Kabarettist Zimmerschied über Klima- und Gender-Haltungen: "Ironiefeindliche Unterkühltheit"

Augsburg – Der bayerische Kabarettist Sigi Zimmerschied (67) sieht sich angesichts unerbittlich geführter Klima- und Genderdebatten in seine künstlerische Anfangszeit im tiefkonservativen Passau zurückversetzt.

Der bayerische Kabarettist Sigi Zimmerschied (67) hält manch moralische Ansichten für übertrieben humorfeindlich. (Archiv)
Der bayerische Kabarettist Sigi Zimmerschied (67) hält manch moralische Ansichten für übertrieben humorfeindlich. (Archiv)  © Armin Weigel/dpa

"Früher hat man nichts gegen den Heiligen Geist und die Jungfrau Maria sagen dürfen, und heute darf man nichts gegen Klimaüberschwang und Genderwahn sagen", sagte der 67-jährige Passauer der "Augsburger Allgemeinen" vom Samstag.

"Da gibt es diese neuen Tabus, die mit derselben ironiefeindlichen Unterkühltheit präsentiert werden", sagte Zimmerschied, der dem Publikum außerhalb Bayerns durch seine Auftritte als Polizeichef in den "Eberhofer"-Krimis bekannt ist.

"Wir leben momentan in einem Rigorismus (sturres Festhalten an bestimmten moralischen Grundsätzen - Anm. d. Red.), der mit den Siebzigern vergleichbar ist", sagte Zimmerschied. "Nur jetzt hat man das Problem, dass diese katechetische Unbeweglichkeit von Menschen kommt, mit denen man sich verbunden gefühlt hat", fügte er über meist von Links geführten Debatten hinzu.

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Er sei aber durch seine Prägung in der Ära des CSU-Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß robust gegen den heutigen Zeitgeist: "Ich habe in dieser Hinsicht bereits eine Impfung, ich bin immun", sagte Zimmerschied.

Medien eine Mitschuld an Entwicklung

"Ich habe den Strauß und die Päpste und die katholischen Kleriker, die Weltkriegsveteranen und die 80 Prozent CSU in Passau überlebt. Da werde ich diese paar Jahre Genderwahnsinn und neue Moralität überstehen."

Zimmerschied gab für die Entwicklung, die dem Kabarett schade, den Medien eine Mitschuld: "Die Fähigkeit, Ironie verstehen zu können, hat sich kurioserweise schon längere Zeit abgebaut", sagte er.

Das habe er als Kabarettist frühzeitig begriffen. "Das hängt sehr viel zusammen mit der Trivialisierung von Ironie durch die Medien", fügte er hinzu.

"Die Unterhaltungsabteilungen in den Fernsehstationen haben der Ironie einen oberflächlichen Teppich bereitet. Auf diese Weise haben sie deren tieferschürfende Form im Kabarett kaputt gemacht."

Titelfoto: Armin Weigel/dpa

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