"Let's Dance"-Juror Jorge González in großer Sorge: "Die Gewalt muss aufhören"

Hamburg - Der kubanische Entertainer und Choreograf Jorge González (53) ist wegen der Gewalt gegen die Massenproteste auf Kuba sehr besorgt und wütend.

Jorge González (53) zeigt Verständnis für die Protestierenden.
Jorge González (53) zeigt Verständnis für die Protestierenden.  © Daniel Karmann/dpa

"Diese Eskalation macht mir Angst. Ich bin wegen der Repressalien wütend und besorgt um die Menschen. Ich habe nie gedacht, dass in meinem Land so etwas passieren kann", sagte der Wahl-Hamburger.

Die Proteste gegen die Regierung kämen nicht nur von wenigen Leuten, sondern von der breiten Bevölkerung. "Die Kubaner haben nach vielen Jahrzehnten des Mangels und Missstandes nun eine Grenze erreicht", so der 53-Jährige. "Sie haben genug von der schlechten medizinischen und der schlechten Lebensmittelversorgung. Sie können einfach nicht mehr."

Der "Let's Dance"-Juror zeigte dabei Verständnis für die meist jungen Protestierenden: "Diese neue Generation hat das Recht, zu sagen, was sie will und was sie denkt und welche Veränderungen ihrer Meinung nach notwendig sind."

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Das sei bislang nicht erlaubt gewesen. "Dass alles bleibt, wie es ist, ist unmöglich. Die Welt verändert sich. Und das kubanische Volk hat das Recht zu sagen, was es denkt. Sie müssen sich nicht mehr verstecken wie früher." Er halte es dabei mit dem Schriftsteller José Martí, der schon im 19. Jahrhundert für Unabhängigkeitsdenken stand. "Der hat gesagt: Freiheit ist das Recht eines jeden, ehrlich zu sein und nicht Heuchelei zu denken oder zu sagen."

Seiner Meinung nach müsse die Regierung mit den jungen Leuten sprechen und zusammen mit ihnen ein besseres Kuba aufbauen. "Mir geht es nicht nur um den politischen Aspekt. Mir geht es um den Mensch, um die kubanischen Menschen. Die Gewalt muss aufhören."

Es ist von 300 Vermissten die Rede

Anti-Regierungs-Demonstranten protestieren in Havanna, Kuba.
Anti-Regierungs-Demonstranten protestieren in Havanna, Kuba.  © Eliana Aponte/AP/dpa

In den vergangenen Tagen hatten Tausende Kubaner in zahlreichen Städten für Freiheit, gegen Unterdrückung und Mangelwirtschaft demonstriert. Solche Proteste hatte es seit Jahrzehnten in dem Karibikstaat nicht mehr gegeben. Die autoritäre Regierung erklärte, es handle sich um gewaltsame Unruhen, die die USA angezettelt hätten.

Offizielle Angaben zur Zahl der Festnahmen gab es nicht. Auf Listen von Vermissten standen jedoch rund 300 Menschen. Die Regierung meldete bisher einen Todesfall, einige mehr wurden vermutet.

Kubas Wirtschaft leidet stark unter dem Einbruch des Tourismus in der Pandemie sowie unter US-Sanktionen. Es fehlt in Kuba an Lebensmitteln und Medikamenten.

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Auch stiegen die Zahlen der Corona-Infektionen und -Todesfälle zuletzt deutlich.

Titelfoto: Daniel Karmann/dpa

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