Linda Zervakis: Die Quoten-Ausländerin der Tagesschau?

Hamburg - "Die haut raus, wie ihr der Schnabel gewachsen ist", kündigte Moderator Sebastian Merget jetzt die Nachrichtensprecherin Linda Zervakis (45) für seine YouTube-Talkshow "HAUS' JETZT RAUS" auf Instagram an. Das tat die 45-Jährige dann auch.

Linda Zervakis (45) im Interview.
Linda Zervakis (45) im Interview.  © Screenshot/YouTube/HAUS' JETZT RAUS

"Hier darf ich pissen sagen", lachte die Tagesschausprecherin direkt am Anfang der Show. Darum sollte es dann aber doch nicht gehen.

Das Thema, über das Linda Zervakis reden wollte, durfte sie sich selbst aussuchen. Und einen Witz. Das sind die Regeln des YouTube-Formats.

Ihre Wahl: "So Lala-Momente". Die Übersetzung für ihr erstes Buch "etsikietsi".

Dabei geht es unter anderem, um das Leben, als Mädchen zwischen zwei Nationen. Griechenland und Deutschland. Sie sei nun Mal ein bisschen griechisch und ein bisschen deutsch.

So-Lala-Momente gab es einige in ihrem Leben. Sie wuchs mit mit geringen finanziellen Mitteln auf. Konnte nicht zu allen Kindergeburtstagen gehen, weil sie einfach kein Geld für ein Geschenk hatte.

Nach der Schule ins Ausland gehen? Das hätte sie gerne gemacht. Durfte sie aber nicht. Auch ein Studium war nicht drin. Ähnlich wie bei ihrer Mutter. Die sollte nur eine gute Hausfrau werden und heiraten, verriet die 45-Jährige im Interview.

Ganz so "schlimm" war es bei der Neu-Autorin dann doch nicht.

Linda Zervakis bei der Tagesschau

Linda Zervakis und Moderator Sebastian Merget.
Linda Zervakis und Moderator Sebastian Merget.

2013 ging es für Linda zur Tagesschau. Ein riesiger Schritt. Ob sie glaube, dass sie den Job als Quoten-Ausländerin bekommen hat? "Kann sein, ich hoffe aber nicht."

Ihr neuer Karriereschritt wurde damals in den Medien jedenfalls so angekündigt: "Die erste Tagesschausprecherin mit Migrationshintergrund."

Die 45-Jährige hat sich damals wenig darüber gefreut. Sie habe sich sogar eher erschrocken. Bis ihr dann einfiel: Ach stimmt ja, da war ja was! Sie hat einen Migrationshintergrund. Gut fand sie die Berichterstattung damals trotzdem nicht. Hätte es nicht gereicht zu sagen, dass sie die neue Tageschaus-Sprecherin ist?

"Ich möchte nicht die Vorzeige-Migrantin sein." Damit hätte sie nichts zu tun gehabt. Sie habe ein ganz normales Leben geführt. Rassismus habe sie nicht erlebt.

Als "nur" Migrantin sieht sie sich sowieso nicht. Man könne sie gar nicht in eine Schublade stecken. Zumindest nicht in die deutsche oder griechische. Wenn, dann in die europäische.

Mit ihrem Buch "etsikietsi" habe sie ihrer Mutter jetzt ein Denkmal gesetzt. "Die hatte wirklich ein etsikietsi-Leben". Kriegskind, keine Schulbildung... Kennengelernt hat sie ihre Mutter über ihr Tagebuch. Gemeinsame Weinabende, an denen man über die Vergangenheit plauderte, waren bei den beiden nicht drin. Ihre Mutter habe täglich 15 Stunden im Familien-Kiosk geackert.

Und was plant die Tagesschau-Sprecherin jetzt für neue Projekte? Keine. Reicht jetzt erstmal. Schließlich ist sie Podcasterin Autorin, Tagesschausprecherin und muss auch noch "Wäsche waschen, putzen und bügeln."

Titelfoto: Screenshot/YouTube/HAUS' JETZT RAUS

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