stöbere jetzt ein wenig bei den Blusen und Jeans. Die App funktioniert tadellos und ist ihr Geld absolut wert!", schrieb der 40-Jährige.

Welche absurden Mengen an falschen Daten entstehen können, demonstrierte Enno Lenze. Beim vermeintlichen privaten Treffen des Journalisten checkten am Mittwochnachmittag mehrere hunderttausend Menschen ein.

Bei 411.468 Gästen war Schluss, das Handy hängte sich auf. Doch weiter strömten vermeintliche Besucher auf das Treffen. Nach mehr als 600.000 wurde die Veranstaltung seitens Luca-Macher aufgelöst.

Eigentlich sollten mit der App Fake-Einträge wie Micky Maus auf Kontaktlisten der Vergangenheit angehören. Doch die Rechnung wurde wohl ohne den Wirt gemacht.

Hoffentlich bekommt kein Gesundheitsamt eine so lange Teilnehmerliste zur Nachverfolgung!

Titelfoto: Montage: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa, Sven Hoppe/dpa

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